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Spekulieren statt Sparen: Hobby-Trader an der Börse
Aus Input vom 02.05.2021.
abspielen. Laufzeit 36:30 Minuten.
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Hobby-TraderInnen an der Börse «Wir können noch einmal reden, wenn der Crash da ist»

Hobby-Trader und -Traderinnen stürmen zurzeit die Schweizer Börse. Eine von ihnen ist Angela Mygind. Sie steckte ihr Erspartes in Aktien anstatt es sicher auf dem Sparkonto zu bunkern. Das Risiko dabei nimmt sie in Kauf.

«An der Börse investieren ist für Reiche. Normale Leute sparen.» Das hat Angela zuhause gelernt. So hat die 32-jährige gelernte Buchhändlerin immer brav Geld gespart. Finanzen, Zahlen, Mathe, war sowieso nie ihr Ding. Bis der Schock kam.

«Ich hatte immer ein komisches Gefühl»

Weil Angela sich nicht mit ihren Finanzen beschäftigen wollte, steckte sie ihr Erspartes einfach in ein Finanzprodukt einer Versicherung – auf Anraten eines Bekannten. «Zwar hatte ich beim Blick auf die Auszüge immer ein komisches Gefühl», darum gekümmert hatte sich die Innerschweizerin aber nie. Bis sie über Instagram auf einem Podcast einer deutschen Finanzbloggerin gelandet ist. Diese erzählte, wie sie viel Geld mit einem ähnlichen Finanzprodukt verloren hatte. Jetzt rechnete Angela nach. Und bemerkte: 4000 Franken musste sie sich ans Bein streichen.

Die Welle von Kleinanlegern ist ein Vorbote für einen Börsen-Crash
Autor: Christian KatzEhemaliger Chef der Schweizer Börse

Es war der Moment, in dem die Innerschweizerin entschied, etwas zu ändern. «Ich habe immer Stunden damit verbracht, Hotels zu suchen, wenn ich in die Ferien ging. Aber für meine Finanzen hatte ich nie Zeit.» Nun recherchierte die heutige Direktionsassistentin, schaute Youtube-Videos, las Finanz-Blogs und entschied, ihr Erspartes an der Börse zu investieren.

Risiken und Nebenwirkungen: Das müssen Hobby-Trader wissen

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Eine grüne Kurve mit Auf und Abs auf schwarzem Hintergrund.
Legende: Mal zeigt die Börsenkurve nach unten, mal nach oben. Keystone

Der derzeitige Run an die Börse birgt seine Gefahren. Das müssen Hobby-Trader wissen:

  • An der Börse gibt es keine Sicherheit. Heute geht’s aufwärts morgen kippts.
  • Wer in spekulative Anlagen investiert, kann schnell alles Geld verlieren.
  • Wer ein Börsencrash finanziell nicht verkraften kann, sollte nicht mit Aktien oder anderen Finanzprodukten zocken.
  • Handeln kostet. Neben den Kursverlusten sollte man auch die Gebühren der Bank im Blick haben.
  • Finanzexperten raten streng davon ab, Geld in Aktien zu stecken, das man zum Bezahlen der Miete oder Krankenkasse braucht.
  • Wer an der Börse alles auf eine Karte setzt , geht ein höheres Risiko ein.

Hobby-Trader stürmen die Börse

Wie Angela haben hierzulande in den letzten Monaten Zehntausende ein Trading-Konto eröffnet. «Wir hatten wahnsinnig viel Konto-Eröffnungsanträge», sagt Marc Bürki Gründer und Chef der grössten Onlinebank der Schweiz, Swissquote. Zeitweise habe man pro Woche 5000 Anträge erhalten. Fünfmal mehr als in normalen Wochen.

