Sie ist noch keine 20 Jahre alt und steht am Samstag dennoch schon zum zweiten Mal im Final der Champions League. Mit SRF Sport spricht Sydney Schertenleib vor dem Duell mit Lyon über Vorfreude, ihre Ersatzrolle und Träume.
SRF Sport: Sie haben mit Barcelona schon fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Sie sind spanischer Meister, Pokalsieger, Supercupsieger – es fehlt eigentlich nur noch der Champions-League-Titel …
Sydney Schertenleib: Ich bin sehr dankbar, für so einen tollen Verein zu spielen. Wir haben in Spanien alles gewonnen, was man gewinnen kann. Mit 19 erneut in einem Champions-League-Final zu stehen, ist nicht selbstverständlich. Ich hoffe, dass es dieses Jahr klappt.
Sie sind erst 19 Jahre jung. Fühlt es sich manchmal an wie in einem Traum?
Ja, definitiv. Am Anfang aber sicher noch mehr als jetzt, ich habe mich mittlerweile eingelebt. Ich fühle mich wohl mit den Leuten und auch der Sprache. Es wird für immer ein Traum bleiben, aber ich bin jetzt angekommen.
Was bedeutet es für Sie, fester Bestandteil beim aktuell wohl besten Klub Europas zu sein?
Es ist etwas sehr Besonderes, jeden Tag mit den besten Spielerinnen der Welt zu trainieren und mit ihnen zusammenspielen zu dürfen. Es hilft mir auch immer zu sehen, woran ich noch arbeiten muss, um ihr Level zu erreichen. Auch menschlich sind sie super und ich fühle mich sehr wohl.
In der Schweizer Nati sind Sie bereits Leistungsträgerin, Aushängeschild und Idol. Bedeutet das auch persönlichen Druck?
Druck gibt es immer, aber für mich ist es positiver Druck, der mir hilft, in jedem Spiel das Maximum zu erreichen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so jung ein Vorbild sein werde, aber das erfüllt mich mit Stolz.
Nach einer langen Saison gilt es, die Kräfte für das Spiel gegen Lyon noch einmal zu bündeln. Wie bereitet sich das Team auf den Final vor?
Wir bereiten uns gleich vor wie auf ein Liga- oder Cup-Spiel. Das macht uns – abgesehen vom Kader – so stark: Wir haben in jedem Spiel den Fokus und möchten jedes Spiel gewinnen. Auch wenn es in der Halbzeit 4:0 steht, möchten wir nach der Pause weitere Tore nachlegen.
Finalgegner Lyon ist Rekordsieger in der Champions League, der letzte Triumph liegt allerdings 4 Jahre zurück. Wie schätzen Sie die Französinnen ein?
Wir schätzen sie als sehr talentiert ein, sie sind technisch und physisch sehr stark. Ihr Trainer war vor zwei Jahren noch in Barcelona, das heisst er kennt unsere Philosophie und unsere Stärken und Schwächen.
Es ist ja schon ein besonderes Spiel. Wie gross ist die Vorfreude?
Die ist riesig, ein Final ist immer etwas Besonderes. Vor allem wenn der Gegner Lyon heisst, der mal fünfmal in Folge die Champions League gewonnen hat.
In der Meisterschaft kommen Sie regelmässig zu vielen Einsatzminuten, in der Champions League eher weniger. Wie gehen Sie damit um?
Ich wünsche mir natürlich mehr Einsatzminuten auch in grossen Spielen, aber ich kenne meinen Platz im Team. Ich bin froh, dass ich überhaupt hier sein kann und hoffe, dass es in 1-2 Jahren anders aussieht.
Was stimmt Sie zuversichtlich, dass Sie im Final zum Einsatz kommen werden?
Im Fussball kann alles passieren. Ich werde bereit sein und meinen Beitrag leisten, wenn ich zum Einsatz komme.
Wie würden Sie einen Triumph in der Champions League einordnen? Auch im Vergleich mit Erfolgen mit der Nati?
In den Top 2 sicher. Die Champions League ist das Grösste, was man mit dem Klub gewinnen kann. Aber die Heim-EM war einmalig. Das wird in meinem Herzen immer einen Platz haben.
Die Konkurrenz in einem solchen Team ist selbstredend gross. Wie ist das Verhältnis untereinander?
Das ist super, das hätte ich vor meinem Wechsel nicht erwartet. Neben dem Platz haben wir es sehr gut miteinander und unternehmen auch andere Dinge. Das ist auch unser Erfolgsrezept.
Ihr Vertrag bei Barcelona läuft noch ein Jahr. Wissen Sie schon, wie Ihre Zukunft aussieht?
Noch nicht, nein. Ich bin jemand, der eher im Moment lebt. Momentan fokussiere ich mich auf das, was jetzt kommt. Ich fühle mich super wohl, aber möchte mich natürlich weiterentwickeln und strebe danach, auch in grösseren Spielen zum Einsatz zu kommen.
Das Gespräch führte Joel Stalder