Die Einschränkung: Die iranischen Revolutionsgarden haben nach Angaben der ihnen nahestehenden Nachrichtenagentur Tasnim den Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Strasse von Hormus eingeschränkt. Demnach erhielten Schiffe wiederholt Funkmeldungen, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt werde. Die Besatzungen würden aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten. Mehrere Tanker wurden überdies in der Region getroffen oder beschädigt, darunter der Tanker Skylight, der nach einem Treffer Feuer fing. Viele Reedereien brachen daraufhin ihre Fahrten ab oder leiteten Schiffe um, weil die Meerenge als unsicher gilt. Die US-Behörden riefen Handelsschiffe zugleich auf, den Golf wegen intensiver Militäraktivitäten zu meiden. Donald Trump hat die Nato aufgefordert, sich am Schutz der Meerenge zu beteiligen.
Die Bedeutung: Eine Blockade der Strasse von Hormus ist ein immenses Marktrisiko. Denn die Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet, ist eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Energiehandels. Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge. Wegen ihrer geringen Breite und Tiefe gilt die Passage als besonders verwundbar. Jede Störung lässt die Energiepreise steigen und die internationalen Märkte verunsichern. Und allein schon die Zweifel an der Sicherheit treiben Experten zufolge Versicherungsprämien hoch und schrecken Schiffe ab.
Der Ölpreis: Der mit amerikanischen und israelischen Angriffen gegen den Iran begonnene Krieg stört die weltweite Ölversorgung wegen Lieferausfällen erheblich und treiben die Preise auf seit Jahren nicht mehr gesehene Höhen. Dementsprechend sind die Ölpreise seither deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel der Nordseeölsorte Brent stieg auf 104.23 Dollar (16.3.26) – den höchsten Stand seit Juli. Auch Futures zeigten einen Preissprung an, bevor der Handel am Abend nach dem Angriff (am Montagmorgen in Asien) wieder losging.
Iran als Schlüsselproduzent: Der Iran zählt mit rund 3.1 Millionen Barrel pro Tag zu den zehn grössten Produzenten weltweit, wie die Opec+ angibt. In den 1970er-Jahren lag die Förderung fast doppelt so hoch, bevor die Islamische Revolution von 1979 und US-Sanktionen sie drückten. Das Land verfügt über die drittgrössten Reserven weltweit, weshalb Angriffe auf seine Infrastruktur Folgen für den Markt hätten. Heute exportiert Teheran wegen US-Sanktionen nur 1.3 bis 1.5 Millionen Barrel täglich; mehr als 80 Prozent gehen laut Experten nach China.
Druckmittel gegen die USA: Lässt der neue Krieg in Nahost und insbesondere die Blockade der Strasse von Hormus den Ölpreis weiter steigen, könnte das für Teheran zum Druckmittel gegen Washington werden. Roland Popp, Sicherheitsexperte an der Militärakademie der ETH Zürich: Schaffte es der Iran, die Durchfahrt erfolgreich zu sperren, begänne auch ein grosser Druck auf Donald Trump. Denn: Die gesamte Welt würde gewahr, dass dieser Krieg alle in Mitleidenschaft zieht. Und dabei stünden im Herbst auch die Midterms-Wahlen an – sie brächten weiteren politischen Druck auf Donald Trump.
Massnahmen der Opec+: Das Ölkartell Opec+ (Opec-Staaten plus Russland) will die Fördermengen ausweiten, um dem weiteren Preisanstieg des Öls entgegenzuwirken.