Neuere Autos haben häufig keine mechanische Handbremse mehr, sondern eine elektronische. Diese Technik ist seit vielen Jahren Standard – in unterschiedlichen Ausführungen: Der Schalter oder Druckknopf für die Handbremse befindet sich meist in der Mittelkonsole, es gibt aber auch Fahrzeuge, wo er links oder rechts vom Lenkrad eingelassen ist. «Was passiert eigentlich, wenn diese Bremse bei voller Fahrt gezogen wird?», möchte ein Autofahrer wissen.
Eine generelle Aussage ist nicht möglich.
Die Antwort darauf ist nicht so einfach: «Es existieren tatsächlich verschiedene Systeme, teilweise sogar innerhalb einer Marke, weshalb eine generelle Aussage nicht möglich ist», heisst es bei der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (ASA). Das bestätigt auch L-Drive, die Dachorganisation der Fahrlehrerschaft.
Anleitung anschauen – und im Zweifelsfall nachfragen
Auch die Amag-Gruppe, zu der die Marken Audi, Seat, Škoda und VW gehören, sagt beispielsweise, dass eine allgemeingültige Aussage über Modelle und Modelljahre nicht möglich sei. Grundsätzlich sei es bei den Fahrzeugen mit elektronischer Handbremse aber so: «Drückt man die P‑Taste während der Fahrt hinunter oder zieht sie hoch und hält sie in dieser Position fest, wird die Notbremsfunktion aktiviert. Dadurch wird eine geregelte und sichere Bremsung über alle vier Räder eingeleitet.»
Wie die Hand- beziehungsweise Feststellbremse beim eigenen Auto funktioniert, zeigt ein Blick auf die Betriebsanleitung. Die ASA empfiehlt bei Unsicherheit, «die Sachlage beim Markenhändler abzuklären». Das gilt insbesondere dann, wenn mit dem Auto auch Lern- oder Prüfungsfahrten gemacht werden. Das ist nämlich nicht mit allen Handbremssystemen erlaubt.
Vorsicht bei privaten Lernfahrten
Ein «Problem» von elektronischen Handbremsen: Sie können oft vom Gaspedal übersteuert werden. Solche Fahrzeuge sind für private Lernfahrten nicht zugelassen, wie das Bundesamt für Strassen (Astra) auf Anfrage mitteilt: Lernfahrten seien nur zulässig, wenn die Wirkung der elektronischen Handbremse «nicht durch einfaches Betätigen des Gaspedals aufgehoben werden» könne. Zudem müsse die Handbremse wirksam und dosierbar sein, also «nach dem Betätigen auch wieder lösbar».
Ganz grundsätzlich von Lernfahrten ausgeschlossen sind Fahrzeuge, bei denen der Bremsknopf auf der linken Seite des Fahrers platziert ist. Hier ist die Verkehrsregeln-Verordnung unmissverständlich: Bei Lernfahrten muss der Beifahrer die Handbremse «wenigstens [...] leicht erreichen können». Wer sein Auto also für private Lernfahrten verwenden will, sollte sich beim zuständigen Strassenverkehrsamt informieren.
Es drohen Bussen
Das Problem ist auch den Händlern und Herstellern bekannt. Der Autogewerbe-Verband Schweiz (AGVS) mahnte schon vor einigen Jahren in einem Beitrag zur Vorsicht im Umgang mit elektronischen Handbremsen. Führe man Lernfahrten mit nicht konformen Fahrzeugen durch, könne dies zu einer Verzeigung und einer Busse von mehreren hundert Franken führen.
Wie lange diese Vorschriften noch gelten, ist ungewiss: Im Rahmen einer Evaluation der Fahrausbildung prüft das zuständige Bundesamt für Strassen derzeit, ob Anpassungen nötig sind: «Dabei soll auch die Handbremsenregelung diskutiert werden», so das Astra. Die Ergebnisse der Evaluation sollen im Frühjahr 2026 publiziert werden.