Vorzeichen für den Crash

«Wir sind in einer Welle, in der Privatanleger und -anlegerinnen wieder sehr aktiv sind», stellt der ehemalig Chef der Schweizer Börse Christian Katz fest. Ein Phänomen, das er schon mehrfach beobachtet hat. Zum Beispiel vor der Finanzkrise 2007, um die Jahrtausendwende oder auch zu Beginn der 1990er- Jahre. Katz sieht darin ein Warnsignal für die Börse: «Es ist eine Wellenbewegung vor dem Wendepunkt».

Die Welle von Kleinanlegern sei ein Vorbote für einen Börsen-Crash, meint Katz mit Blick auf die Vergangenheit. Allerdings fragt sich auch der ehemalige Börsenchef, wann der Crash kommen wird. Denn wir seien in der grössten Geldschwemme der jüngsten Zeit.

Geldschwemme ein Problem

Tatsächlich geben Regierungen Milliarden aus, und Notenbanken pumpen unablässig Geld ins System, um die Wirtschaft – und damit die Börsen – zu stützen. Ein Beispiel dafür sind die tiefen, zum Teil gar negativen Zinsen. Diesen erlauben es günstig Geld aufzunehmen, sei es, um eine Firma zu gründen oder ein Haus zu kaufen. Diese Geldschwemme hat allerdings einen Nebeneffekt.

Sparer und Sparerinnen werden durch die tiefen Zinsen zum Spekulieren an der Börse gedrängt. So sieht es die Kleinanlegerin Angela welche auf missfinance.ch über ihre Erfahrungen bloggt. «Früher gab es auf dem Sparkonto Zins», das Vermögen sei automatisch gewachsen, «das habe ich nicht mehr erlebt», meint Angela. Ein wichtiger Grund weshalb sie heute das Risiko nimmt und ihr Erspartes in Aktien steckt, anstatt sicher auf dem Sparkonto zu bunkern.

Ich habe immer Stunden damit verbracht, Hotels zu suchen, wenn ich in die Ferien ging. Aber für meine Finanzen hatte ich nie Zeit.
Autor: Angela MygindDirektionsassistentin und Bloggerin

Auf den drohenden Börsen-Crash sei sie vorbereitet, hat Angela das Gefühl, um dann mit einem Schmunzeln anzuhängen: «aber das ist einfach zu sagen bei Sonnenschein und steigenden Börsenkursen. Wir können noch mal sprechen, wenn der Crash da ist.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Yvonne Abt  (YvonnedieDreizehnte)
    Man muss langsam aufpassen, ob man noch immer grössere Positionen an den Aktienmärkten eingehen will.
    In den letzten Monaten häufen sich die Artikel in den Mainstream Medien über Börse, Trading und Anlegen.
    Es ist wirklich zu hoffen, dass es eine Korrektur gibt welche durchaus über die nächsten 2-3 Jahren geht. Es sind zur Zeit einfach zu viele Leute im Markt welche das schnelle Geld verdienen wollen und denken dass Aktien immer steigen werden. Da fehlt bei vielen die Demut vor dem Markt.
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  • Kommentar von Therese Faessler  (invested.ch)
    Ich würde mich gerne an der Diskussion beteiligen und über die ökonomischen Aspekte des Kapitaleigentums sprechen. Der einzige Weg, die Vermögensschere zu verkleinern, ist, dass jeder ein Stück der Wirtschaft besitzt. Wäre es möglich, Ihre Plattform zu nutzen, um über die Ökonomie des Investierens zu sprechen und nicht über die Spekulation?
    https://www.blick.ch/wirtschaft/st-galler-oekonomin-ruft-bevoelkerung-zum-aktienkauf-auf-die-firmen-muessen-allen-gehoeren-id16034161.html
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  • Kommentar von Thomas Huber  ("Hu" goot au...!)
    Wie hiess es doch vor dem grossen Crash 1929?
    Wenn Putzfrauen und Taxifahrerlnnen Aktien kaufen, dann is die Zeit zum aussteigen gekommen.
    Die Grossen von damals in den USA hatten recht, werden recht behalten. Auch für die Schweiz.
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