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Lonza soll exklusiv für die USA Impfstoff herstellen
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.05.2020.
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Streit um Corona-Impfstoff «Grundsätzlich kann man jeden Vertrag brechen»

Wer bekommt den Corona-Impfstoff zuerst? Um diese Frage tobt bereits ein heftiger Streit. Die US-Behörden machen massiv Druck – sie wollen zuerst beliefert werden. Dies bekommt auch der Schweizer Pharmazulieferer Lonza zu spüren. Wie sich dieser verhalten werde, sei offen, sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Denise Joder-Schmutz.

Denise Joder-Schmutz

Denise Joder-Schmutz

Wirtschaftsredaktorin, SRF

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Denise Joder-Schmutz ist seit 2013 bei der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF. Davor hat sie mit einem Master in European Business an der Universität Freiburg abgeschlossen und bei verschiedenen Schweizer Unternehmen gearbeitet.

SRF News: Die US-Regierung will ihren Bürgern bis Ende Jahr exklusiv einen Impfstoff zugänglich machen. Könnte Lonza tatsächlich verpflichtet werden, die USA zuerst zu beliefern?

Denise Joder-Schmutz: Lonza ist quasi Teil des US-Impfstoffprogramms, indem der Visper Konzern einen Vertrag mit dem US-Impfstoffentwickler Moderna eingegangen ist. Moderna arbeitet wiederum eng mit der US-Regierung zusammen. Doch grundsätzlich kann man sagen: Ein Land bei der Zuteilung eines Impfstoffs zu bevorzugen, verstösst gegen die Regeln der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Welche Konsequenzen die Nichteinhaltung des Vertrags mit Moderna hätte, ist unklar.

Laut der «SonntagsZeitung» ist Lonza einen Zehnjahresvertrag mit Moderna eingegangen. Während dieser Zeit soll Lonza an seinem grössten Produktionsstandort Visp im Oberwallis seine Kapazitäten zur Impfstoffherstellung frei halten – und zwar ausschliesslich für US-Bürger. Grundsätzlich kann man jeden Vertrag brechen. Auch Lonza könnte also diesen Vertrag einfach nicht einhalten. Doch ob das Unternehmen das will und was die Konsequenzen wären, ist nicht bekannt.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hofft auf eine faire Verteilung von Impfstoffen. Wird es zu einer internationalen Einigung kommen, oder müssen wir wirklich mit einem Verteilkampf rechnen?

Das ist zurzeit noch offen. Gerade heute wird an der Konferenz der WHO diskutiert, wer künftig zu welchem Preis einen Corona-Impfstoff erhält – wenn es ihn dereinst dann mal gibt. Grundsätzlich sprechen Experten davon, dass der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Unternehmen und Organisationen historisch sei. Ob man sich aber tatsächlich einig wird, ist offen. Dabei dürfte das Verhalten der USA eine wichtige Rolle spielen, die einen Impfstoff zuerst für sich beanspruchen.

Das Gespräch führte Rino Curti.

Slaoui: Bei «Warp Speed» statt bei Lonza

Trump und Slaoui.
Legende:Slaoui (am Mikrofon) ist neu Chefberater des von US-Präsident Trump ins Leben gerufene Programm «Warp Speed».Keystone

Lonza-Verwaltungsrat Moncef Slaoui wechselt als Chefberater zum nationalen Impfstoffprogramm «Warp Speed» der US-Regierung. Er habe sich deshalb entschieden, von seinem Amt als Mitglied des Lonza-Verwaltungsrats zurückzutreten, teilte Lonza mit. Bekanntlich will die US-Regierung mit «Warp Speed» die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus vorantreiben. Wegen der Zusammenarbeit von Lonza mit Moderna – und damit indirekt mit der US-Regierung – wäre Slaoui wohl rasch in einen Interessenskonflikt geraten.

Video
Verzweifelt gesucht: Impfstoff gegen das Coronavirus
Aus Tagesschau vom 15.05.2020.
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SRF 4 News aktuell vom 18.5.2020, 10.10 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Im Prinzip ist es für die ganze Welt eine gute Nachricht, wenn die USA einen Impfstoff prioritär für sich haben. Es gibt ja dort ca. 1/3 aller Infizierten der Welt. Wenn sich die impfen, bevorzugt bevor sie international reisen, dann schützen sie indirekt alle Menschen denen sie auf so einer Reise begenem könnten.
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Wer mehr testet findet mehr Infizierte, die USA haben über 6 mio. Menschen getestet ergibt bei 15% positiven Tests auch über 1 mio. Fälle.
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  • Kommentar von Dietmar Logoz  (Universalamateur)
    "Man" kann auch Patente ignorieren und eine eigene Produktion in die Wege leiten, auch in Zusammenarbeit mit anderen Staaten...
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Das kann man durchaus, allerdings steigert ein derartiges Verhalten nicht gerade den Ansporn zusätzliche Mittel aus privater Quelle, eben den staatlichen in die Forschung zu stecken. Kurzfristig mag dann der Diebstahl von geistigem Eigentum als Husarenstück durchgehen, langfristig könnte der Boumerang sein, dass einfach die ganze Forschung durch den Staat zu finanzieren ist. Als Patentnation hat die Schweiz ein extrem hohes Interesse am Schutz des geistigen Eigentums.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Es gibt natürlich Aktien, ich habe keine Aktien, die eine Kaufempfehling wert sind. Da wäre einmal Rosch. Rosch macht die besten Coronaantikörpertest der Welt und alleine Deutschland hat 5 Millionen bestellt, er sei so zuverlässig, dass er fast 100 Prozent sicher ist. Das ist doch eine Ansage. Es gibt kurzfristige IGM Antikörper und langfristige IGG Antikörper, das zu testen Lohn sich für jeden.
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