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Schweizer Firmen mischen im Weltraumgeschäft mit
Aus Tagesschau vom 03.08.2021.
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Space-Wirtschaft Milliardenschwere Schwerelosigkeit

Bransons, Bezos’ und Musks werbewirksame Ausflüge ins All haben den Weltraum zur Wirtschaftszone für Privatunternehmen zugänglich gemacht. Ein lukrativer Wachstumsmarkt, von dem auch Schweizer Unternehmen profitieren.

Laurent Vieira de Mello ist derzeit viel beschäftigt und entsprechend kurz angebunden. Der Strategiechef der Lausanner Firma Astrocast will nächste Woche das Start-up in Oslo an die Börse bringen, Zeit für SRF News nimmt er sich dennoch: «Unser Geschäft ist kapitalintensiv, die Marktchancen sind aber enorm», sagt er.

100 Satelliten - kaum grösser als ein Backofen

Astrocast produziert sogenannte Nano-Satelliten. Sie sind kaum grösser als ein Backofen, rund fünf Kilogramm schwer und brauchen kaum Strom. Zwölf dieser Satelliten sind bereits im All. 2024 sollen 100 Satelliten auf einer Höhe von 550 bis 650 Kilometern die Erde als Netz umspannen.

«Mit diesen Satelliten können wir automatisierte Daten-Kommunikation unter Geräten überall auf der Welt anbieten», sagt Viera de Mello, auch in den entlegensten Gebieten – egal ob am Nordpol, in der Wüste oder im Meer. So könnten beispielsweise Temperaturdaten in einem Schiffscontainer, der Druck in einer Gaspipeline oder Wanderungen von Meeresschildkröten selbständig überwacht werden, sagt Vieira de Mello.

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Vieira de Mello: Vieira de Mello: «Dank des Satelliten können Gegenstände selbstständig kommunizieren»
Aus Tagesschau vom 03.08.2021.
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Es gehe um alle möglichen Anwendungen im Bereich des sogenannten «Internet der Dinge (IOT)». Bereits heute seien Milliarden von Maschinen, Geräten, Komponenten und Sensoren ohne menschliches Zutun mit dem Internet vernetzt und kommunizierten selbständig miteinander. Durch diese Satelliten würde diese Kommunikation wesentlich einfacher und kostengünstiger.

Private «New Space»-Unternehmen als enormer Wachstumstreiber

Die Firma Astrocast ist ein typisches Weltraum-Unternehmen der sogenannten New-Space-Generation. Raumfahrtprojekte wurden jahrzehntelang von öffentlichen Institutionen – also von Staaten oder grossen Raumfahrtagenturen – in Auftrag gegeben, doch das ändert sich. Immer mehr private Anbieter treiben mit ihren innovativen Ideen die kommerzielle Nutzung des Weltalls voran.  

Der Motorenhersteller Maxon aus Sachseln im Kanton Obwalden produziert im Auftrag der NASA seit Jahren Antriebssysteme für Marsroboter – so auch jüngst Steuerungsantriebe des Mars-Helikopters Ingenuity. Doch auch in Sachseln stellt man fest: Private Anbieter drehen auf.

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Eugen Elmiger: «Ich sehe eine Vervielfachung des Umsatzes»
Aus Tagesschau vom 03.08.2021.
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So produziert Maxon mittlerweile auch Motorenelemente für Raketen. «Der Markt ist in den vergangenen Jahren durch private Anbieter viel dynamischer geworden», sagt Maxon-Chef Eugen Elmiger. Anfragen von Privaten nähmen zu: «Wir gehen davon aus, dass wir auch deshalb den Umsatz in den nächsten fünf Jahren im Space-Bereich vervierfachen können.»

Dreistelliger Milliardenmarkt – exorbitante Wachstumsprognosen

 Das Beratungsunternehmen PWC geht in ihrer Studie «Main Trends and Challenges in the Space Sector» im vergangenen Dezember davon aus, dass sich der Gesamtmarkt der Weltraumbranche jährlich zwischen 371 und 424 Milliarden US-Dollar beläuft. Der Markt sei sehr fragmentiert, es gehe hier nicht nur um Trägersysteme, Satelliten oder Weltraumtourismus. Eine sehr grosse Wertschöpfung dürfte im Bereich Datengenerierung und Kommunikation liegen.

