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Nach Horizon-Aus: Kampf um Schweizer Forschende
Aus Rendez-vous vom 01.02.2022.
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Nach Horizon-Ausschluss Das Ausland kämpft um Schweizer Wissenschaftler

28 Forschende in der Schweiz erhalten den ERC Förderbeitrag – wenn sie in ein EU-Land umziehen. Ausländische Unis wollen das nützen.

Der ERC Starting Grant, ein mit 1.5 Millionen Euro dotierter Förderbeitrag des Forschungsprogramms Horizon Europe, ist so etwas wie eine Goldmedaille für ambitionierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Bei der Ausschreibung 2021 haben 28 Forschende in der Schweiz diese renommierte Auszeichnung zugesprochen bekommen. Um die Mittel abzuholen, müssten sie allerdings in ein EU-Land umziehen, da die Schweiz von Horizon ausgeschlossen wurde.

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Aus dem Archiv: «Horizon Europe» ohne die Schweiz
aus Wissenschaftsmagazin vom 21.08.2021.
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Universitäten in Europa wittern ihre Chance nach Schweizer Spitzenforscherinnen und -forschern. Es werde mit harten Bandagen um sie gekämpft, sagt SRF-Wissenschaftsredaktorin Irène Dietschi. Mit forschen Abwerbungsversuchen würden europäische Unis die Schweizer ERC-Grantees umgarnen.

«Zum Beispiel Schweden ruft seine Hochschulen ungeniert dazu auf, Gewinnerinnen und Gewinner eines ERC Starting Grants aus der Schweiz ins eigene Land zu locken», weiss Dietschi. Schwedens Argument: Die Schweizer Forschenden bräuchten ja eine neue Gastuniversität. Das Land bezahle seinen Hochschulen sogar eine Prämie von einer Million schwedischer Kronen, wenn es ihnen gelingt, einen Schweizer ERC Grant bzw. dessen Gewinnerin zu rekrutieren.

Ein Forscher arbeitet an einem Computer, hinter einer Glaswand arbeiten weitere Personen in einem Labor.
Legende: Der Europäische Forschungsrat ERC hat den Anwärtern früh klargemacht, sie könnten den Grant nur beziehen, wenn sie in ein sogenanntes assoziiertes Land der EU umziehen. Keystone/Gaetan Bally

Diese Art der Abwerbung sei unüblich, aber verlockend. So weiss die Wissenschaftsredaktorin von einer IT-Forscherin der ETH Zürich, dass ihr europäische Universitäten auch weitergehende Unterstützung anbieten würden – neben dem eigentlichen ERC-Stipendium.

Zu diesen Angeboten gehörten zusätzliche Mittel, Infrastruktur wie ein Laborraum oder Stellenprozente für Doktoranden. Es würden auch Langzeitperspektiven in Aussicht gestellt. Dazu kämen, wenn nötig, auch Kinderbetreuung, oder die Suche eines gut dotierten Jobs für den Partner oder die Partnerin.

Der Entscheid fällt meist auf die Schweiz

Trotz dieser Möglichkeiten würden die meisten in der Schweiz bleiben wollen, weiss Dietschi. Sie hat alle 28 Gewinnerinnen und Gewinner angeschrieben und 15 konkrete Antworten erhalten.

Die Gründe, die sie nennen, sind das gute Forschungsumfeld in der Schweiz, die Tatsache, dass das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) bzw. der Nationalfonds mit Geld einspringen, die Kollegen an den Instituten oder private Gründe.

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«Horizon»-Ausschluss: Schweizer Universitäten schlagen Alarm
Aus 10 vor 10 vom 25.01.2022.
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Aber das gelte nicht für alle. Zwei der Gewinner transferieren ihr Projekt in ein EU-Land, um sich die ERC-Unterstützung zu sichern. Und zwei hätten geantwortet, sie seien noch unschlüssig, würden sich aber angesichts der momentanen Situation sehr wohl überlegen, die Schweiz zu verlassen.

Geld allein ist nicht genug

Irène Dietschi zieht das Fazit: Geld allein hält die hellsten Köpfe nicht in der Schweiz. «Da sind sich auch alle Grantees einig. Es kommt aufs Forschungsfeld an, auf die Möglichkeiten der Vernetzung. Und die sind im Moment in der Schweiz noch vorhanden.» Doch das könnte sich gerade für den Nachwuchs längerfristig ändern.

Einer der Gewinner hat es so formuliert: «Langfristig hat kein nationales Förderkonstrukt eine Chance gegen das Prestige, die Ressourcen und auch die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Fördertöpfe.» Deshalb müsse die Schweiz beim EU-Forschungsprogramm Horizon schleunigst wieder unterkommen.

Rendez-vous, 01.02.2022, 12:30 Uhr;

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