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Grosse Unruhe in der Schweizer Uhrenindustrie
Aus Tagesschau vom 19.12.2019.
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Unklarer Weko-Entscheid Grosse Unruhe in der Schweizer Uhrenindustrie

Der Verband der Schweizer Uhrenindustrie (FH) ist beunruhigt über die «wenig klare» Entscheidung der Wettbewerbskommission (Weko), wie Präsident Jean-Daniel Pasche erklärt. Es entstehe Planungs-Unsicherheit, was die Lieferung von Uhrwerken durch die Swatch-Tochter ETA an Uhrenfabriken ausserhalb der Swatch-Gruppe betrifft.

Weniger diplomatisch äussert sich Swatch-Chef Nicolas Hayek: «Unverständlich und inakzeptabel» sei der Entscheid der Weko. «Die Weko hat geschlafen», ärgert er sich gegenüber der Agentur Awp. Nicht weniger als sechsmal habe Swatch die Weko in den letzten anderthalb Jahren darauf hingewiesen, dass die Zeit dränge.

Verwirrlicher Entscheid

Der Weko-Entscheid sei unverständlich und er komme zu spät, lauten also die Hauptvorwürfe der Schweizer Uhrenindustrie. Zumindest den ersten Vorwurf wird sich die Weko auch von Unbeteiligten gefallen lassen müssen. Unverständlich, im Sinne von verwirrlich, ist der Entscheid, so wie er verfasst worden ist, nämlich zweifellos.

Das halbseitige Weko-Papier beginnt mit der Feststellung, dass man erst im nächsten Sommer entscheide, dass noch alles offen sei. Und «dies stellt die Weko mit vorsorglichen Massnahmen» sicher. Sprich: Sie entscheidet doch. Aber nur vorläufig.

Allerdings macht auch der vorläufige Entscheid die Sache kaum klarer. Die Weko entscheidet, dass die ETA die anderen Uhrenfabriken vorläufig weiterhin mit Uhrwerken beliefern muss. Gleichzeitig gibt die Behörde im nachfolgenden Satz zu, dass es dafür nun zu spät ist: «Die Lieferungen werden aus faktischen Gründen vorläufig ausgesetzt.»

Die Kunden von ETA hätten sich seit sechs Jahren auf die Situation einstellen müssen, dass die ETA ab Januar 2020 keine mechanischen Uhrwerke mehr liefert, verteidigt sich die Wettbewerbskommission in einem Papier an die Presse.

Ausserdem habe ETA weiterhin die Möglichkeit, KMUs aus der Uhrenindustrie freiwillig mit mechanischen Uhrwerken zu beliefern, argumentiert die Weko. Was – siehe oben – «aus faktischen Gründen» nicht möglich zu sein scheint. Denn die Swatch-Tochter benötigt für die Produktion einen Vorlauf von sechs Monaten, wie es bei ETA heisst.

Unklare Situation

So bleibt bis zum endgültigen Weko-Entscheid – «voraussichtlich im Sommer 2020» – für viele kleinere Schweizer Uhrenhersteller ausserhalb der Swatch Group völlig unklar, woher sie das Werk ihrer Uhren künftig beziehen können. Lieferanten im Ausland kommen nicht in Frage, solange ihre Zifferblätter den immer noch begehrten Schriftzug «Swiss Made» nicht verlieren sollen.

Unruhen sind in der Produktion jeder mechanischen Uhr als Antrieb unverzichtbar. Auf die von der Wettbewerbskommission verbreitete Unruhe hätte die unter sinkenden Exporten leidende Branche aber gut verzichten können.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    So bleibt bis zum endgültigen Weko-Entscheid – voraussichtlich im Sommer 2020 – für viele kleinere Schweizer Uhrenhersteller ausserhalb der Swatch Group völlig unklar, woher sie das Werk ihrer Uhren künftig beziehen können. Warum warten mit dem Entscheid bis im Sommer. Die WEKO soll sich sputen, damit sie nicht noch einige Betrieben ruiniert und Arbeitslose generiert. Auf die von der WEKO verbreitete Unruhe hätte die unter sinkenden Exporten leidende Branche aber gut verzichten können.
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  • Kommentar von Urs Berger  (Bergerurs)
    Soweit sind wir in der angeblich wirtschaftsfreundlichen und -liberalen Schweiz:eine Kommission (!!!), bestehend hauptsächlich aus weltfremden Professorinnen und Professoren,darf einer Unternehmung vorschreiben,welche Kunden sie mit welchen Produkten beliefern darf und welche nicht,nachdem sie zuerst Belieferungszwang und nun hauptsächlich Belieferungsverbot verfügt hat.Da komme einer nach.Fazit müsste sein,diese nicht nur überflüssige,sondern sogar eher schädliche Kommission abzuschaffen.
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  • Kommentar von Peter P. Odermatt  (Peter P. Odermatt)
    Swatch/Hayek will doch nur Profit machen und ihre marktbeherrschende Stellung schützen. Gut gibt es eine Weko.
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