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Comeback mit Hindernissen Werden nun noch mehr Kanye-West-Shows abgesagt?

Die Liste der Konzert-Absagen wird länger. Der Druck wächst. Kann eine Figur wie Kanye West eigentlich noch uneingeschränkt auf Welttour gehen?

Ganz unverwundbar ist er scheinbar nicht. Auch der einst selbsternannte «Yeezus» kriegt was ab. Die antisemitischen Äusserungen, die Hakenkreuz-Shirts, der Heil-Hitler-Song, die öffentlichen Kontroversen haben letztes Jahr schon zu einer Show-Absage in Südkorea geführt, fast die Hälfte der geplanten diesjährigen Shows in Europa sind bereits gestrichen.

Wie ernst es Ye (Kanye West) mit seiner Welttour meint, beweist ein Auftritt in seiner Heimat. Anfang April inszenierte er sich symbolträchtig auf einer überdimensionalen Weltkugel im 70'000-Platz-SoFi-Stadion in Los Angeles. Gleich zwei Abende. An Grössenwahn hat es ihm noch nie gefehlt.

Wer sagt Nein zu Ye?

Folgerichtig soll es mit dem neuen Album «Bully» jetzt auf Welttour gehen, wenn ihm dann nicht alle Auftritte verboten werden.

Grossbritannien hat Ye die Einreise verweigert, Polen sagt seine geplante Show am 19. Juni aus «formal-rechtlichen Gründen» ab, in Frankreich verschiebt der 48-jährige Rapper sein Konzert gleich selbst, um einer behördlichen Absage zuvorzukommen und sein geplanter Auftritt am 26. Juni im Basler St. Jakob-Park findet laut einem Entscheid des FC Basel auch nicht statt.

Wer sagt noch Ja zu Ye?

Dennoch bleiben Ye (noch) nicht alle Arenen verschlossen. Und seine Show braucht Arenen, die ihm die volle Kontrolle ermöglichen. Für sein Konzert in Mexiko wurden gemäss seinem Promoter Andrés Charvel «bereits im vergangenen Jahr temporäre Anpassungen am Veranstaltungsort vorgenommen, um den visuellen Ansprüchen von Ye gerecht zu werden.»

Nach Indien und der Türkei findet die erste Show auf europäischem Boden Anfang Juni im niederländischen Arnhem statt. Dem Stadtpräsidenten Ahmed Marcouch fehlte hier die rechtliche Grundlage für eine Konzertabsage. Die Sache werde aber derzeit evaluiert. Der vorgesehene Auftritt in Madrid Ende Juli wird auf Fan-Foren bereits diskutiert.

Auch im norditalienischen Reggio Emilia ist der geplante Auftritt fraglich. Bürgermeister Marco Massari distanziert sich von Yes Verhalten und Äusserungen, die endgültige Entscheidung liege jedoch bei der nationalen Regierung.

Fest steht: Mit jedem abgesagten Konzert in Europa wird der Druck auf die noch angekündigten Shows grösser.

Wozu die Skandale?

Allen Konzertabsagen zum Trotz bricht Ye Rekorde: Mit beinahe 50 Millionen Streams auf Spotify am Veröffentlichungstag des neuen Albums ist es der bisher erfolgreichste Hip-Hop-Release des Jahres und bewegt sich zahlenmässig in Sphären von Harry Styles oder BTS.

Die Skandale sind schliesslich auch die Bauklötzen seines Mythos. Seine Ausfälle und Entschuldigungen werden oft mit seiner bipolaren Störung erklärt und dabei wird ausgelassen, dass die Provokation auch zu seinem Werkzeugkasten gehört. Neu ist, dass West zumindest teilweise Riegel geschoben werden.

Grenze überschritten?

Dass auch eine Figur wie Kanye West in die Schranken gewiesen wird, beweist vor allem, dass falsches Verhalten spürbare Konsequenzen hat. Auch im Pop, wo gern über Schandtaten hinweggehört wird, solange der Beat und die Kasse stimmen.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Bedeutung: Kanye West hat die Mechanismen der Aufmerksamkeit jahrelang geprägt. Nun zeigen genau diese Mechanismen ihre Kehrseite. Die Frage ist nicht mehr, wie weit er gehen kann – sondern wie weit das Publikum und die Veranstalter noch bereit sind, ihm zu folgen.

SRF3; 22.4.26; 14:15 Uhr

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