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Nina Klötzli Oligarchen-Stewardess und erste Messerschmiedin der Schweiz

Als Werkstattleiterin und Co-Geschäftsführerin der traditionsreichen Klötzli-Messerschmiede in Burgdorf führt Nina Klötzli ein Erbe fort, das tief in ihrer Familiengeschichte verwurzelt ist. Doch ihr Weg dorthin war alles andere als geradlinig.

Der Weg von Nina Klötzli ist geprägt von Mut, Offenheit und der Bereitschaft, immer wieder Neues zu wagen.

Kleines Kind mit Gefährt schaut in die Welt hinaus.
Legende: Wegfahren und die Welt entdecken: Das war schon früh die Intension von Nina Klötzli. zVg Nina Klötzli

Schon als 14-Jährige war Nina Klötzli vom Gwunder getrieben. Dafür verliess sie den vertrauten Hafen der Familie und absolvierte die drei letzten Schuljahre in einem Internat in England. Über die Einflüsse der multikulturellen Schule sagt sie: «Es war eine der prägendsten Erfahrungen, die ich gemacht habe.»

Danach absolvierte sie eine Lehre in der Gastronomie im Wallis. Eine schwierige Zeit, denn die extrem langen Arbeitstage setzten ihr zu. Schon bald zog es sie wieder ins Ausland.

Staub wischen für den Oligarchen

Nina Klötzli reiste nach Nizza. Auf der Flaniermeile, wo sich ein Gastrobetrieb an den anderen reiht, fand sie einen Job in einem Pub – bis ein Stammgast sie fragte, ob sie als Stewardess auf einer der Super-Jachten arbeiten möchte. In 48 Stunden würde das Schiff auslaufen.

Nina Klötzli reduzierte ihr Hab und Gut auf 30 Kilogramm und nahm die Herausforderung an, obschon tiefe Wasser und Schiffe nicht ihr Ding sind, erzählt die Burgdorferin.

Servieren, putzen und drei Mal täglich die Pflanzen abstauben: Das waren ihre Aufgaben auf dem Schiff des russischen Oligarchen, sagt Klötzli lachend. Aus der Vorstellung, schöne neue Orte zu sehen, wurde nichts. «Auf dem Schiff sitzt man fest.» Die schönen Orte sah sie nur aus Distanz. Trotzdem sagt sie: «Es hat sich gelohnt.»

Erste Frau in einer reinen Männerdomäne

Nina Klötzli war schon über 30, als sie sich als erste Frau in der Schweiz für eine Lehre zur Messerschmiedin entschied. Inmitten von 16- bis 17-jährigen Polymechaniker-Lehrlingen eine Herausforderung für die zielstrebige Frau. «Bei aller Liebe – es waren gute Jungs, aber mit ihnen zurechtzukommen, war der schwierigste Teil der Ausbildung», meint Klötzli.

Den Familienbetrieb zu übernehmen, erforderte viel Herzblut.
Autor: Nina Klötzli Werkstattleiterin und Co-Geschäftsführerin

Der Beruf des Messerschmieds ist hart und brachte auch Nina Klötzli an ihre Grenzen. «Das Schmieden ist körperlich sehr anstrengend.» Ihr Vater habe ihr deswegen Hanteln gekauft.

Den Familienbetrieb zu übernehmen, erforderte viel Herzblut, sagt Nina Klötzli. Sie bereue es aber nicht.

Es waren brutale Tage, das kann man nicht leugnen.
Autor: Nina Klötzli über den selbstbestimmten Tod ihres Vaters

Die Familiengeschichte, die sich über sechs Generationen erstreckt, ist in einem eigens gestalteten Museum dokumentiert. «Die unbekannten Gesichter bekommen plötzlich eine Geschichte und einen Hintergrund. Das ist berührend», sagt sie.

Umgang mit Verlust

Besonders prägend war der selbstbestimmte Tod ihres Vaters im vergangenen Jahr. Eine Entscheidung, die die Familie gemeinsam trug. Sie hätten als Familie schon lange vor der Krankheit des Vaters darüber gesprochen, wie man sich das Leben und das Sterben vorstellt und was Lebensqualität ist, sagt Nina Klötzli.

Mann sitzt in der Werkstatt und schaut in die Ferne.
Legende: Hans-Peter Klötzli war krank und ist im vergangenen Jahr mit einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben geschieden. Eine Sterbehilfeorganisation in Anspruch zu nehmen, könne auch eine Erlösung sein, sagt Nina Klötzli. Swissinfo/Thomas Kern

«Es waren brutale Tage, das kann man nicht leugnen.» Es war schwierig – aber die Alternative wäre noch schwieriger gewesen, meint Nina Klötzli, die zuvor noch nie einen Menschen hat sterben sehen. Rational habe sie gewusst, was passiert. Es aber zu erleben, sei surreal gewesen.

Die Endgültigkeit, mit der wir alle früher oder später konfrontiert sind, hat Nina Klötzlis Blick auf das Leben geschärft. Ihre Botschaft ist: «Geniesse den Tag. Carpe diem. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell und man soll jetzt das machen, was ‹fägt›», sagt die Frau, die es wissen muss.

Radio SRF 1, 12.4.2026, 10 Uhr;weds ; 

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