Bekanntlich kann man fast jedem negativen Ereignis etwas Positives abgewinnen. Seit Dienstagabend ist klar, dass dies auch auf den Abstieg des Schweizer Frauen-Nationalteams aus der Liga A der Nations League im vergangenen Sommer zutrifft.
Die Abstufung hatte zur Folge, dass die Schweiz in der Gruppenphase der WM-Qualifikation statt in der A-Liga mit den europäischen Topteams in der zweitklassigen B-Liga mit deutlich schwächeren Equipen konkurriert. Nordirland als nominell stärkster Quali-Gegner der Nati hatte der Schweiz am Dienstag in Lausanne nichts entgegenzusetzen. Und dies, obschon die SFV-Auswahl selbst nicht vollends überzeugen konnte.
Training unter Wettkampf-Charakter
Auch die weiteren Gruppengegner Malta und die Türkei dürften im Vergleich mit der Schweiz klar inferior sein. Die Nati kann sich im Kampf um Platz 1 in der Gruppe eigentlich nur selbst schlagen.
Um auf das Positive des Nations-League-Abstiegs zurückzukommen: Die Schweizerinnen haben nun bis zu den Playoffs noch fünf weitere Pflichtspiele Zeit, um sich an die neue Spielweise von Trainer Rafel Navarro zu gewöhnen, ohne dass sie von der Gegenseite übermässig gefordert werden.
Überspitzt formuliert könnte man es auch als eine Art Training unter Wettkampf-Charakter bezeichnen. In einer Quali-Gruppe der Liga A mit Gegnerinnen wie Spanien, England oder Frankreich wäre eine solche «Lernwerkstatt» kaum möglich gewesen. Anstatt sich voll auf das eigene Spiel fokussieren zu können, hätte die Nati ein grösseres Augenmerk auf die Stärken der nominell überlegenen Gegnerinnen legen müssen, um bestehen zu können.
Neue Methoden erfordern Zeit
Lia Wälti sprach nach dem 2:0-Erfolg gegen die Nordirinnen von einem Prozess, der Zeit brauche. «Es war ein guter Start, aber es muss natürlich mehr gehen», so das Fazit der Kapitänin. Wälti liess zudem durchblicken, dass unter Navarro im Vergleich mit seiner Vorgängerin Pia Sundhage kein Stein auf dem anderen geblieben sei. «Es sind komplett andere Trainingsformen und ein komplett anderer Spielstil», meinte die Mittelfeldstrategin.
Der Trainer selbst zeigte sich über den Auftaktsieg in erster Linie erfreut, schliesslich war es im dritten Spiel Navarros erster Erfolg als Nati-Coach. Auch der Katalane machte aber keinen Hehl daraus, dass noch viel Arbeit vor dem Team liegt: «Wir sind noch weit weg von unserem Premium-Level», sagte Navarro.
Bereits am Samstag bietet sich der Nati die nächste Chance, in der «Lernwerkstatt» WM-Quali-Gruppenphase einen nächsten Schritt nach vorne zu machen. In Ta'Qali trifft die Schweiz auf Malta.