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Drei von sieben Schlauchschals filtern zu wenig
Aus Kassensturz vom 19.01.2021.
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Schutz vor Covid-19 Nur ein Schlauchschal im Test überzeugt voll

Im «Kassensturz»-Test schützen einige Schlauchschals trotz Versprechen ungenügend vor Corona-Viren.

Neckwarmer, Geschichtsmaske, Halsschlauch, Wintermaske: Beim Skifahren und anderen Outdoor-Aktivitäten im Winter bieten sich Schlauchschals als einfache Lösung gegen Corona-Infektionen an. Sie wärmen den Hals und decken erst noch den Mund ab. Einige Hersteller haben ihre Röhrenschals so konzipiert, dass sie zumindest im Bereich vor dem Mund eine besondere Filterwirkung erzielen.

Testtabelle

Testtabelle

Hier geht es zu den detaillierten Testresultaten.

Während klassische Schlauchschals je nach Material fast keine Aerosole filtern, versprechen die Hersteller Filtrationsleistungen von über 70 oder gar über 90 Prozent. Gemessen wird die Filtration meist bei der Aerosolgrösse von 1 Mikrometer (µm), und zwar deshalb, weil dieser Wert von der schweizerischen Covid-19-Task-Force für die Überprüfung der Filterwirkung als Partikelgrösse genannt wird.

Wichtige Anmerkung zu Filter Tube von Buff:

Im Test schneidet die Schlauchmaske Filter Tube von Buff dank ausgezeichneter Filterleistung mit Gesamturteil «gut» ab. Mehrere Zuschauerinnen und Zuschauer machen aber darauf aufmerksam, dass die Handhabung des Filters sehr schwierig ist und sich der Filter leicht verschiebt.

Viermal «sehr gute» Filterleistung, aber …

«Kassensturz» hat nach der Task-Force-Empfehlung testen lassen: Wie viele Aerosol-Partikel der Grösse von 1 µm filtern Schlauchschals, die mit der Filtration werben? Vier von insgesamt zehn Schals, davon sieben mit Filterversprechen, erreichen im Bereich vor dem Mund Werte über 95 Prozent – das ist top.

Doch nur Testsieger Unrepa Livipro ist tadellos, aber auch teuer (50 Franken). Die anderen drei haben den Nachteil, dass sie tiefe Filtrationsleistungen im Material neben dem Mundbereich haben. «P.A.C. Filter Mask Tube» zum Beispiel hat dort eine Filterwirkung von nur 4 Prozent – ist also praktisch inexistent. Bei zweien ist der Widerstand beim Atmen über dem geforderten Wert der Task-Force.

Trotz dieser Einschränkungen ist «Buff Filter Tube» immerhin noch «gut» (Preis: 26.60 Franken), der genannte Schlauch von P.A.C. und das Produkt «Petertools Go Snow» sind «genügend».

Antivirale Wirkung: Nutzen beschränkt

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Die vier besten Masken im Test versprechen zusätzlich zur hohen Filtrationseffizienz auch eine antivirale Wirkung: Viren auf der Maske sollen abgetötet werden. Das ist ein schönes Extra: Sind Viren auf den Schal gelangt, werden sie eliminiert. So verschleppt man das Virus nicht, wenn man den Schlauch anfasst.

Kaum schützen dürfte hingegen die antivirale Wirkung eines Schlauchs mit geringer Filterwirkung gegen die Verteilung von Coronaviren in einem Raum: Trägt ein Covid-19-Infizierter in der Gondel einen undichten Schlauchschal, so verteilen sich die Coronaviren ungehindert – antivirale Wirkung hin oder her. Aus diesem Grund hat «Kassensturz» diese Wirkung gar nicht gemessen.

Trotzdem hat «Kassensturz» drei Schals, die nur eine antivirale Wirkung versprechen, auf die Filtrationsleistung getestet, um herauszufinden, wie dicht sie sind. Resultat: Sie haben alle sehr tiefe Filtrationsleistungen.

Die Anbieter dieses Maskentyps im Test (Airwing, HAD, P.A.C.) kritisieren, «Kassensturz» hätte unbedingt auch die antivirale Wirkung testen müssen. HAD merkt zusätzlich an, sie hätten auch Schläuche mit Filterwirkung im Sortiment – die aber in der Schweiz schwer erhältlich seien.

