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ProSiebenSat.1 Die Familie Berlusconi greift nach ProSiebenSat.1

Die Familie Berlusconi übernimmt bei ProSiebenSat.1 die Kontrolle. Die Hintergründe zum Machtwechsel.

Der Berlusconi-Clan: Der Name Berlusconi ist ein Begriff: Nicht nur in Italien, sondern generell. Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi sorgte oft für Schlagzeilen – als Politiker und mit seinen Skandalen und Affären. Zuvor ist es ihm gelungen, in Italien ein Medienimperium aufzubauen, mit verschiedenen Fernsehstationen. Vor zwei Jahren ist Silvio Berlusconi gestorben und seine Geschäfte wurden von der Familie übernommen. Diese wagt nun den Schritt nach Deutschland.

Bild von Silvio Berlusconi
Legende: Pier Silvio Berlusconi ist der Chef der italienischen Gruppe Media for Europe und übernimmt indirekt die Kontrolle bei ProSiebenSat.1. Imago / Italy Photo Press

Die Übernahme: Dass die Familie Berlusconi die ProSiebenSat.1-Gruppe übernehmen will, ist ein offenes Geheimnis, doch erst jetzt ist der Weg frei. Bisher hält die von der Familie Berlusconi kontrollierte Media For Europe (MFE) einen Anteil von 43.6 Prozent am deutschen Privatsender. Nun kann MFE einen weiteren Anteil von 15.7 Prozent übernehmen und kommt somit auf eine solide Mehrheit von 59 Prozent. Mit anderen Worten: Es gibt einen Machtwechsel. Eines der grössten deutschen Medienhäuser gerät – aus deutscher Sicht – in ausländische Hände. Und die Familie Berlusconi baut ihren Einfluss in Europa aus.

Vergleich: Beim Vergleich der beiden Medienhäuser fällt auf, dass ProSiebenSat1 gemessen am Umsatz zwar grösser ist, aber geschäftlich weniger erfolgreich. Seit mehreren Jahren schreibt die deutsche Gruppe rote Zahlen, während Media For Europe rentiert. Als logische Folge ist die Gruppe MFE auch an der Börse wertvoller.

Modell schreitet über Laufsteg
Legende: Die derzeit bekannteste Sendung aus dem Hause von ProSiebenSat.1: Germany's Next Topmodel. Imago / Cover-Images

Legendäre Sendungen von ProSiebenSat1: Das deutsche Medienhaus ist ein Pionier und hat das Fernsehen in Deutschland und auch in der Schweiz in den vergangenen 40 Jahren geprägt. 1984 ging mit Sat.1 der erste private Sender Deutschlands auf Sendung. Es folgten Fusionen und Zusammenschlüsse. Die Gruppe zeigte bekannte Formate wie die Harald-Schmidt-Show, Arabella, TV total, Big Brother, Voice of Germany und auch Sendungen über Sex wie «Liebe Sünde». Aushängeschild ist die Sendung Germany’s Next Topmodel.

Heidi Klum steht auf der Bühne mit weiteren Frau
Legende: Glitzer und Glamour: Heidi Klum (links) führt durch die Sendung. Getty Images / Seven.One Entertainment Group

Zenit überschritten: Die besten Jahre des Bezahlfernsehens sind allerdings vorbei, das Publikum läuft davon. Es gibt eine starke Konkurrenz durch Streamingdienste wie Netflix und Co. Dass der Stern von ProSiebenSat.1 sinkt, zeigt sich auch am Aktienkurs. Vor 10 Jahren kostete die Aktie 50 Euro. Inzwischen ist der Kurs um mehr als 80 Prozent eingebrochen.

Das Berlusconi-Imperium: Mit der Expansion nach Deutschland kann die Familie Berlusconi einen wichtigen Erfolg verbuchen, das Unternehmen sieht sich als europäischen Anbieter, wie sich bereits im Firmennamen zeigt. Bisher war MFE-Gruppe vor allem in Italien und Spanien mit einem breiten TV-Angebot präsent, nun kommen die Sender aus Deutschland hinzu.

Skeptische Reaktionen: In Deutschland blickt man der Übernahme mit gemischten Gefühlen entgegen. Der deutsche Medienminister Wolfram Weimer will sich nächste Woche mit Pier Silvio Berlusconi treffen. «Wir erwarten, dass die journalistische Unabhängigkeit der Redaktionen erhalten bleiben und kein Einfluss durch die neuen Anteilseigner genommen wird», sagt Weimer. Auch der Deutsche Journalisten-Verband ist skeptisch. Es sei bedauerlich, aber offenbar nicht mehr zu ändern, dass ProSiebenSat.1 von Berlusconi übernommen werde. Die künftigen Eigentümer seien gut beraten, die deutschen Privatsender nicht zur rechtspopulistischen Dampfmaschine zu machen, heisst es beim Verband.

SRF4 News, 29.8.2025, 16:12 Uhr;liea

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