Mit elf Jahren hörte Eon Awa an einer Pfadi-Waldweihnacht zum ersten Mal «All I Want For Christmas Is You» und war völlig hin und weg von Mariah Careys Stimme. «The rest is history», sagt er.
Bis dahin hatte Timo Gloor, wie Eon Awa eigentlich heisst, mit Popmusik nicht viel am Hut. Er spielte Geige und Klavier – seine wahre Faszination galt aber dem Zeichnen.
Lange wollte er Trickfilmzeichner werden. Schuld waren die Geier aus dem Dschungelbuch-Film. «Ich war fasziniert von allem, was fliegen konnte», erzählt der Sänger lachend. «Wenn die Geier ihre Flügel ausbreiteten, drückte ich den Pausenknopf und zeichnete sie ab.»
Pop aus dem Kinderzimmer
Dank Mariah Carey wich die Geier-Obsession einer ausgeprägten Leidenschaft fürs Singen. Eon Awa verbrachte jede freie Minute damit, den Gesang der Pop-Diva zu analysieren und nachzuahmen. Kurz nach seinem Mariah-Moment begann er ausserdem mit seinem Kindheitsfreund Ben in dessen Kinderzimmer Songs zu schreiben und zu produzieren. Die beiden arbeiten immer noch eng zusammen.
Heute arbeitet Eon Awa unermüdlich daran, seine Popstar-Träume zu verwirklichen – wenn auch vorerst mit kleinem Budget. Der 26-Jährige wohnt noch bei seinen Eltern in Zofingen und nimmt seine Songs zuhause auf, mal im Keller, mal in seinem Kinderzimmer.
Seine Musikvideos plant, filmt und schneidet der kreative Alleskönner selbst. Als Filmstudent weiss er genau, wie er seine Songs am besten visuell in Szene setzen kann. So wirkt das Video zu «You And I», als ob es in einem professionellen Studio gefilmt worden wäre – dabei hat Eon Awa es in seinem Zimmer aufgenommen.
Von der Orchesterbühne Richtung ESC
Der Ehrgeiz des Zofingers wird belohnt: 2021 gewann er den Nachwuchswettbewerb «bandXnordwest». Zu seinen bisherigen Highlights zählen auch zwei Auftritte mit dem Aargauer Orchester Argovia Philharmonic.
Gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden etwas Grösseres entstehen zu lassen, reizt ihn besonders. «Es ist viel schöner, alles zu teilen», betont er. Eine Welttournee mit Orchester gehört zu seinen grössten Träumen.
Vorerst steht allerdings ein anderes Ziel im Zentrum: Eon Awa möchte die Schweiz am Eurovision Song Contest vertreten. Zusammen mit Ben hat er zwei Songs geschrieben, mit denen sie sich für die Teilnahme am ESC 2027 bewerben werden.
Drama mit Haltung
Seine neue EP «DRAMA» zeigt, warum seine Musik gut auf die ESC-Bühne passen würde. Ob orchestrale Powerballaden oder leichtere, Pop-Punk-angehauchte Stücke: Eon Awas Songs klingen spektakulär und mitreissend – nicht zuletzt dank seiner eindringlichen Stimme.
Hinter den grossen Melodien stehen oft ernste Themen. «Ich drücke gerne bittere Geschichten auf eine dramatische Weise aus», erklärt er.
So handelt etwa «Leave My Friends Alone» von übergriffigem Verhalten von Männern gegenüber Frauen. Er schrieb den Song, nachdem ihm mehrere Freundinnen innert kurzer Zeit von entsprechenden Erlebnissen erzählt hatten.
In «Burn It From Within» kritisiert er, wie Erwachsene diskriminierende Denkmuster in Form von Mikroaggressionen an Kinder weitergeben.
Privat sei er weniger dramatisch, sagt Eon Awa – oder zumindest «nicht so sehr, wie man vielleicht annehmen würde.» Aus der Ruhe bringen ihn höchstens Leute, die Diskussionen unterbrechen, und Haare, die einfach nicht sitzen wollen. Er lacht, rollt mit den Augen und sagt: «Ich fasse mir ständig in die Haare. Es nervt.»