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Meyer Burger steigt in Solarzellen-Produktion ein
Aus Info 3 vom 19.06.2020.
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Thuner Solarunternehmen Meyer Burger richtet sich neu aus

Der Maschinenhersteller für Solarmodule wagt einen Befreiungsschlag: Er will das Endprodukt künftig selber herstellen.

Solarstrom ist heute günstig. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Preise für Solarmodule seit 2010 massiv gefallen sind – um 90 Prozent, wie Michael Taylor erklärt. Er ist Experte bei der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien. Ein Preisrückgang von 90 Prozent sei absolut aussergewöhnlich – kein anderes Produkt in unserem Alltag habe sich so stark verbilligt.

Meyer Burger hat erheblichen Anteil an diesem Preiszerfall. Das Thuner Solarunternehmen entwickelt und produziert Maschinen, die man benötigt, um Solarmodule herzustellen. Diese Anlagen sind stetig verbessert worden – heute ist die Produktion voll automatisiert.

Chinesische Produzenten profitierten

Allerdings: Meyer Burger hat mit seinen Maschinen in den vergangenen Jahren kaum noch etwas verdient. Profitiert haben hingegen die chinesischen Produzenten, die heute in riesigen Mengen Solarmodule produzieren. Und erst noch günstig. Trotzdem will Meyer Burger jetzt genau in diesen Bereich einsteigen.

«Meyer Burger wird in Zukunft nicht mehr Maschinen für den Photovoltaikmarkt anbieten, sondern unsere überdurchschnittlich gute Technologie selbst nutzen und damit in die Wertschöpfung von Solarzellen und -Modulen einsteigen», sagt dazu Geschäftsführer Gunter Erfurt. Konkret will Meyer Burger Solarmodule mit einem hohen Wirkungsgrad herstellen. Diese liefern auf derselben Fläche deutlich mehr Strom als Standardmodule.

Herstellung in Deutschland

Und Meyer Burger hofft, dass die Kundschaft dafür bereit ist, etwas mehr zu zahlen. Hergestellt werden die Module in Deutschland. «Wir haben es geschafft, unsere Technologie so aufzubauen, dass die Herstellkosten sehr niedrig und wettbewerbsfähig sind. Es gibt mit unserer Technologie keinen nennenswerten Kostenunterschied zwischen Asien und Europa», so Erfurt.

Ein mutiger Schritt, meint Rolf Wüstenhagen, Professor für erneuerbare Energie an der Universität St. Gallen. Aber ein Schritt, der aufgehen könnte: «Man braucht viele Maschinen. Diese Maschinen günstig einkaufen zu können, ist mehr davon abhängig, wie günstig das Geld ist, mit dem man die Maschinen einkauft, als von den Lohnkosten.»

Die Coronakrise könnte ein günstiger Moment sein, um sich Gedanken über eine Relokalisierung der Wertschöpfungsketten zu machen.
Autor: Rolf WüstenhagenProfessor für erneuerbare Energie an der Universität St. Gallen

Und dann komme noch der Zeitpunkt dazu: «Insbesondere im Zuge der Coronakrise machen sich einige Länder wieder Gedanken, wie zuverlässig solche globalen Wertschöpfungsketten sind», so Wüstenhagen. «Insofern könnte es ein günstiger Moment sein, um sich Gedanken über eine Relokalisierung der Wertschöpfungsketten zu machen.»

Und in Deutschland kann Meyer Burger tatsächlich an eine Solar-Tradition anknüpfen: In den 2000er-Jahren waren die deutschen Unternehmen die Weltmarktführer. Das änderte sich, als chinesische Unternehmen – auch dank staatlicher Unterstützung – in die Solarmodul-Produktion einstiegen.
In der Folge sind praktisch alle deutschen Firmen entweder Konkurs gegangen oder haben ihre Produktion nach Asien verlagert.

Das noch vorhandene Potenzial will Meyer Burger jetzt ganz gezielt für seine Produktion anzapfen. Ein Teil der Entwicklung und Forschung soll hingegen weiterhin in der Schweiz geschehen.

Info3 am Abend vom 19.6.2020

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