Die Einschränkung: Die iranischen Revolutionsgarden haben nach Angaben der ihnen nahe stehenden Nachrichtenagentur Tasnim den Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Strasse von Hormus eingeschränkt. Demnach erhielten Schiffe wiederholt Funkmeldungen, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt werde. Die Besatzungen würden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten. Die US-Behörden riefen Handelsschiffe zugleich auf, den Golf wegen intensiver Militäraktivitäten zu meiden.
Die Bedeutung: Eine Blockade der Strasse von Hormus ist ein immenses Marktrisiko. Denn die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Wegen ihrer geringen Breite und Tiefe gilt die Passage als besonders verwundbar. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. Und allein schon die Zweifel an der Sicherheit könnten Experten zufolge Versicherungsprämien hochtreiben und Schiffe abschrecken.
Der Ölpreis: Der am Samstag mit amerikanischen und israelischen Angriffen gegen den Iran begonnene Krieg könnte die weltweite Ölversorgung wegen möglicher Lieferausfälle grundsätzlich erheblich stören und die Preise auf seit Jahren nicht mehr gesehene Höhen treiben. Dementsprechend waren die Ölpreise am Freitag rund um den Iran deutlich gestiegen und hatten zum Handelsschluss in den USA um fast 3 Prozent zugelegt. Der Preis für ein Barrel der Nordseeölsorte Brent stieg auf 72.48 Dollar – den höchsten Stand seit Juli. Auch Futures zeigten einen Preissprung an, bevor der Handel am Sonntagabend (am Montagmorgen in Asien) wieder losgeht.
Iran als Schlüsselproduzent: Der Iran zählt mit rund 3.1 Millionen Barrel pro Tag zu den zehn grössten Produzenten weltweit, wie die Opec+ angibt. In den 1970er-Jahren lag die Förderung fast doppelt so hoch, bevor die Islamische Revolution von 1979 und US-Sanktionen sie drückten. Das Land verfügt über die drittgrössten Reserven weltweit, weshalb Angriffe auf seine Infrastruktur Folgen für den Markt hätten. Heute exportiert Teheran wegen US-Sanktionen nur 1.3 bis 1.5 Millionen Barrel täglich; mehr als 80 Prozent gehen laut Experten nach China. Dass beim US-Angriff auf den Iran Ölproduktionsanlagen getroffen wurden, dafür gibt es bislang keine Hinweise.
Druckmittel gegen die USA: Liesse der neue Krieg in Nahost und insbesondere die Blockade der Strasse von Hormus den Ölpreis steigen, könnte das für Teheran zum Druckmittel gegen Washington werden. Roland Popp, Sicherheitsexperte an der Militärakademie der ETH Zürich: Schaffte es der Iran, die Durchfahrt zu sperren, begänne auch ein grosser Druck auf Donald Trump. Denn: Die gesamte Welt würde gewahr, dass dieser Krieg alle in Mitleidenschaft zieht. Und dabei stünden im Herbst auch die Midterms-Wahlen an – sie brächten weiteren politischen Druck auf Donald Trump.
Massnahmen der Opec+: Das Ölkartell Opec+ (Opec-Staaten plus Russland) erwägt, die Fördermengen auszuweiten, um dem sich abzeichnenden Preisanstieg des Öls entgegenzuwirken. Die Mitglieder wollten am Sonntag über die Möglichkeit beraten, gab ein Vertreter des Kartells am Samstag an.