Legende: SRF / Morgan Stanley

Kunden kämen aus allen Sektoren: Regierungen, Privatanwender, Industrie, Landwirtschaft oder auch Tourismus, schreibt PWC-Partner Luigi Scatteia. Die US-Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass im Space-Bereich 2040 weltweit jährlich rund eine Billion US-Dollar umgesetzt werde  – die Hälfte davon für Satellitensysteme für Breitbandanwendungen.

Schweiz noch an einem kleinen Ort – holt aber auf

Für die Schweizer Zulieferer sind staatliche Raumfahrtagenturen wie die Nasa vor allem aber die europäische Raumfahrtagentur ESA nach wie vor Hauptauftraggeber.

Das mit 277 Millionen Franken (Zahlen von 2020) umsatzstärkste Unternehmen im Bereich der Schweizer Weltraum-Technologie ist die Firma Ruag International.  Sie will sich neu nur noch auf das Weltraumgeschäft konzentrieren und in Zukunft unter dem Namen «Beyond Gravity» firmieren.

Der Markt boomt.
Autor: André Wall Chef Ruag International

1377 Spezialisten arbeiten derzeit in diesem Bereich. Man wolle zum integrierten Anbieter von Subsystemen für Satelliten werden, sagt André Wall, Chef von Ruag International: «Der Markt boomt. Wenn man sich die Wachstumsraten im Vergleich zu anderen Märkten anschaut, dann wachsen wir bis 2040 im zweistelligen Bereich, mit 15 bis 16 Prozent Wachstumsraten pro Jahr.»

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André Wall: «Die jährlichen Wachstumsraten liegen bei 16 Prozent»
Aus SRF News vom 04.08.2021.
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In der Schweiz haben sich 26 Unternehmen, die direkt mit Raumfahrttechnologie zu tun haben, in der Swiss Space Industries Group SSIG zusammengeschlossen. Diese Unternehmen beschäftigen über 1000 Angestellte. Der Jahresumsatz liegt bei etwa 270 Millionen Franken.

Wichtigste Schweizer Unternehmen im Space-Bereich

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  • Ruag International AG – wird Beyond Gravity
    Will das Rüstungsgeschäft komplett abstossen und sich als Start-up in der Satellitentechnologie etablieren
  • APCO Technologies SA
    Spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung mechanischer und elektromechanischer Ausrüstung für die Raumfahrt
  • Thales-Alenia Space Anbieter von Hightech-Lösungen für die Satelliten- und Raumfahrtechnik
  • Maxon Motor AG Anbieter von präzisen Kleinmotoren und Antriebssystemen für die Raumfahrttechnik
  • ViaSat Switzerland SA
    Antennensysteme für die Weltraumtechnologie
  • U-Blox
    Hersteller von Navigationsatelliten-Empfänger-Chips für Autos und Industriegeräte

Hinzu kommen noch weitere Firmen, in denen rund 1500 Personen im Bereich der Raumfahrt tätig sind – vor allem in den Bereichen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Tendenz steigend. Viele dieser Unternehmen sind aus der Forschung entstanden und haben sich aus den ETHs in Lausanne und Zürich sowie Universitäten und Fachhochschulen entwickelt.

Rund 250 Millionen jährlich vom Bund

«An den ETH-Standorten Lausanne und Zürich hat sich ein eigentlicher Raumfahrt-Cluster entwickelt», sagt Johann Richard, Leiter Förderaktivitäten Wirtschaft und Wissenschaft der Abteilung Raumfahrt im Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI.

Der Bund unterstützt die Schweizer Raumfahrtaktivität mit jährlich rund 250 Millionen Franken, davon rund 180 Millionen Franken im Rahmen der Programme der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Studien der ESA zeigten, dass pro investiertem Euro zwischen zwei und fünf Euro zusätzliche Wertschöpfung generiert würde. In den vergangenen fünf Jahren seien in der Schweiz über 40 Start-ups mit Bezug zur Raumfahrt entstanden und mit ihnen 300 neue Jobs, 150 davon allein in Lausanne, sagt Richard.

