Der Weg von Nina Klötzli ist geprägt von Mut, Offenheit und der Bereitschaft, immer wieder Neues zu wagen.
Schon als 14-Jährige war Nina Klötzli vom Gwunder getrieben. Dafür verliess sie den vertrauten Hafen der Familie und absolvierte die drei letzten Schuljahre in einem Internat in England. Über die Einflüsse der multikulturellen Schule sagt sie: «Es war eine der prägendsten Erfahrungen, die ich gemacht habe.»
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Bild 1 von 3. Nina Klötzli war jung, als sie sich entschied, die 7., 8. und 9. Klasse in England zu absolvieren. Heimweh habe sie nie verspürt. Und zur Schuluniform sagt sie: «Wenn man etwas will, nimmt man das in Kauf.» Sie betont die Vorteile: «Man muss am Morgen nicht immer überlegen, was man anziehen soll.». Bildquelle: zVg Nina Klötzli.
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Bild 2 von 3. Nina Klötzlis verrückte Zeit in Nizza: Sie arbeitete in einem Pub und wohnte in einer grossen WG, wo nicht immer klar war, wer wirklich dort wohnte. Bildquelle: zVg Nina Klötzli.
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Bild 3 von 3. Ein freier Tag an der Côte d'Azur sah für Nina Klötzli so aus. Bildquelle: zVg Nina Klötzli.
Danach absolvierte sie eine Lehre in der Gastronomie im Wallis. Eine schwierige Zeit, denn die extrem langen Arbeitstage setzten ihr zu. Schon bald zog es sie wieder ins Ausland.
Staub wischen für den Oligarchen
Nina Klötzli reiste nach Nizza. Auf der Flaniermeile, wo sich ein Gastrobetrieb an den anderen reiht, fand sie einen Job in einem Pub – bis ein Stammgast sie fragte, ob sie als Stewardess auf einer der Super-Jachten arbeiten möchte. In 48 Stunden würde das Schiff auslaufen.
Nina Klötzli reduzierte ihr Hab und Gut auf 30 Kilogramm und nahm die Herausforderung an, obschon tiefe Wasser und Schiffe nicht ihr Ding sind, erzählt die Burgdorferin.
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Bild 1 von 2. Nina Klötzli dachte, sie könne durch ihren Job auf der Jacht eines russischen Oligarchen schöne neue Orte kennenlernen. Dem war nicht so. Sie musste hart arbeiten und sah die Orte höchstens aus der Distanz und vom Schiffsinnern aus. Bildquelle: zVg Nina Klötzli.
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Bild 2 von 2. Als Stewardess auf einer Super-Jacht arbeiten: Für einen russischen Oligarchen hat Nina Klötzli serviert, geputzt und Pflanzen abgestaubt. Bildquelle: zVg Nina Klötzli.
Servieren, putzen und drei Mal täglich die Pflanzen abstauben: Das waren ihre Aufgaben auf dem Schiff des russischen Oligarchen, sagt Klötzli lachend. Aus der Vorstellung, schöne neue Orte zu sehen, wurde nichts. «Auf dem Schiff sitzt man fest.» Die schönen Orte sah sie nur aus Distanz. Trotzdem sagt sie: «Es hat sich gelohnt.»
Erste Frau in einer reinen Männerdomäne
Nina Klötzli war schon über 30, als sie sich als erste Frau in der Schweiz für eine Lehre zur Messerschmiedin entschied. Inmitten von 16- bis 17-jährigen Polymechaniker-Lehrlingen eine Herausforderung für die zielstrebige Frau. «Bei aller Liebe – es waren gute Jungs, aber mit ihnen zurechtzukommen, war der schwierigste Teil der Ausbildung», meint Klötzli.
Den Familienbetrieb zu übernehmen, erforderte viel Herzblut.
Der Beruf des Messerschmieds ist hart und brachte auch Nina Klötzli an ihre Grenzen. «Das Schmieden ist körperlich sehr anstrengend.» Ihr Vater habe ihr deswegen Hanteln gekauft.
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Bild 1 von 6. Nina Klötzli hat in den Räumlichkeiten des Familienbetriebs während ihrer Lehrzeit zur Messerschmiedin selber Hand angelegt. Bildquelle: Swissinfo/Thomas Kern.
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Bild 2 von 6. Heute befindet sich in der alten Werkstatt ein Museum, durch das Nina Klötzli ab und zu Besucherinnen und Besucher führt. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 3 von 6. Handwerkskunst aus sechs Generationen: Das Museum gibt Einblick in die Messerschmiedekunst der Klötzli-Familie. Bildquelle: Swissinfo/Thomas Kern.
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Bild 4 von 6. In diesem Jahr feiert die Messerschmiede Klötzli ihr 180-jähriges Bestehen. Es ist eine der ältesten noch existierenden Messerschmieden in Europa. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 5 von 6. Nina Klötzlis Reiselust liegt in der Familie, deren Geschichte gut dokumentiert ist. Sie wisse, wo ihr Ur-Ur-Ur-Grossvater in seinen Wanderjahren als Handwerker auf Reisen war. Als man das Haus umbauen musste, kamen viele Liebesbriefe und Kopulationsbescheinigungen zum Vorschein. Bildquelle: Swissinfo/Thomas Kern.
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Bild 6 von 6. Familie Klötzli v.l.n.r. Bruder Samuel, Vater Hans-Peter, der im vergangenen Jahr gestorben ist, und Mutter Bea Klötzli neben Nina mit Tochter. Bildquelle: Swissinfo/Thomas Kern.
Den Familienbetrieb zu übernehmen, erforderte viel Herzblut, sagt Nina Klötzli. Sie bereue es aber nicht.
Es waren brutale Tage, das kann man nicht leugnen.
Die Familiengeschichte, die sich über sechs Generationen erstreckt, ist in einem eigens gestalteten Museum dokumentiert. «Die unbekannten Gesichter bekommen plötzlich eine Geschichte und einen Hintergrund. Das ist berührend», sagt sie.
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Bild 1 von 2. Als Werkstattchefin schmiedet Nina Klötzli nicht mehr selber. Sie schaut, dass das Material vorhanden ist und die Mitarbeitenden alles haben, was sie brauchen. Zu den Aufgaben, die sie mit ihrem Bruder Samuel teilt, gehört auch die Produktionsplanung. Bildquelle: SRF Screen.
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Bild 2 von 2. Bildquelle: zVg Messerschmiede Klötzli.
Umgang mit Verlust
Besonders prägend war der selbstbestimmte Tod ihres Vaters im vergangenen Jahr. Eine Entscheidung, die die Familie gemeinsam trug. Sie hätten als Familie schon lange vor der Krankheit des Vaters darüber gesprochen, wie man sich das Leben und das Sterben vorstellt und was Lebensqualität ist, sagt Nina Klötzli.
«Es waren brutale Tage, das kann man nicht leugnen.» Es war schwierig – aber die Alternative wäre noch schwieriger gewesen, meint Nina Klötzli, die zuvor noch nie einen Menschen hat sterben sehen. Rational habe sie gewusst, was passiert. Es aber zu erleben, sei surreal gewesen.
Die Endgültigkeit, mit der wir alle früher oder später konfrontiert sind, hat Nina Klötzlis Blick auf das Leben geschärft. Ihre Botschaft ist: «Geniesse den Tag. Carpe diem. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell und man soll jetzt das machen, was ‹fägt›», sagt die Frau, die es wissen muss.