Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schwierige Situation für Gastronomie-Betriebe
Aus HeuteMorgen vom 12.05.2020.
abspielen. Laufzeit 06:54 Minuten.
Inhalt

Verdienen trotz Massnahmen Dünne Luft für Restaurantbetreiber

Weniger Tische, weniger Gäste, weniger Umsatz – doch die Kosten bleiben gleich. Wie kann das funktionieren?

Die Gastronomie ist schon in normalen Zeiten ein Business, in dem es nicht einfach ist, über die Runden zu kommen. Entsprechend viele Restaurants wechseln häufig die Hand. Und jetzt, da die Gastro-Betriebe wieder öffnen dürfen, aber die Corona-Massnahmen des Bundes einhalten müssen, wird die Kalkulation nochmals diffiziler.

Zehn Prozent für die Miete

Damit ein Betrieb finanziell funktionieren kann, müssen zahlreiche Kennzahlen beachtet werden. «Die Miete darf nicht mehr als zehn Prozent des Umsatzes ausmachen», sagt dazu Michel Péclard. Er ist Buchhalter, Dozent an der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern und Gastronom mit einer Reihe eigener Restaurants.

Wenn eine Lokalmiete 20'000 Franken pro Monat koste, brauche ein Betrieb 10'000 Franken Umsatz pro Tag. «Schon da machen viele einen Fehler», stellt Péclard fest.

Hohe Fixkosten

Weitere 30 Prozent des Umsatzes müssten für den Einkauf der Ware aufgewendet werden. Das Teuerste seien aber die Lohnkosten des Personals: Gastrosuisse, der Verband der Gastro-Unternehmer, gehe von 45 Prozent des Umsatzes aus, die für die Löhne der Angestellten aufgewendet werden müssen. Péclard präzisiert: «Wenn die Personalkosten in unseren Betrieben auf über 37 Prozent steigen, dann gehen die Alarmglocken los.»

Rechne man vom Rest des Umsatzes noch die Investitionen für den Innenausbau des Lokals ab, die man über rund zehn Jahre abzuschreiben habe, bleibe der Gewinn übrig. Dieser sei oft nicht üppig.

Umsatz dürfte zurückgehen

Mit den wegen Corona zu ergreifenden Massnahmen werde die Rechnung noch schwieriger, so Buchhalter Péclard. Weniger ein Problem seien bauliche Massnahmen wie Trennwände oder Ähnliches.

Was wirklich einschenken werde, sei, dass ein Restaurant wegen der Abstandsregeln weniger Plätze zur Verfügung habe. Und: «Wahrscheinlich sind die Leute nicht mehr so bereit, auswärts essen zu gehen.»

Köche mit Gesichtsmasken.
Legende: Ein Bild, an das wir uns gewöhnen müssen: Irgendwie erinnern die Köche an Chirurgen. Keystone

In den Städten könne der Umsatz um bis zu 50 Prozent schrumpfen, erwartet der Gastronom. Das bedeute, man müsse Personal- und Warenkosten senken, beispielsweise auch die Speisekarte reduzieren. Oft stünden zudem die Mieten für jene Monate aus, in welchen die Restaurants geschlossen waren, so Péclard.

Lohnt sich das Öffnen?

Das Lokal nicht zu öffnen und die Versicherung zahlen zu lassen, sei nicht befriedigend. Péclard erwartet aber, dass die Zahl der Konkurse von Restaurationsbetrieben in den kommenden Monaten deutlich steigen wird. Wer überleben wolle, müsse genau rechnen – und gleichzeitig das Kunststück vollbringen, ein Ambiente unter erschwerten Bedingungen zu schaffen.

Tatsächlich könnten die allgegenwärtigen Desinfektionsmittel, die Plexiglas-Abtrennungen, die weit auseinander stehende Tische und Personal mit Gesichtsmasken die Stimmung im Lokal trüben. «Ich bin enorm gespannt, was jetzt passiert», sagt der Péclard. «Ob es sich lohnt, werden wir in einer Woche sehen.»

Video
Aus dem Archiv: Fahrplan zur Öffnung der Gastronomie
Aus Tagesschau vom 20.04.2020.
abspielen

HeuteMorgen, 12.05.2020, 06:00 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

26 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Margot Helmers  (Margot Helmers)
    Da werden reihenweise Restaurant's und Bar's schliessen müssen. Und es wird nicht die einzige Branche sein. Es wird massiv mehr Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger geben, die werden ihr Konsumverhalten einschränken müssen. Die Steuereinnahmen werden einbrechen bei steigenden Sozialkosten. Herr BR Maurer hatte schon angekündigt, dass es Einsparungen in der Landwirtschaft, Armee, Asyl, Entwicklungshilfe, Bildung und Forschung geben wird. Das wird einen Domino-Effekt auslösen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Ich bin froh haben wir einen Bundesrat Maurer der die Finanzen realistisch sieht und nicht irgendwelche Träumereien verbreitet.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Maligan Jury  (jury maligan)
    Schade, so eine interessante Branche wird derart drangsaliert. Gastrosuisse musste natürlich Konzepte präsentieren, sonst wäre die Öffnung nicht zustande gekommen. Aber was da am Schreibtisch konzipiert und dann noch vom Bund akzeptiert wurde ist völlig nutzlos. Lasst die Leute doch leben und die unnützen Vorschriften bleiben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dominik Müller  (Eloquent)
    Mit Gastronomieerfahrung: Eine Konsolidierung (oder besser gesagt ein Ausmisten) ist dringend nötig in dieser Branche. Der Preiskampf durch zu geringe Markteintrittsbarrieren (und zu geringer USP aka fünf Pizzerien im 7000 Seelendorf) schafft schon lange ein Überangebot. Wer wirklich betriebswirtschaftlich solide gearbeitet hat, wird die Krise überstehen. Ich hoffe sehr, die Überlebenden finden so zu neuer Stärke. Ob es dazu noch weitere Bundesmassnahmen braucht, sei dahingestellt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Diese Leute hatten alle Arbeit, aber der Staat zahlt dan ja, also wir.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen