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Stilllegung macht Probleme AKW-Rückbau dauert länger – und kostet mehr

Legende: Audio Der Rückbau dauert – und kostet viel Geld abspielen. Laufzeit 02:09 Minuten.
02:09 min, aus HeuteMorgen vom 11.09.2018.
  • Er dauert länger und kostet mehr als ursprünglich gedacht: der Rückbau von Atomkraftwerken.
  • Zu diesem Schluss kommt der neueste Statusbericht zur globalen Kernkraftindustrie.
  • Die Schweiz, die im kommenden Jahr mit Mühleberg das erste Kernkraftwerk stilllegt, ist grundsätzlich gut vorbereitet – ausser der Markt spielt nicht mit.

Weltweit sind in den vergangenen 50 Jahren 173 Kernkraftwerke ausser Betrieb genommen worden. Nur zehn von ihnen sind aber unterdessen vollständig stillgelegt, also soweit zurückgebaut, dass das Areal, auf dem sie gestanden sind, neu genutzt werden kann.

«Es sind technische Probleme, es sind auch finanzielle Probleme. Das heisst: Es geht oft in vielen Ländern sehr langsam voran, weil das Geld nicht zur Verfügung steht», sagt Mycle Schneider. Er ist internationaler Atomenergiepolitikberater und Mitherausgeber des Berichts zum Stand der globalen Nuklearindustrie.

Vielerorts fehlen Rückstellungen

Viele Länder hätten keine Rückstellungen getätigt, um den sehr aufwendigen Rückbau der AKW sicherzustellen, so Schneider weiter. «Wenn man sich anschaut, wie die Vorhersagen für Kosten und Abrissdauer waren, dann hat das noch nie funktioniert.» Fakt sei, dass der Rückbau eines AKW in vielen Fällen länger dauere als es zu bauen – und auch länger, als es in Betrieb war.

Das sind technische Probleme. Das sind auch finanzielle Probleme. Das heisst: Es geht oft in vielen Ländern sehr langsam voran, weil das Geld nicht zur Verfügung steht.
Autor: Mycle SchneiderAtomenergiepolitik-Berater

Die Kosten des Rückbaus würden in vielen Ländern teils massiv unterschätzt und der heikle Abbau der Gebäude und ihres radioaktiven Inhalts mache technisch mehr Probleme als erwartet, stellt Schneider fest.

Wohin mit all dem Atommüll?

Grosse Probleme beim Rückbau von AKW bereitet unter anderem das viele radioaktive Material, das während des Betriebs des AKW angefallen ist. «Es braucht für jeden Typ Atommülls spezifische Abfallbeseitigungstechniken und -orte», sagt Mycle Schneider. So sei in der ersten Generation von Atomreaktoren meist Graphit eingesetzt worden. Noch immer aber sei völlig unklar, wo und wie man das verbrauchte Graphit lagern solle. «Es fehlt eine Klassifizierung, es gibt kein Abfallmanagement-Konzept.» Schneider nennt in diesem Zusammenhang etwa Frankreich, das von dieser Situation betroffen sei.

Dass der aktuelle Bericht zum Stand der globalen Nuklearindustrie dieses Jahr erstmals einen Fokus auf den Rückbau legt, ist kein Zufall: Bis zum Jahr 2030 kommen über 200 AKW weltweit ins Abschaltalter. Zu diesen gehören wohl auch die meisten der fünf Schweizer Atomkraftwerke.

Die Wettbewerbssituation auf dem Grosshandelsmarkt für Strom kann dazu führen, dass die anderen Reaktoren viel früher vom Netz genommen werden müssen, als dies technisch der Fall wäre.

Mühleberg wird schon nächstes Jahr vom Netz genommen. Wie gut die Schweiz für den Rückbau der anderen AKW gerüstet ist, darüber will Schneider nicht spekulieren. Er warnt aber davor: «Die Wettbewerbssituation auf dem Grosshandelsmarkt für Strom kann dazu führen, dass die anderen Reaktoren viel früher vom Netz genommen werden müssen, als dies technisch der Fall wäre.»

So sind in den USA, in Schweden und in Deutschland bereits mehrere AKW früher als geplant vom Netz genommen worden, weil sie nicht mehr rentierten.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Was ist eigentlich aus den Beteuerungen geworden, die Kernkraft werde nur als Uebergangsenergie und zum Zeitgewinn für die Entwicklung umweltfreundlicherer Alternativen eingesetzt? Damit wollte man in den Achtzigern die AKW-Gegner ruhigstellen. Ueber Anstrengungen in die Entwicklungen von Wasserstoff als Energieträger oder zumindest in den Salzwasserreaktor ist mir nichts bekannt. Prototypen gibt es für beide, Fortschritte m.W. bei keinem. - Die Stromwirtschaft ist für mich unglaubwürdig.
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    1. Antwort von Robert Frei (RFrei)
      Anstrengungen gab es schon, aber es hat sicher seine Gründe wieso diese Technologien derzeit nicht kommerzialisiert werden. Mangelnde Konkurrenzfähigkeit, Effizient oder Wirtschaftlichkeit mögen Gründe dafür sein. Man kann nicht in jede Technologie Forschungsgelder reinstecken, sondern muss eine Auswahl der erfolgsversprechendsten machen. - Und was hat das mit der Glaubwürdigkeit der Stromwirtschaft zu tun? Deren Aufgabe ist es, Strom zu liefern und nicht Technologien zu entwickeln.
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  • Kommentar von Rolf Romano (roro)
    Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren! Zeit um aufzuwachen! Wann erkennen endlich ALLE, dass das Versprechen vom billigen Atomstrom wirklich nur ein "Märli" ist? Da mag z.B. die BKW auf ihrer webseite mit ihren "Rückbaumethoden" wohl aufzeigen wie dies funktionieren könnte, aber leider findet sich von den Betreibern keinerlei Angaben über Finazierungspläne, Endlagerlösungen, etc.! Ich bin KEIN Nuclear-Experte, beobachte seit Jahren einfach aufmersam wie zu diesem Thema gelogen wird!
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  • Kommentar von Chrigel Respond (Cr)
    Ach nee ;-) ! , und ich dachte immer mit dem Strompreis sei das alles schon bezahlt....! Günstig Strom offerieren und danach anderweitig abkassieren. Ganz nach dem Motto: wir sind gefährlich genug, damit die Kosten dann schon irgendwie von irgendwem bezahlt werden. Unsere Nachkommen werden uns danken für unsere unendliche Weitsicht... ;-)
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