Am stärksten wachsende Start-ups

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  • Astrocast
    Produzieren Nano-Satelliten für Daten-Verbindungen
  • Swissto12  Komponenten für die Satellitenkommunikationsindustrie, Antennen aus dem 3D-Drucker
  • Clearspace Technologien für die Entfernung von ausrangierten Satelliten und Raketenteilen im Orbit

Für Ursula Oesterle, Vizepräsidentin für Innovation an der Lausanner EPFL, ist man in der Schweiz noch zu langsam. Andere Länder wie die USA oder Israel seien viel schneller darin, ihre Forschung kommerzialisieren, sagt sie: «Zeit ist ein Faktor, die Raumfahrt ist eine Goldgrube.»

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Ursula Oesterle: «Schweiz braucht Hilfe bei der Industrieaufnahme der Forschung»
Aus Tagesschau vom 03.08.2021.
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Das stärkste Wachstum erfährt derzeit die Lausanner Firma Astrocast, der Börsengang soll diesem zusätzlichen Schub verleihen und vor allem frisches Kapital einbringen – insgesamt 50 Millionen Franken. Rasantes Wachstum birgt auch Risiken, wenn sich die Erwartungen nicht erfüllen. Sorgen macht sich Laurent Viera de Mello nicht: «Es liegen sicher noch viele Herausforderungen vor uns, doch das Interesse an unseren Systemen ist sehr gross.»

Tagesschau; 3.8.21; 19:30

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Sybille Brini  (Sybille)
    War de Mello's Vater noch im humanitären Bereich tätig, will nun das Söhnchen das Orbit unseres Planeten mit Überwachungs- und "Kommunikations"-Satelliten vollpflastern und selbstverständlich gut daran verdienen (es geht die Börse). So fragt man sich, ob das wirklich eine zukunftsweisende Entwicklung ist, denn VdM's Rechtfertigungen über den Einsatz dieser Geräte klingen etwas dürftig, um den geplanten globalen Überwachungswahn inkl. des zu erwartenden Weltraumschrotts zu rechtfertigen.
  • Kommentar von Lothar Drack  (spprSso)
    Erstaunlich, wo «man» bereit ist, Geld, Energie und Forschungsdrang zu investieren. Vor allem, wenn zeitgleich die technische Entwicklung der letzten 200 Jahre die Menschheit an die Wand fährt! Was notabene schon jahrzehntelang bekannt ist, nur:
    Niemand schert sich drum!
    Auch in der Kommentarspalte zu diesem Artikel offenbar nicht: Seit gestern 19 Uhr online, wurde grad mal ein Kommentar dazu freigeschalten.
    Traurige Bilanz, angesichts des klar sich abzeichnenden Klimawandels.
    1. Antwort von Urs Heinimann  (uh4000)
      Weltraumtechnologie hilft uns. Ohne all die Messdaten geliefert von Satelliten und Sonden hätten wir die Klimaerwärmung noch kaum erkannt. Das Ausmass von Rodungen in den Regenwäldern wäre ohne Satellitenaufnahmen weitgehend unbemerkt geblieben. Die Politik hätte kaum über greifbaren Daten verfügt, um klimaneutrale Massnahmen zu formulieren und Ziele festzulegen. Damit soll eben verhindert werden, die Menschheit an die Wand zu fahren.
  • Kommentar von Vale Nipo  (VNxpo)
    Alles schön und gut, na? Es mag eine sehr fortschrittliche und wünschenswerte Entwicklung sein, jedoch gibt es ein Problem, das den Untergang des Homo Sapiens einläuten könnte - Stichwort Kessler-Effekt. Die ständig steigende Satellitenzahl wird uns vermutlich einsperren. Schon jetzt müssen, wie Berichte zeigen, die Kurse von Satelliten und ISS korrigiert werden, damit diese nicht mit Trümmerteilen kollidieren. Diese Problem wird zu wenig beachtet. Weltraumschrott ist gar nicht gut.