Wer Christian Dubé beim Spiel am Dienstag in Lugano an der Bande beobachtet, sieht, wie er seine Spieler anfeuert und dirigiert, auf der Taktiktafel akribisch die nächsten Spielzüge aufzeichnet und seinen Spielern geduldig Anweisungen gibt. Nach einem Einsatz klopft er ihnen motivierend auf den Helm oder die Schulter.
Wer das sieht, der kann nur zum Schluss kommen, dass Dubé mit grosser Leidenschaft Eishockeytrainer ist. Doch es ist noch gar nicht lange her, da war der 48-Jährige regelrecht angeekelt von seinem Sport, in den er sich einst in der kanadischen Provinz Québec verliebt hatte.
Ich musste erst herausfinden, wo ich bin und wo ich als Mensch sein will.
Es war der Moment, als er Fribourg-Gottéron verlassen muss. Den Klub, von dem er über 14 Jahre lang ein Teil gewesen ist, erst als Spieler, dann als Sportchef und Trainer. Es ist eine Entlassung, die Dubé hart trifft. Schliesslich hatte er mit Gottéron mehrmals die Playoff-Halbfinals erreicht und die Qualifikation zuletzt auf Rang 2 abgeschlossen.
Nicht mal für die Söhne ins Stadion
«Das erste Jahr ohne Job war sehr hart für mich», sagt Dubé im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er erzählt, wie er sich zurückgezogen und die meiste Zeit zuhause verbracht habe. Nicht einmal für die Spiele seiner beiden Söhne Sky und Liam, die beide im Nachwuchs von Gottéron engagiert sind, pilgert er in die Fribourger Patinoire.
In gewisser Weise, sagt Dubé, habe er nach dem Ende in Freiburg so etwas wie Liebeskummer gespürt. Schliesslich hatte eine langjährige Beziehung für ihn abrupt und unerwartet geendet. «Ich musste erst herausfinden, wo ich bin und wo ich als Mensch sein will», sagt er.
Wir sehen Hockey ähnlich, und wir sind beide emotional und eher dickköpfig.
Als Dubé dann im vergangenen August seine Söhne, die mittlerweile bei Davos Unterschlupf gefunden hatten, ins Bündnerland an ein Spiel begleitet, spürt er, dass er wieder bereit ist. Dass er gerne wieder mit einer Mannschaft arbeiten würde.
Ein alter Bekannter ruft an
Im Herbst hat er dann zwar mit einigen Teams losen Kontakt, ein Engagement ergibt sich daraus aber nicht. Erst als mit Martin Steinegger im Januar ein alter Bekannter auf der anderen Seite der Leitung ist, ändert sich die Situation schnell.
Steinegger ist der Sportchef des EHC Biel, und als er einen Nachfolger für den Schweden Martin Filander sucht, denkt er bald einmal an seinen alten Weggefährten. Beim SC Bern feierten die beiden zusammen zwei Meistertitel. Und auch als Dubé bei Gottéron die Rolle des Sportchefs innehatte, tauschten sie sich regelmässig aus.
«Er vertraut mir, und er weiss, wie ich funktioniere», sagt Dubé. «Wir sehen Hockey ähnlich, und wir sind beide emotional und eher dickköpfig», lacht Dubé. Es ist offensichtlich, dass er es geniesst, zurück im Hockeygeschäft zu sein.
Delikate Aufgabe in Biel
Obwohl die Aufgabe, die er in Biel vorfindet, nicht die einfachste ist. Dubé soll die Seeländer in den letzten 5 Runden der Qualifikation der National League auf die Play-In-Plätze führen. Wobei: Der Kanadier ist auf bestem Weg dazu, diese Mission zu erfüllen.
10 Zähler hat der EHCB in den 6 Spielen unter Dubé gesammelt und mit einer Ausnahme in jeder Partie gepunktet. Nach dem 4:3-Erfolg n.P. am Dienstag in Lugano beträgt der Rückstand auf die Kantonsrivalen Bern (9.) und Langnau (10.) noch 4 respektive 3 Punkte.