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Protektionismus vs. Freihandel Eine Frage der Branche

Schweineproduzenten fürchten sich vor ausländischem Billigfleisch. Die Käsebranche wünscht sich dagegen mehr Freihandel.

Legende: Audio Freihandel – Fluch oder Segen für Bauern? abspielen. Laufzeit 23:03 Minuten.
23:03 min, aus Trend vom 08.12.2018.

Ein Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern oder den USA? Für Meinrad Pfister, Präsident der Schweizer Schweineproduzenten Suisseporc, ist das keine schöne Vorstellung. Je nachdem, wie so ein Freihandelsabkommen ausgestaltet sein wird, könnte dann nämlich in grossem Stil billiges Schweinefleisch in die Schweiz gelangen – etwa aus Brasilien. Das wäre ein Problem für die Branche, so Pfister: «Mercosur-Länder haben praktisch keine Vorschriften beim Tierschutz und sehr billiges Futter, da sind wir unmöglich konkurrenzfähig.»

Schweinefleisch als Lockvogel

Auch Schweizer Fleisch in die neuen Märkte zu exportieren, dürfte schwierig werden, befindet Pfister. Denn der Branche fehle die Erfahrung im Export. Heute werde gerade mal ein Prozent der produzierten Menge im Ausland verkauft. Ausserdem: «Schweinefleisch wird von den Detailhändlern heute oft als Lockvogelangebot benutzt, um die Leute in die Läden zu kriegen», so der Suisseporc-Präsident. Das sei schlecht für das Image des Schweinefleisches und schlecht für den Export, denn im Ausland liessen sich vor allem Hochpreis-Qualitätsprodukte gut verkaufen.

Käsebranche wünscht sich mehr Export

Ganz anders tönt es bei Fromarte, dem Dachverband der Schweizer Käseproduzenten. Deren Präsident Hans Aschwanden wünscht sich mehr Freihandel. Für die Käsebranche wäre es eine Chance, mehr im Ausland verkaufen zu können. Anders als die Schweineproduzenten haben die Käser bereits reichlich Erfahrung im Export gesammelt. Seit 2007 wurden die Grenzen zur EU schrittweise geöffnet.

Der Käser steht vor einem grossen Kessel, mit flüssigem Käse drin.
Legende: Fromarte-Präsident Hans Aschwanden wünscht sich mehr Freihandel. SRF

Diesen Umbruch hätten zwar nicht alle überlebt: «Viele Käsereien mussten aufgeben, der Druck vom Ausland wurde grösser, vor allem im Bereich Billigkäse», so Aschwanden. Doch insgesamt seien die Käsereien gestärkt aus der Situation herausgegangen. Sie seien innovativer geworden und hätten neue Sorten entwickelt.

Könnten die Schweineproduzenten also auf die lange Sicht auch von einer Öffnung der Landwirtschaftsmärkte profitieren? Ja, findet der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse: «Die Landwirtschaft hat in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass sie anpassungsfähig ist», sagt Chefökonom Rudolf Minsch.

Eine Schweinemutter mit ihren Ferkeln.
Legende: Lässt sich Schweinefleisch schlechter vermarkten als Käse? SRF

Es gehe ja auch nicht um eine radikale Öffnung der Agrarmärkte. Sondern könnte zum Beispiel bedeuten, dass zusätzliche Tonnen Fleisch zollfrei importiert werden könnten. Das könnte schrittweise, über Jahre erfolgen. Aschwanden hingegen ist skeptisch. Das Schweinefleisch lasse sich im Ausland schlechter vermarkten als Käse, findet er: «Schweinefleisch wird eher als Billigprodukt wahrgenommen.» Deshalb sei es schwieriger, sich von der ausländischen Konkurrenz abzuheben.

Freihandel ohne Agrargüter

Auch der Schweizer Bauernverband fordert deshalb, dass bei einem allfälligen Freihandelsabkommen, zum Beispiel mit den Mercosur-Ländern oder der USA, Landwirtschaftsprodukte grösstenteils von den Abkommen ausgenommen werden.

Damit bei den Mercosur-Staaten und den USA durchzukommen, dürfte allerdings schwierig werden, denn sowohl die Mercosur-Länder wie auch die USA haben grosses Interesse am Export von Agrargütern.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Massentierhaltung der Schweine ist eine tierquälerische Haltung. Tier zusammen gepfercht, oft keine Strohunterlage, kein Auslauf. Das prägt ein, wer will da noch Schweinefleisch kaufen ohne schlechtes Gewissen? Billigimport aus dem Ausland übertrifft die Quälerei der Tiere noch mehr. Wer kennt sie nicht die Schlagzeilen aus Deutschland. Mehr Ethik und Respekt vor diesen armen Tieren, etwas mehr bezahlen für Fleisch und für mehr Tierwohl sorgen wäre ein guter Schritt vorwärts.
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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Mit der Öffnung des Käsemarktes hat diese Branche nun eben ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und die Chancen auf ausl. Märkten entdeckt. Die Fleischbranche hat davor Angst. Sie sollte über entsprechende Freihandelsabkommen dazu gezwungen. Dann hören die Mondpreise für Fleisch (ca. 2.5x teurer) endlich auf.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Dann sollte mal ein SMM statt das Hohe Lied des Kaeseerfolges zu verstaerken, auflisten, wieviel direkte und indirekte Subventionen an Milchgewinnung und Kaeseherstellung in einem kg Exportkaese frei Grenze stecken, um ihn global "erfolg"reich zu machen....
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    2. Antwort von Sascha Freitag (SF)
      Aber auch 2.5x besser als ausländisches Fleisch und, vor allem ist auf das Verfallsdatum Verlass.
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    3. Antwort von Jürg Häusermann (Ebenda)
      @SF: Aber der Bürger/Kunde sollte wählen dürfen, welches Fleisch er kauft. Heute wird es ihm über Marktabschottung vorgeschrieben.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Weniger wäre da mehr und zwar bei der "Milch und Käse Produktion"! Vorallem beim Käse sind es die "Industrie Käsereien" die nach mehr Export enge "schreien"! Die Alpkäse und Nischen Käse Produkte haben ihre Kundschaft in der Schweiz! Es gilt "Qualität statt Quantität"!
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