Bis anhin konnten sich Reisende mehr oder weniger darauf verlassen: Falls das Aussendepartement (EDA) vor touristischen und anderen nicht dringenden Reisen in ein bestimmtes Land abrät, können sie kostenlos umbuchen oder stornieren.
Das wurde seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar von vielen Schweizer Reiseanbietern so gehandhabt – auch für reine Umsteigeverbindungen, etwa von Zürich via Dubai nach Australien oder Neuseeland. Das ändert sich nun.
Reise-Verband mit neuen Empfehlungen
Der Schweizer Reise-Verband SRV schreibt in einem Newsletter, dass der Luftraum im Vergleich zur Anfangsphase des Konflikts wieder geöffnet sei und die entsprechenden Flughäfen wieder regulär bedient würden. «Es besteht nach derzeitigem Kenntnisstand keine objektive Gefährdung.»
Der Schweizer Reise-Verband empfiehlt daher, insbesondere bei reinen Umsteigeverbindungen über Drehkreuze im Nahen Osten künftig nicht mehr generell kostenlose Umbuchungen oder Annullierungen anzubieten.
Deshalb – und weil Reisende bei reinen Umsteigeverbindungen nicht in das entsprechende Land einreisen – seien kostenlose Umbuchungen oder Annullierungen in solchen Fällen nicht mehr gerechtfertigt. Der SRV empfiehlt daher, «bei reinen Umsteigeverbindungen über Drehkreuze im Nahen Osten künftig nicht mehr generell kostenlose Umbuchungen oder Annullierungen anzubieten.»
Reise-Ombudsman ist einverstanden
Die Empfehlungen gehen für Walter Kunz, Ombudsman der Schweizer Reisebranche, in Ordnung: «Wenn sich eine Fluggesellschaft entscheidet, den Flugbetrieb wieder aufzunehmen, ist eine gewisse Sicherheit gewährleistet.» Zudem reise man beim reinen Umsteigen juristisch gesehen nicht in ein Land ein. Im Übrigen sei es bis anhin schon Kulanz gewesen, wenn Anbieter bei entsprechenden Reisehinweisen des EDA kostenlose Stornierungen und Umbuchungen ermöglicht hätten.
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Dass Reisende dennoch ein ungutes Gefühl haben können, wenn ihre Flugroute über Dubai oder Doha geht, sei zwar nachvollziehbar: Persönliches Empfinden könne man aber nicht ändern. In einem solchen Fall müsse man dann konsequent sein und allfällige Zusatzkosten für eine Umbuchung bzw. die Annullierungskosten selbst tragen.
Reto Ineichen, Dozent für Tourismusrecht an der Höheren Fachschule für Tourismus HFT in Luzern, empfiehlt Reisenden, schon beim Buchen auf das persönliche Empfinden zu achten und allenfalls andere Flugrouten zu wählen.
Offene Türen bei den Anbietern
Das Portal Travelnews hat bei mehreren grossen Schweizer Reiseanbietern nachgefragt, ob sie die neuen Kulanz-Empfehlungen des SRV anwenden werden. Zwar sind noch nicht überall definitive Entscheide gefallen, es dürfte aber eine Frage der Zeit sein, bis die Anbieter umschwenken. Die Empfehlungen stossen auf offene Türen in der Branche.
Dertour Suisse prüft demnach noch, wie die Empfehlungen umgesetzt werden sollen. Tui Suisse erklärte, den Empfehlungen ab sofort zu folgen. Auch Knecht Reisen bietet keine kostenlosen Umbuchungen oder Annullierungen mehr an bei Umsteigeverbindungen im Nahen Osten.