Zum Inhalt springen

Header

Audio
Ist die Inflation ein Grund zur Sorge?
Aus Rendez-vous vom 02.08.2021.
abspielen. Laufzeit 30:44 Minuten.
Inhalt

Preise steigen nur langsam Trotz Inflation: In der Schweiz herrscht keine Angst

Die Teuerung in der Schweiz ist im Juli leicht auf 0.7 Prozent gestiegen. Kein Grund zur Sorge, sagt der Ökonom Matthias Geissbühler.

Ein bisschen Inflation ist gut für alle. Denn leicht steigende Preise schieben die Wirtschaft an. Konkret zögern die Konsumentinnen und Konsumenten nicht beim Einkaufen. Sie greifen lieber heute zu als morgen, was dann beispielsweise auch den Detailhandel freut. Zugleich bauen die Firmen die Produktion generell aus und investieren, solange sie dank steigender Preise auf höheren Umsatz hoffen können.

Wenn aber die Teuerung ausser Kontrolle gerät, wird es riskant: Dann verliert das Geld zu rasch an Wert. Die Leute können sich für ihren Lohn immer weniger leisten. Die Preisstabilität ist in Gefahr.

Maximal zwei Prozent Teuerung angestrebt

Für eine vorsichtige Notenbank wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) wäre eine Teuerungsrate über zwei Prozent bereits höchst alarmierend. Aber davon könne keine Rede sein, sagt Matthias Geissbühler, Ökonom und Anlagechef von Raiffeisen Schweiz.

Jahresteuerung beträgt 0.7 Prozent

Box aufklappen Box zuklappen

Die Jahresteuerung in der Schweiz hat im Juli leicht angezogen. Sie stieg auf 0.7 von 0.6 Prozent im Vormonat. Dabei lag die Jahresteuerung der Inlandgüter bei 0.3 Prozent, Importgüter waren 1.9 Prozent teurer als im Juli 2020. Bei den Importen schlugen vor allem höhere Energiepreise zu Buche.

Im Zuge der Coronakrise und billigerer Ölpreise war die Jahresteuerung im letzten Sommer bis auf -1.3 Prozent gefallen. Seither ging es mehr oder weniger konstant wieder leicht nach oben. Seit April ist der Wert wieder im positiven Bereich.

Dass derzeit die Teuerung merklich zulege, habe vor allem mit den pandemiebedingten Preiseinbrüchen im letzten Jahr zu tun. Weil die Wirtschaftstätigkeit damals global heruntergefahren wurde, gab es auch keine Teuerung oder sogar eine negative.

Jetzt gebe es Aufholbedarf, das seien sogenannte Basiseffekte, beispielsweise bei Rohstoffen. «Doch bei einer Inflation von 0.7 Prozent sind wir in der Schweiz immer noch in einem absolut komfortablen Bereich», betont Geissbühler.

Weltweites Phänomen

Diese Basiseffekte zeigen sich global: Weltweit kosten Energie und Nahrungsmittel, aber beispielsweise auch Mikrochips für die Autoindustrie deutlich mehr, als das noch vor einem Jahr, auf dem Höhepunkt der Coronakrise, der Fall war.

Für die US-Notenbank ist diese Aufholbewegung der Preise im Wiederaufschwung willkommen und auch das Hauptargument, um ihre lockere Geldpolitik fortzuführen.

In der Schweiz sind wir immer noch in einem absolut komfortablen Bereich.
Autor: Matthias Geissbühler Ökonom und Anlagechef von Raiffeisen Schweiz

Ähnlich ist es in Europa. Auch hier herrscht keine Angst vor grassierender Inflation. So lautet die Botschaft der Europäischen Zentralbank (EZB), obschon die Teuerung im Euroraum derzeit bereits zwei Prozent beträgt.

Gefahr durch Lohn-Preis-Spirale?

Grund zur Sorge gäbe es nach Einschätzung vieler Ökonomen aber erst, wenn der Preisauftrieb für längere Zeit massiv zunähme. Das könnte dann zur berüchtigten Lohn-Preis-Spirale führen. «Wenn die Preise steigen und die Löhne daraufhin angehoben werden, kann sich das wie eine Spirale nach oben drehen», sagt Raiffeisen-Ökonom Geissbühler.

Doch in der Schweiz habe es in den letzten Jahren nur sehr moderate Lohnanstiege gegeben. Und dass sich das im bevorstehenden Lohnherbst massiv ändere, sei mit Blick auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre unwahrscheinlich. Derzeit ist es also sehr unwahrscheinlich, dass die Preise in der Schweiz plötzlich ausser Rand und Band geraten.

Rendez-vous, 02.08.2021, 12.30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Auch wenn die Preise nur langsam steigen - aber sie steigen. Bei jedem Einkauf kann man Vergleiche ziehen. Vieles ist teurer geworden. Im Portemonnaie trifft es besonders Rentner und Menschen mit niedrigem Einkommen - wie immer. Komfortablen Bereich in der Schweiz - aber für wen? Es trifft nicht alles gleich.
  • Kommentar von Salzmann Benjamin  (Benjamin Salzmann)
    Inflation und kein Problem? Da tönt es aber von wirklichen Experten wie Hans-Werner-Sinn, ehemaliger Leiter des deutschen Ifo-Instituts aber anders. Wobei dieser eher vom Euroraum redet. Zudem kann man den Warenkorb sowieso vergessen. Das ist für die Leute, die kein Geld haben. Man muss sich schon die Vermögenswerte anschauen. Immobilien, Aktienkurse, Luxusgüter zum bsp. Da sieht es ganz anders aus. Rekordpreise weil alle ihr Geld reinbuttern = Inflation
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Immobilien und Aktienkurse sind KEINE Verbrauchsgüter. Und erzielen unteranderem solch extreme Werte weil die Zinsen so niedrig sind.
      Die Zinsen sind wiederum zum Teil so niedrig, weil die Inflation so niedrig ist, und so viel Geld eher gehortet als investiert wird.

      Es ist ein Teufelskreis, den wir nun vielleicht endlich brechen können. Mit neuen Technologien und einer gesunden Portion Inflation.
  • Kommentar von Thomas Meier  (Harz)
    Die Zentralbanken sind froh über eine Teuerung. Seit der Finanzkrise 2008 hat sich die Geldmenge mehr als verdoppelt, z.T. verdreifacht. D.h. die Staatsverschuldung war schon vor der Covid Krise stark gestiegen und explodierte förmlich. Bei steigender Inflation müssten die Zinsen steigen, das wollen aber die ZB's genau nicht. Sie streben an, dass die Schulden weginflationiert werden. Andererseits wird das Volksvermögen dadurch schmelzen (PKs). - 0.75 Zins plus Inflation 2% = - 2.75 Realzins.
    1. Antwort von Jürg Suter  (Sut)
      Sehr gut zusammengefasst. Die Leidtragenden sind wie oft, der Sparer und Lohnabhängige.
    2. Antwort von Mattias Derungs  (Mattias Cristian Derungs)
      Apropos Leidtragende Sparer und Lohnabhängige: Die tatsächlichen Verlierer sind u.a. der arbeitende Mittelstand und ganz im Speziellen diejenigen, welche in dieser Statistik überhaupt nicht berücksichtigt werden, nämlich all jene Stellensuchende ohne Einkommen d.h. Arbeitslose und Ausgesteuerte, welche ihr ganzes angespartes Vermögen aufgebraucht haben und auf Gedeih und Verderb auf die FSH des Staates (jedes einzelnen Steuerzahlers) angewiesen sind!