Verschenken die Grossbanken ihr Tafelsilber?

Die Geldinstitute UBS und Credit Suisse wollen die Investoren bei Laune halten. Beide verwöhnen ihre Aktionäre mit einer ansprechenden Dividende. Aber ist das klug? Analysten beurteilen Krisenfestigkeit und Kapitalpolster der beiden Schweizer Traditionsbanken.

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Bildlegende: UBS und Credit Suisse: Nachbarn am Paradeplatz – und auch hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit? Keystone

Bank-Chefs rühmen sich nur zu gern, zu den Klassenbesten zu gehören. So ist zum Beispiel für Brady Dougan, den Chef der Credit Suisse, klar: «Die CS gehört zu den best-kapitalisierten Banken der Welt.» Das sehen allerdings nicht alle so. Zum Beispiel Andreas Venditti, Analyst der Bank Vontobel mit Schwerpunkt Finanzindustrie.

Venditti ist Profi, wenn es darum geht, Dicke und Qualität von Kapitalpolstern zu beurteilen. Es gebe eine ganze Reihe von Kennzahlen, die man beachten könne: «Und Fakt ist: Wenn man die Zahlen auf gleicher Basis berechnet, ist die CS doch hinter der UBS bezüglich der Kapitalausstattung.» Im internationalen Vergleich siedelt Venditti die CS im Mittelfeld an.

Sicherheitspolster könnte dicker sein

Aber auch die Eigenkapitaldecke der UBS ist nicht über alle Zweifel erhaben, sagt Venditti: die UBS verfüge zwar über ein dickeres Sicherheitspolster als die CS, könne international aber je nach Berechnungsmethode auch nicht immer mit den sichersten Banken der Welt mithalten.

Genau das hat Anfang Dezember auch die Expertengruppe rund um den Berner Professor Aymo Brunetti kritisiert. In ihrem Bericht zu Händen des Bundesrates hielt die Arbeitsgruppe zwar fest, dass die Schweiz ihre Grossbanken-Regulierung nach der letzten Krise rasch verschärft habe. Inzwischen hätten aber die USA oder die EU-Staaten die Schweiz zum Teil gar überholt.

Schärfere Kaptitalvorschriften angezeigt

Laut Brunetti wäre die kleine Schweiz, die mit ihren beiden Grossbanken UBS und CS besonders verwundbar ist, gut beraten, die Kapitalvorschriften noch einmal zu verschärfen. Eine Idee, die der Bundesrat nun prüft. Vendetti geht davon aus, dass die Anforderungen steigen werden.

Der Analyst fügt an: «Wir werden sehen, was international entschieden wird. Und wie sich die Schweiz dann positionieren wird.» Vendetti geht davon aus, dass der Bundesrat die so genannte «Leverage Ratio» auf etwa 5 bis 6 Prozent verschärfen wird; momentan liegt sie bei rund 4 Prozent.

Kommt es tatsächlich so, müssen beide Schweizer Grossbanken ihre Kapital-Puffer weiter aufstocken. Gefordert ist dann vor allem die CS. Dennoch hat die Bank nun also entschieden, jetzt erst einmal eine grosszügige Dividende an ihre Aktionäre auszuschütten. Die Investoren danken es CS-Chef Dougan heute prompt mit einem gewaltigen Kurssprung an der Börse.

Waghalsiger Spagat der CS

Ob die grosszügige Dividendenpolitik der CS geschickt ist, stellt Rainer Skierka, Bankenanalyst bei J.Safra-Sarasin, allerdings in Frage: «Bei der CS wird sich am ehesten die Frage stellen, ob die Dividenden-Politik nachhaltig ist.» Zumal die Kapitalausstattung in Form der relevanten «Ratios» deutlich schwächer sei, im Schweizer wie auch ich im internationalen Vergleich.

CS-Chef Dougan hat im letzten Jahr also den Spagat probiert: Die Investoren bei Laune zu halten und gleichzeitig das Kapitalpolster aufzustocken. Wie lang ihm, und auch UBS-Chef Sergio Ermotti, dieser Spagat allerdings gelingen wird, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Davon, wie stark der Bundesrat die Kapitalanforderungen verschärfen wird, und wie üppig die künftigen Bankgewinne sprudeln werden.

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