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Konsens beim Sex - eine Anleitung
Aus Input vom 07.03.2021.
abspielen. Laufzeit 33:33 Minuten.
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Reden über Sex Let's Talk About Sex – nun aber wirklich!

Wir sprechen über so vieles im Leben so detailliert. Aber ausgerechnet über Sex nicht. Warum eigentlich nicht? Und wie können wir entspannter über Sex reden? Sexualpädagogin Angie Walti weiss es.

1. Sex findet nicht nur im Bett statt

Sex muss man kultivieren. Er findet nicht nur im Bett statt, sondern muss auch ausserhalb des Schlafzimmers thematisiert werden. Die Annahme, dass man die Gedanken des Partners lesen könne, sei verheerend für das Sexleben; auch in langjährigen Beziehungen. Das erklärt Sexualpädagogin Angie Walti in der neusten Podcast Folge «INPUT».

Im besten Fall versäumt man es, sich gegenseitig intimste Wünsche zu erfüllen. Im schlimmsten Fall überschreitet man Grenzen und schadet so längerfristig nicht nur der Beziehung, sondern auch dem Partner oder der Partnerin. Beim Sex gilt also: Reden ist Gold!

Angie Walti

Angie Walti

Sexualpädagogin und Sexualberaterin

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Angie Walti arbeitet bei einer Fachstelle für sexuelle Gesundheit, wo sie als Sexualpädagogin und Sexualberaterin wirkt. Daneben ist sie selbständig. 4 Jahre lang hat sie das Kunst- und Rahmenprogramm der Porny Days in Zürich kuratiert und sich kulturell, politisch und gesellschaftlich mit dem Thema Sexualität auseinandergesetzt.

2. Über Sex reden als würde man Pizza bestellen

Aber wie geht man das nun an? Viele Menschen haben nie gelernt, wie man mit dem Partner oder der Partnerin konkret über Sex spricht. Angie Waltis Tipp: Über Sex soll man reden, als ob man gemeinsam eine Pizza bestellen würde. Man spricht selbstverständlich darüber, wo man gemeinsam essen will – im Restaurant, zuhause oder im Park – was auf der Pizza drauf sein soll oder wie deftig die Pizza sein darf. Warum sollte man das für Sex nicht tun? «Jemand hat Lust auf Ananas, für die andere Person geht das gar nicht. So einfach ist das!», sagt Walti.

3. Alle müssen mit allem einverstanden sein

Das Schlagwort «Konsens beim Sex» macht im gesellschaftlichen Diskurs seit längerem die Runde. Konsens bedeutet nichts anderes, als dass alle beteiligte Personen in einer intimen Situation mit allem einverstanden sind, was geschieht. Das bedeutet nicht, dass man jedes Mal einen Vertrag unterschreiben muss, um Sex zu haben. Konsens kann auch nonverbal geschehen.

«Man kann darauf achten, wie der Körper einer Person reagiert oder welchen Gesichtsausdruck sie gerade hat. Ein Stöhnen kann aber zum Beispiel auch Verunsicherung auslösen. In solchen Momenten ist es wichtig, dass man kurz nachfragt», so Sexualpädagogin Walti. Bei Unsicherheiten ist die verbale Kommunikation immer noch der sicherste Weg. Das kann ein simples ‹Gefällt dir das?› oder ‹Soll ich weitermachen?› sein. Besonders, wenn man die Person nicht gut kennt oder sich mit jemandem an eine neue sexuelle Praktik wagt.

Der Stars-Talk: Ein Leitfaden für One-Night-Stands

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Wenn man zum ersten mal mit jemand neuem Sex hat, gibt es im Vorfeld oft einige Fragen zu klären. Das «STARS»-Modell der amerikanischen Konsens-Expertin Dr. Evelin Dacker gibt eine klare Übersicht darüber, was man vor dem Spass alles besprechen könnte, um den Morgen danach zu entschärfen.

S: Sexual Health/Sexually Transmitted Infections-Status: Hat man eine sexuell übertragbare Erkrankung? Wann wurde man das letzte Mal auf Erkrankungen getestet?

T:Turn-Ons: Was mag man beim Sex? Dieser Punkt lässt sich auch während des Akts ausdrücken, verbal und nonverbal.

A: Avoids: Was mag man nicht beim Sex? Hier ist besonders wichtig, dass man seine persönlichen Grenzen klar ausdrückt.

R: Relationship Intentions: Welche Beziehungs-Erwartungen hat man an die andere Person? Soll sie am nächsten Morgen möglichst bald gehen oder möchte man danach Zeit miteinander verbringen?

S:Safer Sex Etiquette: Wie verhüten wir? Nimmst du die Pille? Ziehst du ein Kondom an?

4. Absicht und Wirkung sind nicht dasselbe

Wenn jemand beim Sex etwas tut, was der anderen Person nicht gefällt, muss das nicht unbedingt mutwillig sein. Das kann zum Beispiel auch dann passieren, wenn festgefahrene Rollen angenommen werden. «Zum Beispiel, wenn sich ein Mann einfach nimmt, was er will und die Frau meint, ‹Ich gebe ihm das jetzt einfach›», so Walti. Eine Studie der Frauenzeitschrift Annabelle bestätigt die These von Walti: Drei Viertel der befragten Frauen hatten schon mal Sex, um jemandem einen Gefallen zu tun. Mit mehr Kommunikation könne man viele solcher Situationen vermeiden. «Vielleicht will der Mann der Frau auch etwas geben und man hat einfach nicht darüber geredet.»

Radio SRF 3, 7. März 2021, 20 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Wyss  (peterma)
    Sex findet in der Regel unter dem kleinsten gemeinsamen Nenner statt, alles andere ist oder grenzt an Vergewaltigung. Im Sexualverhalten spiegelt sich auch unsere Gesellschaft. Besser im Beruf im Sport und im Bett, ganz nach dem Olympischen Gedanken. Die Auswüchse äussern sich den Schönheitsoperationen der Frauen. In der dritten Welt wo Frauen gegen Unterdrückung und ums Überleben kämpfen, haben weniger solche Probleme. Ihr Männer habt Freude an eurer Frau das Leben lang das ist das wichtigste.
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  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Einfach bei Watson Emma Amour lesen. Da bleibt nichts unausgesprochen.
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  • Kommentar von Urs Wüthrich  (Uese)
    Und ich habe mich aufgrund des Titels schon gefreut, dass es nun wirklich zur Sache geht. Es ist aber wie bei allen Beiträgen über Sex. Es wird umschrieben, mit einem Vergleich etwa über das Pizzabestellen. Wieso nicht ein Beispiel aus - eben der sexuellen Welt? Ich denke, dass unsere Gesellschaft es einfach einfach nicht zulässt, die Dinge beim Namen zu nennen. Wie sollen wir da ein entspanntes Verhältnis zum Sex und unseren Sexualorganen bekommen?
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