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US-Firmen in China Know-how ja – aber möglichst keine Konkurrenz

Google will offenbar wieder in China Fuss fassen. Doch westliche Tech-Unternehmen haben es dort schwer. Wieso bloss?

Legende: Audio Google will wieder nach China abspielen. Laufzeit 05:07 Minuten.
05:07 min, aus Echo der Zeit vom 03.08.2018.

Google bald wieder in China? Der Internet-Gigant verfolgt gemäss Medienberichten ein bislang geheimes Projekt, bei dem es darum geht, eine spezielle Suchmaschine für China zu bauen. Unter dem Namen «Dragonfly» arbeite Google an einer Internet-Suchmaschine, welche die Zensurvorgaben der chinesischen Regierung genüge. Auch wenn das erst Gerüchte sind und sie von staatsnahen chinesischen Medien dementiert werden: Fakt ist, dass Google China vor acht Jahren wegen der dortigen Zensurvorschriften verlassen hatte.

China, ein hartes Pflaster: Für westliche Tech-Riesen ist es fast unmöglich, in China Fuss zu fassen. Erst vor kurzem nahm Facebook-Chef Mark Zuckerberg wieder einmal einen Anlauf, doch er biss sich die Zähne aus. Ebenso Amazon. Grund sind Schutzmassnahmen der chinesischen Regierung, welche es den westlichen Firmen entweder stark erschweren oder gar verunmöglichen, im Reich der Mitte zu geschäften. Betroffen sind Firmen der Auto-, Telekom- oder Finanzindustrie. Eine vollständige Sperre gilt für die Tech-Unternehmen: In diesem Bereich hat China eigene Suchmaschinen, Bezahl-Apps oder Online-Warenhäuser aufgebaut, die den dortigen Markt völlig beherrschen.

Zensur als wichtiger Faktor: Bei westlichen Internet-Unternehmen und sozialen Medien spielen auch Inhalte und Funktionen eine Rolle, die in China verboten sind. «Die hiesige Medienzensur gilt nicht nur für die traditionellen Medien, sondern auch für die sozialen Medien», weiss China-Korrespondent Martin Aldrovandi. So müssen Anbieter in China gewisse Inhalte und Begriffe sperren sowie den Behörden jederzeit Zugang zu den Datenströmen gewähren. «Facebook und WhatsApp passen nicht in dieses Konzept», so Aldrovandi. Deshalb seien diese Dienste in China gesperrt.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

Bewegung in gewissen Branchen: Als erster ausländischer Autoproduzent darf Tesla in Schanghai eine Fabrik bauen – ohne ein Joint-Venture mit einer chinesischen Firma eingehen zu müssen. «Womöglich will man hier ein Zeichen der Offenheit gegenüber ausländischen Investitionen setzen», so der Korrespondent. Peking hat schon vor einiger Zeit angekündigt, in Zukunft die Hürden für ausländische Unternehmen abbauen zu wollen. Allerdings: «Die Fabrik ist noch nicht gebaut», so Aldrovandi. Und auch wenn es dazu komme, werde sich erst noch zeigen müssen, ob Tesla es schaffe, ohne einheimische Partner auf dem chinesischen Markt zu bestehen.

Xi sitzt an einem Tisch, neben ihm eine chinesische Tischflagge.
Legende: Chinas Präsident Xi Jinping will sein Land mittelfristig an die Innovations-Weltspitze führen. Reuters

China nicht mehr die Billig-Werkbank: Im Westen denken viele immer noch an Billigprodukte, wenn sie an die chinesische Industrie denken. Doch das ist eine falsche Vorstellung. «Die Löhne in China sind gestiegen, Fabriken, die Billigware produzieren, sind in ärmere Länder weitergezogen», betont Aldrovandi. China habe sich zum Ziel gesetzt, in der globalen Wertschöpfungskette aufzusteigen und langfristig eine innovativere Industrie aufzubauen. «Dazu braucht China ausländische Unternehmen, die das Know-how liefern», so der Korrespondent. Als Konkurrenten aber seien die westlichen Unternehmen weniger willkommen.

Peking forciert Innovation: Bis 2025 will China ein im internationalen Vergleich innovatives Land sein. Langfristig will es zu Deutschland und den USA aufschliessen oder sie sogar überholen, was die Entwicklung und Produktion von hochtechnisierten Produkten angeht. Ob das gelingt, ist offen: Im sich weiter zuspitzenden Handelsstreit mit den USA geht es auch um das Abgreifen westlichen Know-hows durch vom chinesischen Staat gestützte Firmen. Etwas, das die USA unter Präsident Donald Trump stoppen oder verhindern wollen. «Die Spannung zwischen den beiden Ländern wird deshalb eher zunehmen», glaubt Aldrovandi.

Die Zoll-Spirale dreht weiter

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China droht weiter zu eskalieren. So gab Peking jetzt bekannt, dass auf angedrohte Zölle seitens der USA mit Gegenmassnahmen reagiert werden würde. So sollen 5200 US-Güter im Gesamtwert von 60 Milliarden US-Dollar mit Zöllen von 5 bis 25 Prozent belegt werden, falls die USA ihre Drohung wahr machen und ihrerseits Zölle auf weitere chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar verhängen. Derzeit erhebt Washington Zölle auf chinesische Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar. Weitere Zölle auf Güter im Wert von 16 Milliarden Dollar sollen bald folgen. (dpa)

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