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Unruhen in Hongkong: Wie reagieren Schweizer Unternehmen?
Aus Rendez-vous vom 15.07.2020.
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Schwieriges Umfeld So reagieren Schweizer Firmen auf die Lage in Hongkong

China nimmt Hongkong an die kurze Leine, die USA ermöglichen Sanktionen. Das hat Folgen für den asiatischen Handels- und Finanzplatz.

Schweizer Unternehmen sprechen ungern über ihre Geschäftsrisiken in Hongkong. Zahlreiche von SRF kontaktierte Unternehmen äussern sich nicht oder nur knapp dazu. Einige Firmen sagen ausweichend, man beobachte das Umfeld laufend – das gelte aber für alle Länder, in denen man tätig sei.

Andere, etwa der Pharmakonzern Roche und der Industrieriese ABB, lassen schriftlich sinngemäss ausrichten: Man halte sich an allen Standorten strikt an die gesetzlichen Vorschriften und internen ethischen Standards. Swatch winkt mit einem simplen «no comment» ab. Der Uhrenkonzern kämpft in Hongkong schon länger mit Problemen: Wegen der Unruhen in der Metropole ist im letzten Jahr der Tourismus eingebrochen. Swatch musste Läden schliessen.

Vermehrte Investitionen in Südostasien

Hongkongs Wirtschaft ist im letzten Jahr geschrumpft. In diesem Jahr dürfte sich der Schrumpfkurs wegen Corona und den weiteren Unsicherheiten noch verstärken, sagt Stefan Butz, Chef der Schweizer Handelsfirma DKSH.

Er stützt sich auf internationale Prognosen: «Das Umfeld in Hongkong wird sich definitiv nicht verbessern, sondern dieses Jahr weiter verschlechtern.» Zu schaffen macht Hongkong – neben der Coronakrise – auch der Handelsstreit zwischen China und den USA.

Stefan Butz
Legende: Stefan Butz ist der Chef der Handelsunternehmens DKSH. Dieses ist auch in Südostasien tätig. Keystone

Das macht das Geschäften für Unternehmen vor Ort unberechenbarer. Laut Butz reagieren jetzt offenbar die ersten Firmen: «Als erste Reaktion auf diese Streitigkeiten sehen wir, dass viele Unternehmen verstärkt in Südostasien investieren.» DKSH käme das zugute, denn das Unternehmen ist deutlich stärker in Thailand oder Vietnam tätig als in Hongkong oder China.

Reiche Privatkunden treffen Vorkehrungen

Ähnlich wie die Unternehmen in Hongkong wollen sich offenbar auch vermögende Bankkunden wappnen. Das beobachtet August Benz, stellvertretender Leiter der Schweizerischen Bankiervereinigung: «Viele, vor allem vermögende Privatkunden, überlegen sich, ob sie auch Konten in anderen Finanzzentren, zum Beispiel in Singapur, eröffnen.» Bei den reichen Hongkonger Bankkunden handelt es sich meist um Festlandchinesen.

Bildschirm mit Aktienkursen in Hongkong
Legende: Reiche Bankkunden bereiten sich laut der Bankiervereinigung mit Zweitkonten darauf vor, schnell reagieren zu können, wenn etwas Schwerwiegendes in Hongkong passiert. Keystone

Auch UBS, Credit Suisse und Julius Bär wollen ihr Hongkong-Geschäft nicht öffentlich kommentieren. Branchenbeobachtern zufolge dürfte Hongkong trotz allen Unsicherheiten wichtig bleiben für Schweizer Banken.

Benz erklärt es so: «Chinesische Firmen, die international agieren möchten, wagen häufig den ersten Schritt ins Ausland über Hongkong. Insofern ist das ein sehr wichtiger Finanzplatz für Asien, global, aber auch für China selber und viele Firmenkunden und Firmen in China.» Hongkong als Bindeglied zwischen Festlandchina und den internationalen Finanzmärkten: Diese Funktion wolle China wohl beibehalten, sind sich Bankenbranchenkenner einig.

Letztlich werden solche handfesten wirtschaftlichen Interessen auf beiden Seiten des politischen Streits wohl massgeblich mitbestimmen, welche Geschäfte in Hongkong weiterhin möglich sein werden, und welche nicht.

Rendez-vous, 15. Juli 2020, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Chinas Staatspräsident Xi Jinping herrscht uneingeschränkt, er glaubt an die Stärke seiner Nation und will, dass sie wieder Weltmacht wird. Wir alle werden den Einfluss zuspüren bekommen wenn die Seidenstrasse bis nach Europa fertig gebaut sein wird. Das wird unsere Wirtschaft schwächen - und keiner will es bereits heute bemerken.China hat bereits grossen Einfluss in den afrikanischen Ländern, die bereits hoch verschuldet sind und auf China reingefallen sind. Von China droht Gefahr.
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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Chinas Staatspräsident Xi Jinping herrscht uneingeschränkt, er glaubt an die Stärke seiner Nation und will, dass sie wieder Weltmacht wird. China hält den Westen für schwach.Die westliche Wirtschaft abhängig von chinesischen Markt,das schwächt, Grosse Teile der Industrie in D + CH sind bereits an China verloren gegangen, sind nicht mehr eigenständig in ihren Entscheidungen was den chinesischen Markt angeht, dass spürt man dann auch in der Politik. XI streckt der Welt seine eiserne Faust entgegen
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Mittelfristig wird China von anderen Staaten überholt werden und seine Bedeutung und Einfluss wird schwinden. Indem der Staat Freiheit und Individualismus massiv unterdrückt und Andersdenkende einsperrt, geht auch sämtliches Potential verloren. China ist unter Xi nur noch Durchschnitt. Kreativität und Querdenken sind nicht gefragt. Der jetzige Aufstieg ist vor allem den Lockerungen der 90er und 0er Jahre zu verdanken, verbunden mit dem Freien Hong Kong. All Das macht Xi aber gerade zunichte.
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andy Gasser: Basiert Ihr Kommentar auf wissenschaftlich überprüften Hypothesen über das Zukunftspotential Chinas oder ist es eher eine Wunschvorstellung? Wenn wir risikoavers sind, sollten wir China besser nicht unterschätzen, sondern uns anstrengen, technologisch nicht von China abgehängt zu werden. Denn wenn Ihr Szenario nicht eintritt, sitzen wir ganz schön in der Tinte.
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    2. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Eine Nation die Angst vor Winnie-the-Pooh hat und diesen Charakter verbietet, ist noch lange nicht auf Augenhöhe einer modernen Gesellschaft. Nennen Sie mir eine absolute Diktatur die in der Vergangenheit besonders innovativ war.
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