Zum Inhalt springen

Header

Audio
Warum es trotz Kartenzahlung Banknoten braucht
Aus Echo der Zeit vom 07.01.2021.
abspielen. Laufzeit 04:12 Minuten.
Inhalt

Trotz mehr Kartenzahlungen In Krisenzeiten bunkern Schweizer Bargeld

Selten war Plastikgeld so beliebt wie in der Coronakrise. Aber gleichzeitig steigt auch die Nachfrage nach 1000er-Noten.

Ein Blick in die Statistik der Nationalbank zeigt: Gemäss den jüngsten verfügbaren Zahlen waren im Oktober Geldnoten im Wert von insgesamt 85.6 Milliarden Franken im Umlauf. Das sind knapp sechs Milliarden Franken mehr als ein Jahr zuvor. Die Statistik zeigt auch, dass besonders die Nachfrage nach grossen Noten steigt – nach 1000ern und 200ern. Nur: Wo bleibt das ganze Geld, wenn doch die meisten Leute inzwischen mit Kreditkarte zahlen?

Ganz genau wisse man das nicht, sagt Ökonomie-Professorin Sarah Lein von der Universität Basel. «Aber wir wissen, dass das Bargeld aktuell gerade in grossen Noten abgezogen und auch dass die Umlaufgeschwindigkeit zurückgegangen ist, also dass einzelne Noten pro Jahr seltener den Besitzer wechseln.» Daraus könne man schliessen, dass ein Teil der grossen Noten im Tresor lande, sagt Lein, die früher auch für die Nationalbank gearbeitet hat.

Banken verlangen Negativzinsen

«Das kommt vor allem auch daher, dass die Zinsen gerade negativ sind und dass man bei grossen Einlagen bei vielen Banken inzwischen Negativzinsen bezahlt», sagt Lein. Daher könne es günstiger sein, die grossen Noten einfach ins Schliessfach zu legen – zumal die Inflation seit langem extrem tief ist.

Dieser Vorgang ist nicht aussergewöhnlich. Nach schriftlicher Auskunft der Nationalbank sind zwar auch in normalen Zeiten von Jahr zu Jahr mehr Noten im Umlauf. Der Wert steigt jährlich um drei bis vier Prozent. In Krisen aber werde zeitweise mehr Bargeld nachgefragt; besonders in Krisen, die das Vertrauen von Wirtschaft und Bevölkerung in das Bankensystem schwächten.

Umfang der Bestellungen variiert

Das zeige sich auch jetzt im Coronajahr, so Lein. Auf die Frage, wie die Nationalbank es schaffe, immer die richtige Menge Geld parat zu haben, auch wenn mal mehr, mal weniger mit Karte bezahlt oder im Schliessfach gebunkert wird, verweist die SNB auf die Geschäftsbanken. Sie würden jeweils angeben, wie viel Bargeld sie in welcher Stückelung benötigten.

Sowohl die Banken als auch die Nationalbank haben genügend Bargeld in ihren Kellern gelagert, um solche Nachfragen zu bedienen.
Autor: Sarah LeinWirtschaftsprofessorin, Universität Basel

Aber woher wissen das die Banken? Daniel Kalt, Chefökonom der Grossbank UBS, erklärt: «Im Normalbetrieb versuchen wir, über Datenanalysen, die wir aus der Vergangenheit haben, Wochen für Woche, Tag für Tag abzuschätzen, wie viele Bargeldbestände in all den Geschäftsstellen und an Bankomaten jeweils abgerufen werden.» Das wird hochgerechnet, die entsprechende Menge bei der Nationalbank bestellt und nach Lieferung dann an die Bankfilialen und Bankomaten verteilt. Das sei ein eingespielter Prozess.

Trend an Schwankungen erkennbar

Die Nationalbank könne aufgrund der Bestellungen und ihrer Erfahrung recht gut abschätzen, wie viel Geld jeweils benötigt werde, bestätigt Geldpolitik-Expertin Lein. «Es ist nicht so, dass der Betrag von einem Tag auf den anderen massiv schwanken würde, das sind mittelfristige Trends, die man da beobachten kann.» Und selbst wenn: «Sowohl die Banken als auch die Nationalbank haben genügend Bargeld in ihren Kellern gelagert, um solche Nachfragen zu bedienen.» Es sei also immer genügend Geld verfügbar.

Nur ganz selten passiert es, dass doch einmal gar kein Bargeld mehr aus dem Bankomat kommt. Dann ist etwas gar nicht gut. In der Schweiz passierte das zuletzt vor knapp 30 Jahren. 1991 schloss die Spar- und Leihkasse Thun plötzlich ihre Filialen. Mit der richtigen Geldmenge hatte das nichts zu tun. Die Bank hatte sich schlicht verzockt, war überschuldet – und ging bankrott.

Echo der Zeit, 07.01.2021, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Das Bargeld hat zwei Funktionen, das eine ist die Transaktionsfunktion - da kann man auch mit der Kreditkarte/App! Das andere ist die Aufbewahrungsfunktion, da liegt das Bargeld dann im Tresor. Letztere ist die systemrelevante Funktion und deswegen wird das Bargeld zumindest in der Schweiz auch nicht verschwinden. Die Antibargeldfreaks haben meist zu wenig Geld um zu wissen, dass es auch aufbewahrt werden kann!
    1. Antwort von Adrian Roth  (A.Roth)
      Ich verstehe Ihre Aussage so, dass Sie also Vermögen langfristig aufbewahren möchten. Da verschiedene Personen dafür bei den Banken 0.75% bezahlen, liegt es offenbar nahe, das Geld physisch in den Tresor zu legen.
      Es ist in meinen Augen klar, dass Papiergeld nichts wert ist. Langfristig. Schenken Sie einem Kind eine Million in Bargeld. Schauen Sie was es damit mit 65 noch kaufen kann.

      Sachwerte - alles andere ist wertlos.

      Ein “save heaven” ist, war und wird Bargeld nie sein.