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Schweizerische Nationalbank: Wirtschaft wird weiter unterstützt
Aus Rendez-vous vom 23.09.2021.
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SNB-Chef im Interview «Es gibt im Moment keinen Grund, die Geldpolitik zu verändern»

Die Schweizerische Nationalbank hat heute über die geldpolitische Lage informiert. Die Währungshüter halten an der expansiven Geldpolitik fest. Warum erklärt SNB-Chef Thomas Jordan. Er ist seit Wochenbeginn wieder voll an der Arbeit nach seiner Herzoperation im August.

Thomas Jordan

Thomas Jordan

Nationalbankpräsident

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Thomas J. Jordan wurde 1963 in Biel geboren. Er studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bern. Er wurde 2012 vom Bundesrat zum Präsidenten des SNB-Direktoriums gewählt.

SRF News: Herr Jordan, Sie sehen gut erholt aus. Die Schweizer Wirtschaft aber erholt sich offenbar nicht ganz so rasch wie gewünscht. Sie haben Ihre Wachstumsprognose etwas nach unten korrigiert. Was macht Sie zurückhaltend?

Thomas Jordan: Die Erholung ist gar nicht so schlecht. Wir haben die Prognose etwas reduziert auf 3 Prozent – von zuvor 3.5 Prozent Wachstum – für das laufende Jahr. Aber wir hatten ja 2020 diesen grossen Einbruch. Dann ging es rauf und runter, immer in Abhängigkeit von den Eindämmungsmassnahmen wegen Corona.

Wir sind zuversichtlich, dass sich die Schweizer Wirtschaft gut erholen wird.

Und in den letzten Monaten hat sich die Erholung leicht verlangsamt. Ich würde das allerdings nicht überbetonen. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Schweizer Wirtschaft gut erholen wird.

Andere Notenbanken, allen voran die US-Notenbank, sprechen davon, die geldpolitischen Zügel etwas anzuziehen. Wann ziehen Sie nach?

Für uns gibt es im Moment keinen Grund, die Geldpolitik zu verändern. Sie hat sich bewährt. Wir haben immer noch eine sehr tiefe Inflation in der Schweiz. Sie ist so sogar noch leicht unter einem Prozent.  In den USA haben wir 5 Prozent Inflation, in der Euro-Zone etwa 3 Prozent. Und bei uns dürfte die Teuerung sogar wieder leicht zurückgehen.

Wir wollen die Wirtschaft weiter unterstützen.

Das ist ein Grund, warum wir weiterhin eine expansive Geldpolitik haben müssen. Auch sind die Produktionskapazitäten der Wirtschaft immer noch nicht voll ausgelastet. Die Arbeitslosigkeit kann ebenfalls noch etwas zurückgehen. Wir wollen die Wirtschaft weiter unterstützen.

Dazu kommt, dass der Franken immer noch hoch bewertet ist. Würden wir die Geldpolitik verändern, hätten wir das Risiko, dass der Franken zu stark würde.

Die Franken-Stärke sei gar nicht mehr ein grosses Problem, sagen Ökonomen und kritische Beobachter. Wie kommen Sie zu ihrer Einschätzung, dass der Franken weiterhin zu hoch bewertet sei?

Für uns ist klar: Der Franken ist immer noch hoch bewertet. Selbstverständlich beobachten wir die Wechselkurs-Entwicklung. Im Moment zeigen alle unsere Analysen, alle unsere Modelle ganz klar, dass der Franken weiter hoch bewertet ist. 

Wir sehen das auch daran, dass bei uns die Inflation viel tiefer ist. Das heisst, der inflationäre Druck ist niedriger. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass wir einen hoch bewerteten Franken haben, der dann die Import-Preise nach unten drückt.

Das Gespräch führte Jan Baumann.

Rendez-vous, 23.09.2021, 12:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Suter  (Sut)
    Die SNB kümmert sich leider nicht um die negativen Auswirkungen. Die Immobilienpreise steigen ins unermessliche. Dadurch steigen die Mieten, der Mittelstand kann sich kein Wohneigentum mehr leisten.
    Weil die Löhne nicht im gleichen Verhältnis zur Inflation steigen werden, entstehen soziale Ungerechtigkeiten. Der SNB ist gleich und den Politikern wohl recht.
  • Kommentar von Johann Meier  (H.J. Meier)
    Verstehe diese Überlegungen, als Schattenseite dieser Niedrigzinspolitik sehe ich aber das kontinuierliche Verbauen der grünen Flächen in der Schweiz. Egal wo man durchfährt, ob Stadt oder Land, sieht man (meist wenig schöne) Neubauten aus dem Boden schiessen, welche die idyllische Schweiz langsam aber sicher zur Betoneinöde verwandeln. Hier muss in meinen Augen eine Lösung gefunden werden.
    1. Antwort von Peter Müller  (PMR)
      Die SNB kann die übermässige Investitionen in Immobilien bis zu einem gewissen Grad ausbremsen, aber nicht konplett verhindern. Die Politik müsste Mechanismen entwickeln um keine Spekulationsblasen zuzulassen. Da die Schweiz fest in Bürgerlicher Hand ist können Sie das vergessen. Aber wenn sich die "Luxus-Linken" gegen dieses Problem stemmen werden Sie als Kommunisten beschimpft, weil der Eingriff in der Marktwirtschaft ja Tabu ist. Es liegt in underen Händen aber eben.
    2. Antwort von Hardy van Heerden  (van Heerden)
      Es sind die Pensionskassen die diese Mega-Bauten finanzieren. Lieber etwas besitzen als von den Negativ Zinsen aufgefressen zu werden.

      Ist echt schade. SNB sollte endlich die Milliarden Euros loswerden die es gekauft hat damit Euro überlebt. Die ganze Europäische Union würde in sich zusammen fallen wenn die SNB den Euro nicht mehr stützen würde
    3. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr van Heerden, etwas verstehe wohl falsch . Wollen Sie das die EU zusammen bricht? Es ist eigentlich ein Widerspruch . Die SNB kauft nicht Euro um ihn zu stärken sondern den Franken nicht in die Höhe schnellen zu lassen. Auf den Euro hat dies trotz hoher Summe nur marginalen Einfluss