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Unabhängige Forschung trotz Sponsoring?
Aus Echo der Zeit vom 11.04.2022.
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Sponsoring für Unis Gekaufte Forschung – das Ende der akademischen Freiheit?

Der Protest gegen die zunehmende private Finanzierung von Forschung und Lehre scheint verhallt. Eine Bestandesaufnahme.

Heute sponsert Nestlé Professuren an der EPF Lausanne, Syngenta an der ETH Zürich, die Credit Suisse an der Uni St. Gallen und so weiter. Das 100 Millionen Geschenk, das die Grossbank UBS 2012 der Uni Zürich machte, war zwar nicht der Anfang, aber ein Beschleuniger von privatem Sponsoring an öffentlichen Universitäten.

Architekt des UBS-Engagements an der Uni Zürich war Ernst Fehr, Professor für Volkswirtschaftslehre und heute Direktor des «UBS Centers for Economics in Society». Dank diesem Geld gehöre die Volkswirtschaftslehre der Uni Zürich heute international zu den besten: «Der Wissenschaftsmarkt funktioniert interessanterweise ähnlich wie der Markt für Fussballspieler», sagt Fehr.

Im deutschsprachigen Raum sind wir heute mit riesigem Abstand die Nummer Eins. So gewinnt auch Paris St. Germain praktisch jedes Jahr die Meisterschaft in Frankreich, weil sie viel bessere Spieler als die anderen haben.
Autor: Ernst Fehr Direktor des «UBS Centers for Economics in Society»

In der Wissenschaft wie im Fussball seien die Leistungen für alle sichtbar – in der Wissenschaft durch Publikationen, hält Fehr fest: «Dadurch ist es eben so wichtig, eine gute Universität zu sein. Denn dorthin wollen gute Forscher kommen.» Allein mit öffentlichen Geldern wäre das völlig unmöglich, sagt Fehr. «Im deutschsprachigen Raum sind wir heute mit riesigem Abstand die Nummer Eins. So gewinnt auch Paris St. Germain praktisch jedes Jahr die Meisterschaft in Frankreich, weil sie viel bessere Spieler als die anderen haben.»

UBS Logo
Legende: 100 Millionen Franken hat die UBS der Uni Zürich vor zehn Jahren geschenkt. Diese baute damit das «UBS Center for Economics in Society» auf. Renommierte Stimmen sprachen sich im «Zürcher Appell» gegen die zunehmende private Finanzierung von Forschung und Lehre aus. Keystone

Matthias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, kritisierte diese Kooperation 2012 öffentlich. Zusammen mit 26 anderen Professorinnen und Professoren aus der ganzen Schweiz unterzeichnete er damals den «Zürcher Appell».

Das Problem sei die «völlige Intransparenz» gewesen, wie die Förderung aussehen sollte, sagt Binswanger rückblickend. «Nicht zuletzt aufgrund des Drucks durch den Zürcher Appell hat die Universität Zürich dann beschlossen, zumindest grosse Teile des Vertrages öffentlich zu machen.»

Ernst Fehr: «Keiner lässt sich den Mund verbieten»

Seit 2019 publiziert die Uni Zürich alle Drittmittelspenden. Das sei richtig und wichtig, betont auch Ernst Fehr. Er legt gleichzeitig wert darauf, dass sein Institut völlig unabhängig sei von der UBS: «Die Bank hat Null Einfluss auf die Berufungsprozesse bei den Professoren gehabt. Das war alleinige Angelegenheit der Universität Zürich.» Die Bank habe auch praktisch keinen Einfluss darauf, was am UBS Center gemacht werde. «Es lässt sich hier keiner den Mund verbieten. Wir haben unter Beweis gestellt, dass wir unabhängig sind.»

Der Kritiker von damals, Matthias Binswanger, bestätigt dies. Er beobachte, dass die UBS keinen Einfluss zu nehmen scheine und die Forschung des Departements sehr breit, teils auch bankenkritisch sei.

Verteidigung der akademischen Freiheit

Das sei bestimmt auch dank des öffentlichen Drucks so und dieser müsse unbedingt aufrecht erhalten werden, betont Binswanger: «Die akademische Freiheit muss grundsätzlich immer verteidigt werden, und sie musste in der Geschichte auch immer verteidigt werden. Sie kann aber auch durch den Staat gefährdet werden, indem politische Richtungen an Bedeutung gewinnen und versuchen, über den Staat Einfluss auf die Forschung zu nehmen.»

Die Verteidigung der akademischen Freiheit bleibt eine Daueraufgabe für die Universitäten, insbesondere weil es nicht allen Fachrichtungen gleich leicht wie den Wirtschaftswissenschaften fällt, private Sponsoren zu finden. Die UBS übrigens hat weitere 30 Millionen Franken gespendet und damit die Existenz des «UBS Centers for Economics in Society» für weitere 10 Jahre gesichert.

Echo der Zeit, 11.04.2022, 18 Uhr

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27 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, wir beenden die Debatte an dieser Stelle und wünschen einen schönen Karfreitag-Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Susanne Saam  (Biennoise)
    Meine Bedenken bei diesem System: wer bestimmt, wieviele Gelder in welche Forschungsbereiche gesteckt werden? Vor allem in Bereiche, die sich längerfristig auch pekuniär auszahlen? Das wären dann wahrscheinlich Naturwissenschaften und Ökonomie. Wie siehts mit den Geisteswissenschaften aus? Die könnten sich auch auszahlen, einfach anders als finanziell.
  • Kommentar von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
    Relevante Frage aus Kommentaren (SRF Faktencheck?): Falls ein Patent aus extern finanziertem Forschungsprojekt entsteht, gehört dieses Patent alleine dem Finanzierer und ist frei zum Abgarnieren? Egal was auch immer diejenigen Wissenschaftler/Unis in Schweiz taten?
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Fabrizio Gamp Wir nehmen diese Frage gerne auf. Vielen Dank, Herr Gamp!
    2. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Bei einer Auftragsforschung ist dem so. Das ist dann aber ein Service der Uni und wird auch so abgegolten. So Geld verdienen ist den Unis normalerweise nicht verboten.

      Bei Sponsoring dürfte das nicht sein, und wäre für mich neu.