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Uber bessert nach
Aus Tagesschau vom 09.07.2020.
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Selbständigere Fahrer Uber überlässt in der Sackgasse den Fahrern das Steuer

Ubers Kalkül hinter den Anpassungen der Uber-App für die Schweiz ist offensichtlich: Im bevorstehenden rechtlichen Disput um den Status ihrer «unabhängigen Partner» – oder unselbstständig Angestellten, wie die Gegenseite argumentiert – wollen die Kalifornier bessere Karten in Händen halten. Und sie wollen aus vergangenen juristischen Niederlagen lernen. Das Argument, die Fahrerinnen und Fahrer seien von Uber abhängig, müssten allein von Uber zugeteilte Fahrgäste zu einem von Uber festgelegten Preis von A nach B transportieren, seien deshalb keine Selbstständige – dieses Argument soll nicht mehr stechen.

Uber stört sich wohl nicht nur an den drohenden Sozialversicherungskosten. Die liessen sich, zumindest teilweise, auf die Fahrgäste abwälzen. Uber dürfte auch davor zurückschrecken, seine Plattform für jedes Land den lokalen Vorschriften anpassen zu müssen. Das verhindert sogenannte Skaleneffekte – Kosteneinsparungen aus dem x-fachen Kopieren derselben Lösung.

Endspiel um Uber-Präsenz in der Schweiz

Für Uber geht es mit der überarbeiteten App «im Rahmen eines Pilotprojektes speziell für die Schweiz» noch um mehr. Die Bezeichnung «Pilotprojekt» suggeriert zwar einen baldigen Anfang. In Tat und Wahrheit erinnert Ubers Situation in der Schweiz eher an ein bevorstehendes Endspiel.

Man werde sich aus dem Schweizer Markt zurückziehen, sollten Uber-Fahrer gerichtlich letztinstanzlich als Angestellte gelten. Das liess Uber schon mehrfach verlauten. Ob das ein Bluff ist, ist schwer abzuschätzen.

Betrachtet man Ubers Gene, wird klar, dass die Vorstellung, Fahrerinnen und Fahrer anstellen zu müssen, für die Fahrdienstplattform nicht nur aus finanziellen Gründen ein Graus ist. Uber galt lange als einer der Stars der im Silicon Valley beheimateten Plattform-Ökonomie: Tech-Firmen, die Angestellte, Maschinen und Fabrikgebäude als unnötige Lasten der «old economy» – der Wirtschaft von gestern – sehen. Die stattdessen ihr Geld allein mit Technologie verdienen wollen, im Falle Ubers mit einer App.

Uber hat Rechnung ohne den Staat gemacht

Ökonomen nennen das Geschäftsmodell eine zweiseitige Plattform: ein virtueller Marktplatz, auf dem Anbieter mit Nachfragern zusammengeführt werden – und wo idealerweise beide Seiten den Betreiber des Marktplatzes für die Nutzung der Technologie bezahlen. Das Geschäftsmodell an sich ist x-fach erprobt und kopiert: Airbnb oder Booking.com vermitteln statt Fahrten weltweit Ferienwohnungen oder Hotelzimmer – ohne über eigene Zimmer zu verfügen oder eigene Hotel-Angestellte zu beschäftigen.

Uber allerdings scheint bei seinem Business-Plan die Rechnung ohne einen Dritten gemacht zu haben: Den Staat. Einen Staat, der sich in weiten Teilen der Welt um die soziale Absicherung der Arbeitnehmer und die Sicherheit der Fahrgäste kümmert. Dies hatten die Fahrdienstpioniere aus dem in Sachen Sozialversicherungen immer noch wilden Westen der USA zu wenig auf dem Radar. Das liess sie gerade auch in der Schweiz in eine Sackgasse steuern. Fragt sich, ob sie, indem sie das Steuer nun vermehrt den Fahrern übergeben, da tatsächlich wieder herausfinden.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

Echo der Zeit, 09.07.20, 18 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Das Problem in der Uber Debatte sind die Konditionen von Uber, nicht der Dienst an sich. Das Grundprodukt, welches Uber bietet ist einem normalen Taxi eigentlich in allen Punkten überlegen und aus Kundensicht genial. Es muss einfach Sichergestellt sein, dass die Fahrer davon leben können. Ich als Konsument bezahle gerne einen fairen höheren Preis für eine Faht mit Uber, wenn dafür alle beteiligten Fair entlöhnt werden. Will das Uber nicht, sollen andere Anbieter diese Lücke füllen.
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Die Entlöhnung ist ein Teil. der wichtige Teil sind aber die Sozialbeträge die Uber nicht zahlen will. Wer also bei Uber krank wird, Unfall hatt oder ähnliches, hat keinerlei Absicherung. Das gleiche gilt auch für Arbeitslosigkeit. Uber bezahlt nichts, die Allgemeinheit aber soll dann für solche Situationen auf kommen. Und das ist ein Unding. Wieder sollen Gewinne privatisiert und alles andere sozialisiert werden. Wir aber leben in der Schweiz.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Letztendes bleibt die Frage wer im Land regiert. Bund oder Wirtschaft. Seit 30 Jahren gibt die Regierung der Wirtschaft immer mehr Freiraum. Aktionäre und Firmeneigentümer verdienen Milliarde um Milliarde ohne dass sie etwas leisten und im Gleichen bleiben die Arbeitnehmer immer stärker auf der Strecke. Uber ist ein Musterbeispiel dieses zerstörenden Systems. Der Bund muss Farbe bekennen. Steht er zu seinem Volk das ihn gewählt hat oder ist er Zudiener der Wirtschaft.
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    1. Antwort von Jürg Häusermann  (Abraham)
      Der größte Kapitalstock liegt bei den PKs. Also profitieren wir alle von einer liberalen Wirtschaftspolitik
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Würde Uber diesen Fall gewinnen wäre das der vollständige Untergangs des Schweizer Staates. Die Wirtschaft darf keinesfalls noch mehr Macht und Freiheit erhalten. Man stelle sich vor wie einfach dieses tödliche System auf 100'000 andere Arbeitsstellen ausgeweitet werden könnte. Sämtliche Dienstleistungsanbieter, von Transportunternehmen über Service- und Montageanbieter bis zur Pflege könnten so ein System übernehmen. Keine Arbeitslosenversicherung, keine Unfallversicherung, keine AHV, alles weg
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