Servettes Sportchef Marc Gautschi hat nach dem Ausscheiden gegen Fribourg-Gottéron gemischte Gefühle. Er sieht das Team auf dem richtigen Weg, ärgert sich aber gleichzeitig über die Leistung im Playoff-Halbfinal. «Am Anfang der Saison hätten wir den Halbfinal genommen», sagt Gautschi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Die Liga ist so ausgeglichen, nur schon in die Top 6 zu kommen, ist extrem schwierig. Es gab wieder grosse Teams, die das nicht geschafft haben.»
Der 43-Jährige hängt allerdings ein Aber an: «Ich denke nicht, dass Freiburg exzellent war und etwas Spezielles gemacht hat.» Vielmehr habe Genf nur 20, 30 Minuten pro Partie sein bestes Eishockey gezeigt. «Sie waren schneller als wir, nutzten unsere Fehler aus und Reto Berra war unglaublich stark. Wir haben es nicht verdient, in den Final zu kommen», lautet das Fazit des Sportchefs.
Es ist einfacher für mich, einen NHL-Spieler zu verpflichten als einen Schweizer Nationalspieler aus der Deutschschweiz.
Zu wenig ausgeglichen
Ein Faktor dafür, dass die Mannschaft nicht wie gewünscht auf Touren kam, war für Gautschi der Viertelfinal gegen Lausanne, in dem die Genfer im sechsten Spiel auswärts ein 0:3 drehten und eine siebte Partie erzwangen, die sie 5:1 gewannen. «Das war eine unglaubliche Serie fürs Schweizer Eishockey. Danach waren die Emotionen extrem hoch, uns fehlte die Energie.»
Zudem hängt bei Servette vieles von der finnischen Sturmlinie mit Jesse Puljujärvi, Markus Granlund und Sakari Manninen ab. Letztere beiden verzeichneten in den fünf Halbfinalspielen bloss je zwei Skorerpunkte. Zur fehlenden Ausgeglichenheit im Team sagt Gautschi: «Es ist einfacher für mich, einen NHL-Spieler zu verpflichten als einen Schweizer Nationalspieler aus der Deutschschweiz.»
Ausserdem war der von den SCL Tigers zurückgeholte Goalie Stéphane Charlin nicht der erhoffte Rückhalt. Im Halbfinal verzeichnete er lediglich eine Abwehrquote von 88,89 Prozent. Beim 2:6 am Sonntag setzte Trainer Ville Peltonen gar auf Robert Mayer, der alles andere als eine gute Figur machte. Auf die Torhüter angesprochen, sagt Gautschi: «Wir müssen defensiv sauberer agieren. Mit Verteidigern wie Karrer oder Le Coultre musst du hinten besser spielen. Das haben wir nicht gemacht.»
Generationenwechsel vorgesehen
Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Genfer in den vorangegangenen beiden Saisons die Playoffs verpasst haben. Es gelang also eine enorme Steigerung. «Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen, wollten zurück zu unserer DNA, ein schwereres Team mit etwas mehr Charakter sein. Wir rückten enger mit unseren Fans zusammen und sind auf dem richtigen Weg.»
Gemäss Eliteprospects stellte Servette mit einem Schnitt von 29,25 Jahren das älteste Team der Liga. Zwar stehen bisher erst ein Zuzug (Mika Henauer) und zwei Abgänge (Tim Berni, Eric Schneller) fest, «es haben aber schon Spieler unterschrieben, die wir ankündigen werden und die im besten Eishockeyalter sind. Auch gibt es viele Teams, die nicht zufrieden sind mit der Saison, es wird in den nächsten Tagen und Wochen einige Transfertelefonate geben.»