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Legende: Video Wieviel von Duttweilers Geist steckt noch in der Migros? abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.03.2019.
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Zumbrunnen hinterlässt Spuren Der neue Migros-Chef baut um

Fabrice Zumbrunnen, der neue Migros-Chef: Der Romand hat bereits nach anderthalb Jahren an der Spitze Spuren hinterlassen: Stellenabbau in der Migros-Zentrale, harte Preisverhandlungen und umstrittene Geschäftsmodelle prägen sein erstes volles Amtsjahr.

Gewerkschaften und Bauern zeigen sich besorgt. «Ich habe das Gefühl, Duttis Geist ist gerade etwas ausgeflogen», sagt Bauern-Chef Markus Ritter. Und Gewerkschafter Marco Geu schiebt nach: «Duttwiler hat mal gesagt: Wir wollten bei der Migros nie Gewinn machen, aber es ging nicht anders. Man wollte in erster Linie den Kunden billige Preise garantieren. Ich habe den Eindruck, das ist in letzter Zeit vergessen gegangen.»

Der neue Migros Chef steht in der Kritik. Fabrice Zumbrunnen gibt sich im Interview mit «10vor10» angesichts solcher Vorwürfe gelassen: «Es stimmt, für die Migros erfolgt der Umbau ungewöhnlich schnell. Aber es kann nicht sein, dass wir unnötig zuwarten. Die Gesellschaft verändert sich auch rasant.»

Promotorinnen unter Druck

Konkret bemängelt die Gewerkschaft Syna zwei aktuelle Fälle. Einerseits trifft es die sogenannten Promotorinnen, also jene Migros-Mitarbeiterinnen welche den Kunden die neuesten Produkte zum Probieren anbieten. Ihr langjähriger Vertrag wurde gekündigt und zu schlechteren Bedingungen über eine Tochterfirma angestellt. Erst auf grossen öffentlichen Druck entschärfte die Migros die Situation – vorübergehend. «Ich kann nicht ausschliessen, dass wir ab und zu Fehler machen», sagt Fabrice Zumbrunnen dazu.

Ausserdem in der Kritik der Gewerkschaften: Das neue Angebot «Amigos». Wer über eine neue App seinem Nachbarn den Einkauf macht, erhält pro Lieferung nur 7.90 Franken. Pro weiteren Sack gibt es zusätzlich 2 Franken. Es gebe immer jemanden, der auf solche Einkünfte angewiesen sei, sagt Gewerkschafter Marco Geu. Angebote wie «Amigos» schafften einen prekären Arbeitsmarkt: «Die Migros hat mit dem Projekt ‹Amigos› Arbeitsformen eingeführt, die wir sonst von Uber und Amazon kennen. Die sehen wir sehr kritisch.»

«Hier geht es um ein kleines Projekt», sagt Zumbrunnen. Wir wollten testen, ob das Thema ‹social shopping›, welches beispielsweise in Dänemark sehr gut läuft, auch in der Schweiz funktionieren könnte.» Man werde nun eine erste Bilanz ziehen.

Auch Duttweiler hat immer für günstige Preise mit den Lieferanten gekämpft.
Autor: Fabrice ZumbrunnenMigros-Chef

Auch Bauern-Chef Markus Ritter sagt, Zumbrunnen habe die Migros bereits merklich verändert: «Die Kosten werden sehr stark überprüft», berichtet Markus Ritter. «Die Migros versucht günstiger einzukaufen und ist nicht mehr bereit, bei Projekten mit uns Bauern zu investieren», sagt der oberste Schweizer Bauer.

Zumbrunnen kontert mit Migros Gründer Gottlieb Duttweiler: «Auch Duttweiler hat immer für günstige Preise mit den Lieferanten gekämpft.» Den Vorwurf, man schaue die Preise genau an, nimmt er deshalb als Kompliment.

Legende: Video Das Interview mit dem Migros-Chef abspielen. Laufzeit 07:48 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.03.2019.
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15 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    "Glauben ist gut, Kontrolle ist besser"! Das verantwortungslos, Menschen ausbeuterische "MIGROS-MANAGEMENT", muss erst beweisen, dass sie sich nach "Duttweiler-Methode" den: Produzenten - Angestellten - Konsumenten gegenüber verantwortungsbewusst und fair verhalten wird!
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Beispiel Cherry-Tomaten: M-Budget-, Bio-, Aus der Region-, M-Classic-, Extra-, Fresca-und Selection-Tomaten... manche beschafft der MGB, manche die Genossenschaften (dann noch bei jeder Genossenschaft anders...). Aufgrund der jeweils geringen Umsatzmengen der einzelnen Preislagen hat man dann auch noch Mühe mit der Qualität. Wer als Unternehmer in der Migros einkaufen geht, der wundert sich nicht, dass die Migros bei solch aufwändiger Warenbewirtschaftung nur noch von der Substanz lebt.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Auch die Migros muss sich den Gesetzen des Marktes stellen. Beispiel: Wenn ich für den Sommergrill nebst Fleisch und Gemüse auch noch Bier will, kaufe ich nicht bei der Migros sondern bei Coop, Denner etc. ein, weil ich dort "alles aus einer Hand" erhalte. Die Migros dürfte deswegen im Sommer deutliche Umsatzeinbrüche verzeichnen, nicht nur beim Fleisch, sondern überall, weil die Leute nicht in den Laden kommen. Dutti's Alkoholverbot hatte seine Gründe, heute würde Dutti Alkohol verkaufen.
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