Das Schweizer Frauen-Nationalteam hat sich am Mittwoch in Lausanne eingefunden. Es ist der erste Zusammenzug in diesem Jahr. Letztmals haben sich die Spielerinnen Ende November gesehen, als es bei der Feuertaufe des neuen Trainers Rafel Navarro in den Testspielen gegen Belgien und Wales zwei Niederlagen gab.
Diesmal stehen keine Testspiele auf dem Programm. Der erste Zusammenzug des Jahres bildet gleichzeitig den Startschuss in die WM-Qualifikation. Bevor die Schweizerinnen die Kampagne für die Endrunde 2027 in Brasilien lancieren, haben wir bei SRF-Expertin Rachel Rinast den Puls gefühlt.
Das Aufgebot für die beiden Spiele gegen Nordirland (3. März) und Malta (7. März) fällt in den Augen der ehemaligen Schweizer Nationalspielerin erwartungsgemäss aus:
- Rinast: «Generell enthält das Kader keine überraschenden Personalien. Ich habe damit gerechnet, dass Seraina Piubel wieder dazukommen wird. Mit Lia Kamber gibt es eine junge Spielerin, die jetzt in der Bundesliga bei Union spielt, die man sich sicher wieder neu anschauen möchte. Es ist ganz normal, dass es im Kader manchmal gewisse Rotationen gibt, vor allem wenn ein Trainer neu ist. Da muss man schauen, dass man allen Spielerinnen eine Chance gibt.»
Offene Goaliefrage und fehlende Spielpraxis
Navarro dürfte entgegenkommen, dass er diesmal etwas mehr Zeit mit seinen Spielerinnen hat. In den Trainingseinheiten, die bis zum Nordirland-Spiel auf dem Programm stehen, wird der Spanier wohl auch ein besonderes Augenmerk auf die Torhüter-Position richten. Noch ist im Schweizer Tor keine Nummer 1 definiert:
- Rinast: «Die Goaliefrage war unter Pia Sundhage ein ziemlich unglückliches Thema. Wenn man sich zuerst klar zu einer Nummer 1 bekennt und sagt, Elvira Herzog ist die Nummer 1, und sich danach wieder umentscheidet, wirft das kein gutes Licht auf die Entscheidungsfindung. Aber ich finde es fair, dass man das Ganze jetzt wieder öffnet. Mit Herzog, Livia Peng und Irina Fuchs, die sich bei Köln in dieser Saison richtig, richtig gut präsentiert, haben wir eine grossartige Goalie-Auswahl.»
Nicht nur ganz hinten sind die Schweizerinnen stark aufgestellt, sondern auch ganz vorne. Gerade die beiden jungen Hoffnungsträgerinnen Sydney Schertenleib (Barcelona) und Iman Beney (Manchester City) bekommen bei ihren Klubs aber nicht allzu viel Spielzeit:
- Rinast: «Es sind beides Klubs, die stark darauf achten, dass sich ihre Spielerinnen entwickeln, ob sie nun Spielzeit bekommen oder nicht. Und ich bin auch der festen Überzeugung, dass schon allein die Trainingseinheiten bei diesen Klubs junge Spielerinnen so weit bringen, dass es im Grunde dann nicht so wichtig ist, dass man viel Spielzeit hat. Ich weiss, dass das immer ein grosses Thema ist. Aber ich denke schon, dass man da schauen muss, von welchem Klub man spricht. Mit Beney und Schertenleib haben wir zwei Spielerinnen, die zu den besten jungen Talenten der Welt gehören. Da muss man dieses Thema nicht unbedingt aufmachen.»
Tückische WM-Qualifikation
Nach ihrem Abstieg aus der A-Liga in der Nations League spielt die Schweiz in der WM-Quali «nur» in der Liga B, wo sie zwar zu den Topteams gehört, sich aber nicht auf direktem Weg für die Endrunde qualifizieren kann.
Der Weg an das Turnier in Brasilien wird für die Schweizerinnen steinig. Wenn sie ihre Gruppe mit den Gegnerinnen aus Nordirland, der Türkei und Malta mindestens auf dem 3. Rang beenden, müssen noch zwei Playoff-Runden mit jeweils Hin- und Rückspiel überstanden werden.
- Rinast: «Die Chancen der Schweizerinnen sind eine kleine Überraschungstüte. Man hat an der EM gesehen, wozu die Schweizerinnen fähig sind und wie eine gewisse Dynamik einen Einfluss auf die Leistung haben kann. Ich bin der Meinung, dass die Qualität ausreicht, um sich zu qualifizieren. Aber natürlich ist der Weg nicht der einfachste. Man kann immer irgendwie mal stolpern, auch wenn man nominell das bessere Team hat.»
In Lausanne erstmals mit dabei ist Julia Simic, die neue Assistenztrainerin der Frauen-Nati. Rinast ist überzeugt, dass diese mit ihrem Wesen noch einmal eine andere Stimmung reinbringt.