Seit dem fünften und bisher letzten WM-Titel 2002 musste das erfolgserfolgsverwöhnte Brasilien einige Enttäuschungen verkraften. Vier Mal bedeutete für den Rekordweltmeister der Viertelfinal Endstation, 2014 im eigenen Land wurde die «Seleçao» im Halbfinal von Deutschland mit 1:7 weggefegt – der berühmte «Mineiraço».
Grosser Name an Seitenlinie
Nun hat Brasilien einen neuen Weg eingeschlagen, um wieder grösstmöglichen Ruhm zu erlangen. Erstmals überhaupt in der WM-Geschichte sitzt bei Brasilien kein Brasilianer auf dem Trainerstuhl. Mit Carlo Ancelotti wurde Mitte 2025 der erfolgreichste Klub-Coach Europas installiert. Der Italiener hat nicht nur alle Meisterschaften in den europäischen Top-5-Ligen mindestens einmal gewonnen. Mit fünf Triumphen ist Ancelotti auch der erfolgreichste Trainer in der Historie der Champions League.
Wenn einer weiss, wie man Titel gewinnt, dann Ancelotti. Aber gilt das auch im Nationalmannschaftsfussball? Diesen Beweis muss der inzwischen 67-jährige Taktikfuchs noch erbringen. Brasilien ist Ancelottis erste Station als Cheftrainer eines Nationalteams.
Achtung, fertig, los
Im Unterschied zu anderen «grossen» Fussball-Nationen wie Spanien (Kap Verde), Deutschland (Curaçao) oder Portugal (DR Kongo) startet das WM-Turnier für Ancelottis Brasilien gleich mit einem echten Gradmesser. Mit Marokko wartet der Halbfinalist der WM 2022 auf den Rekordweltmeister. Marokko ist zudem offiziell amtierender Afrikameister, nachdem dem Senegal der Titel aberkannt wurde.
Gemessen an der Fifa-Weltrangliste ist Brasilien - Marokko das hochklassigste Duell der gesamten WM-Gruppenphase. Es ist das einzige aller 72 Vorrundenspiele, bei dem zwei Teams aus den Top 10 aufeinandertreffen. Brasilien belegt aktuell Rang 6 und ist damit unmittelbar vor Marokko (7) platziert.
Wie gut ist Brasilien als Team?
Geht man Spieler für Spieler und Position um Position durch, ist Brasilien stärker einzuschätzen als Marokko. In der Defensive weiss die «Seleçao» mit Gabriel Magalhaes (Arsenal) und Marquinhos (PSG) zwei diesjährige Champions-League-Finalisten in ihren Reihen. Und auch die Offensive um Vinicius Junior, Raphinha und Neymar, der zurzeit aber noch verletzt ist, bedarf keiner weiteren Vorstellung.
Die grosse Frage bei den Brasilianern wird sein, ob es Ancelotti gelingt, aus der zweifelsohne grossen individuellen Klasse eine homogene Einheit zu bilden. Gerade während seiner erfolgreichen Jahre als Coach bei Real Madrid war dies die ganz grosse Stärke Ancelottis.