Die 84-jährige Frau kann noch immer nicht fassen, dass ihr das passiert ist: Lieber denke sie nicht daran, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn sie an jenem Tag zu Hause gewesen wäre. Was ist passiert? Die Rentnerin ist am Einkaufen, als sie einen Anruf erhält. Am anderen Ende meldet sich eine Frau. Sie stellt sich als Mitarbeiterin der UBS vor: «Ich wurde mit äusserst netter Stimme gefragt, ob ich an einen Herrn Tobler 600 Franken überwiesen habe.»
Ich war hocherfreut und sagte: Vielen Dank!
Die Rentnerin kennt keinen Herrn Tobler und war entsprechend entsetzt. Die vermeintliche UBS-Mitarbeiterin kann sie aber beruhigen: Man habe genau das befürchtet – es sei auch von Konten anderer Kundinnen und Kunden Geld an diesen Herrn überwiesen worden. Es müsse sich um einen Betrugsversuch handeln. Die 600 Franken würden auf das Konto der Rentnerin zurückgebucht. «Ich war natürlich hocherfreut und sagte: Vielen Dank!», so die Kundin gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso».
Erst am Bankschalter fliegt der Betrugsversuch auf
Zu diesem Zeitpunkt ist die UBS-Kundin heilfroh, dass ihre Bank so aufmerksam ist. Wohl deshalb hegt sie keinen Verdacht, als die Mitarbeiterin anfügt, dass nun ihr Konto gefährdet sei und sie an ihrem Computer daheim einen «Security-Durchlauf» machen müsse. Die Rentnerin erwidert, sie sei in einer halben Stunde zu Hause. Die beiden Frauen vereinbaren, dass sie dann nochmals zusammen telefonieren.
Schweizerische Kriminalprävention
Und nun kommt das grosse Glück der UBS-Kundin: Ihr Heimweg führt sie nämlich an ihrer Bankfiliale vorbei. Sie beschliesst, dort kurz nachzufragen: «Und selbstverständlich war mein Konto absolut sauber.» Sie habe sich nur noch über sich selbst geärgert, dass sie die Geschichte geglaubt habe, «die mir die Dame in äusserst freundlichem und zuvorkommendem Ton erzählte».
Kein Grund, sich zu schämen
Tatsächlich ist es Betroffenen häufig unangenehm, dass sie die Schauermärchen der Betrüger geglaubt haben. Viele schämen sich. Dazu gibt es aber keinen Grund, wie Experte Dirk Baier gegenüber «Espresso» auch schon ausführte. Betrüger nutzten gezielt unsere Schwächen aus, es könne jeden erwischen.
Wichtig ist, dass Betroffene ihre Erfahrungen teilen und andere warnen. Und man sollte solche Fälle unbedingt auch dem Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) melden und anzeigen.