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Zinspolitik der EZB Irland und Spanien haben die Hausaufgaben gemacht

Zehn Jahre nach der Finanzkrise: Die EZB könnte ihre Zinspolitik jetzt anpassen, findet der Ökonom Otmar Issing.

Legende: Audio Die Politik der Europäischen Zentralbank bleibt vorsichtig abspielen. Laufzeit 02:21 Minuten.
02:21 min, aus HeuteMorgen vom 21.09.2018.

Die Finanzkrise, die vor zehn Jahren ihren Anfang nahm, ist längst vorbei. Doch die Europäische Zentralbank EZB kehrt nur zögerlich zu einer normalen Geldpolitik zurück. Otmar Issing ist der erste Chefökonom, den die Europäische Zentralbank je hatte. Er hat die Gründung der EZB in den 90er-Jahren massgeblich mitgestaltet.

Issing ist die jetzige Politik zu langsam. «Die Konjunktur im Euroraum hat sich gut erholt. Der Output-Gap ist mehr oder weniger geschlossen. Das verlangt nicht mehr nach einer Politik, die derart expansiv ist.»

Italien mit Reformen im Rückstand

Issing meint damit zum einen den rekordtiefen Leitzins von null Prozent. Zum anderen die monatlichen, milliardenschweren Anleihekäufe, mit denen die EZB ihre Mitgliedsstaaten stützt. Mit diesen unkonventionellen Massnahmen haben die Währungshüter den kriselnden Euro-Staaten Luft verschafft.

«Es gab mal die Vorstellung, dass man den Ländern Zeit kauft für Reformen. Das hat im Falle Spaniens und Irlands gewirkt. Dort geht es auch voran. In Italien ist die Zeit vergeudet worden.»

Für den Deutschen ist deshalb klar, dass die EZB auf Italien bei ihren geldpolitischen Entscheiden nicht länger derart stark Rücksicht nehmen sollte, sonst kämen die längst überfälligen Reformen dort nicht in die Gänge.

Keine irritierenden Signale aussenden

Mit konkreten Ratschlägen, was soll die EZB stattdessen tun soll, hält sich der 82-Jährige EZB-Doyen zurück. Ob es besser wäre, die Anleihenkäufe abrupt zu stoppen statt sanft auslaufen zu lassen, oder sie die Zinsen erhöhen soll, dazu äussert er sich nicht. «Ich will nicht über die Abfolge der einzelnen Schritte ein Urteil abgeben, da kann man sich vieles vorstellen. Aber nun schon anzukündigen, ‹vor nächsten Sommer denken wir gar nicht daran, die Zinsen zu erhöhen›, das sind Signale, die doch irritieren.»

Wie das politisch wacklige Italien und wie die Finanzmärkte auf eine härtere Gangart der EZB reagieren würden, ist nicht klar. Die heutige EZB-Spitze wird jedenfalls an ihrem vorsichtigen Kurs festhalten.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Ich finde, in einer Zeit in der Wirtschaftsgiganten sich im Säbelrasseln üben (Wirtschaftskrieg) wäre ich in Position der EZB auch vorsichtig.
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  • Kommentar von Willy Gruen (wgruen)
    Und doch bewegt sie sich: die EZB wird den Ankauf von Staatsanleihen bis zum Jahresende auslaufen lassen und auch der Leitzins wird nur dann nicht angehoben, wenn die Inflation stabil bleibt. So in den Nachrichten dieser Tage. Von Regierungen unabhängige National- bzw. Zentralbanken treffen sicher bessere geldpolitische Entscheidungen als Regierungen, die davon nicht viel verstehen (s. Türkei u.a.). Eine Übernahme des Euro wäre auch für uns von Vorteil (Ende der Währungsschwankungen).
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    1. Antwort von Marc Bühler (Capten Demokratie)
      Die EZB ist aber nicht unabhängig. Im EZB Rat schikt jedes Euro Land einen Vertreter, wäre sie unabhängig dürfte dieser Rat gar nicht so aufgebaut sein. Welch einen Geund könnte es haben von jeden Land ein Vertreter zu haben wenn diese nicht für ihr Land argumentieren würden? Malta, Zypern und Luxenburg haben zusammen 3 x soviel stimmrecht wie Deutschland mit 80 Millionen Einwohner!
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Die Währungsschwankungen der letzten 8 bis 10 Jahre waren für die CH von Vorteil. (dank den klugen Entscheiden der SNB) Wären wir in der Zeit im € gewesen hätte das ein Debakel gegeben.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Bis alle PIGS ihre Weichwaehrungen wieder haben, werden deren Buerger weiter verarmen, und die Handlungsfaehigkeit der Staaten weiter gelaehmt bleiben, anstatt die Staats- und Buergerschulden mit einer maessigen Inflation auf ein sozial wieder ertraegliches Mass abschmelzen....
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Inflation ist Diebstahl am Bürger.
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