Dreimal «ungenügende» Filterleistung

Drei Schlauchschals fallen deutlich durch: die «UYN-Community-Wintermaske», der Halsschlauch «Hä?» und die Wintermaske «Muntagnard». Sie erreichen bloss eine Filterleistung von 36 bis 44 Prozent. Sie haben dem «Kassensturz» Prüfberichte vorgelegt, gemäss denen sie 70 Prozent oder weit mehr erreichen. Die Hersteller beteuern glaubhaft, dass sie alles nach Vorgabe gemacht haben. Sie hätten sich darauf verlassen, dass ihre Schlauchmasken sehr gute Filtereigenschaften besässen.

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Dario Pirovino, Geschäftsführer von Muntagnard kann das Testergebnis nicht nachvollziehen.
Aus Kassensturz vom 19.01.2021.
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So wurde getestet

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Die Fachgruppe Aerosolmesstechnik der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) unter Professor Ernest Weingartner hat für «Kassensturz» insgesamt 13 Schlauchschals getestet: sieben versprechen eine hohe Filtrationsleistung, drei versprechen eine antivirale Wirkung, aber keine besondere Filtrationsleistung, nochmals drei versprechen keinen Schutz gegen Covid-19 (alle Resultate siehe Tabelle).

Getestet hat die Fachhochschule zwei Kriterien:

  • Wie gross ist der Anteil Aerosole, den ein Halsschlauch filtert? Gemessen wurde die Filtrationsleistung bei Partikelgrösse 1 µm mit einer Methode, wie sie in der Schweizer Norm pr30000:2020 festgeschrieben ist. Gemäss Swiss Covid-19 Task Force sollen Stoffmasken, sogenannte Community-Masken, eine Filtrationsleistung von mindestens 70 Prozent dieser Teilchengrösse erreichen.
  • Wie gut lässt sich mit dem Halsschlauch vor dem Mund atmen? Dieser Faktor mass die FHNW unter gleichen Bedingungen mit dem Druckabfall in Pascal (Pa). Je tiefer der Wert, desto weniger stört der Schlauch die Atmung. Die Task Force hat festgelegt, dass der Wert nicht höher als 294 Pa sein soll. Zu hohe Werte führten zu einer Abwertung.
  • Es hat sich herausgestellt, dass bei Schlauchmasken mit einem besonderen Filterbereich die Atemluft zu grossen Teilen neben dem Filter vorbeigeht. Deshalb hat das Labor auch das Material neben dem Filterbereich vermessen. Tiefe Filtrationsleistungen führten zu einer Abwertung.

«Kassensturz» hat in der Folge vom Labor der FHNW hat die «ungenügenden» Schläuche nochmals testen lassen. Allerdings erreichte keiner der drei Halsschlauch-Marken ein besseres Resultat. Wie es zu den abweichenden Messungen auf den Prüfzertifikaten gekommen ist, muss sich noch zeigen.

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Studiogespräch mit Ernest Weingartner, Professor für Mess- und Sensortechnik FHNW
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Kassensturz, 19.01.2021, 21:05 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Max Weiss  (Zitadelle)
    Trotz nutzloser Masken in Skigebieten, steigen die Zahlen nicht an. Humm
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  • Kommentar von Remo Rat  (Remo Rat)
    Kinder ab 8 jährig müssen nun die Masken in der Schule und im Sport tragen. Ich möchte wissen was für Stoffen (toxische (Fibrose), cancerogene, Allergien auslösende (Asthma), Nanopartikel in die Lungenbläschen geraten (insbesondere beim Sport treiben). Zudem möchte ich wissen wie gut der Nutzen noch ist bei mehrstündigem Tragen und bei forcierter Atmung. Der Kassensturz sollte das unbedingt testen lassen.
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  • Kommentar von Heinrich Müller  (Denesinteressiert)
    Vorbildlich ist es ohnehin, durch die Nase einzuatmen und durch den Mund aus, dann erübrigt sich die Nasenbedeckung gänzlich. Ich bin noch dabei, dass Patent auf diese "Technik" anzumelden, mal sehen wie weit ich komme;)
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