Julien Sprunger war in seinem Heimstadion schon oft gefeiert worden, doch so inbrünstig wie am Dienstagabend ist das traditionelle Bauernlied «Lyoba» wohl noch nie durch die BCF Arena geschmettert worden. Der 40-jährige Captain stand nach dem erkämpften und erlittenen 2:1 nach Verlängerung gegen Davos noch einmal vor der Nordkurve und nahm die Ovationen der Fans entgegen.
Ob es mit dem ersten Meistertitel am Donnerstag klappt, ist offen, doch das allerletzte Heimspiel seiner Karriere hat er gewonnen. «Ich hätte mir das nicht besser erträumen können», sagte er im Anschluss gerührt.
414. Tor im 1185. Spiel
Dabei war es der Veteran, der sein Team auf Kurs gebracht hatte. In der 8. Minute erzielte er die wichtige Führung. In seinem 1185. Spiel in der National League schoss Sprunger sein 414. Tor (bei genau gleich vielen Assists). «Ich werde mich das ganze Leben lang an das Tor erinnern. Es war sehr wichtig für das Team», schwärmte Sprunger.
Daneben hatte er aber auch seine Verantwortung als Captain wahrgenommen. Bei einem Timeout im Mitteldrittel, als sein Team arg unter Druck war, ergriff Sprunger energisch das Wort. «Das predigt der Coach (Roger Rönnberg) seit dem Beginn der Saison, dass wir Verantwortung übernehmen und uns auch selber coachen sollen», verriet das Freiburger Urgestein, das nie für einen anderen Klub spielte. «Deshalb stehen die erfahrenen Spieler in diesen wichtigen Momenten auf und ziehen die anderen mit.»
Nun wird Sprunger am Donnerstag ausgerechnet in Davos noch ein 1186. Mal auf dem Eis stehen. Da, wo er vor 23 Jahren in der damaligen NLA debütierte. Da war Simon Knak, der am Dienstagabend drei Minuten vor Schluss den einzigen Davoser Treffer erzielte und damit die Verlängerung erzwang, gerade mal ein Jahr alt.
Auch der letztjährige WM-Silbergewinner spielt am Donnerstag zum letzten Mal im Dress des HCD – zumindest auf absehbare Zeit. Knak wechselt zu den ZSC Lions, und er hätte im Gegensatz zu Sprunger gerne auf einen weiteren Einsatz verzichtet.
Davos in der Verlängerung nicht bereit
«Es war schmerzhaft», kommentierte der gebürtige Zürcher die Niederlage und suchte keine Ausflüchte. «Wir haben nach der Pause den Start in die Overtime verschlafen. Wir waren nicht bereit.» Von zu grosser Nervosität wollte der Flügelstürmer mit der unbändigen Energie nichts wissen. «Ich glaube nicht, die war auf ihrer Seite sicher grösser», war er überzeugt. «Wir konnten um den Meistertitel spielen, sie gegen das Verlieren. Das hätten wir ausnutzen müssen, das ist schade.»
Aber wie heisst es so schön in den Playoffs: Es braucht ein kurzes Gedächtnis, was eben war, ist bereits abgehakt. Am Donnerstag beginnt in der «Belle» und Spiel 7 noch einmal alles bei Null, Meister werden kann nur einer. Ein Gewinner steht ohnehin schon fest: die Schweizer Hockeyfans. Zum 4. Mal in den letzten 5 Jahren kommen sie in den Genuss einer Finalissima.