«Ein Erdbeben», «eine Bombe» – oder das Ende «eines Albtraums»: Der tiefe Fall von Xabi Alonso bei Real Madrid hat für eine Erschütterung im europäischen Fussball gesorgt. Nur 226 Tage dauerte die Amtszeit des Basken, der den Job im Sommer mit hohen Erwartungen angetreten hatte. Die spanische Zeitung AS schrieb nun aber von einer «qualvollen Zeit für fast alle Beteiligten».
Alonso ist der erste Real-Trainer seit Manuel Pellegrini 2009/10, der länger als 30 Spiele im Amt war, aber keinen Titel mit den «Königlichen» holte. Und erstmals seit 2019 und Santiago Solari blieb ein Real-Trainer weniger als ein Jahr im Amt.
Mit Leverkusen noch Double-Gewinner
Der Abschied erfolgte laut einer Klubmitteilung in «gegenseitigem Einvernehmen». Der Marca zufolge sei von der Klubführung vorgeschlagen worden, dass eine Trennung das Beste sei. Alonso habe die Situation daraufhin verstanden, hiess es.
Das Blatt warf dem 44-Jährigen vor, dass er sein «Rock'n'Roll»-Versprechen nicht eingehalten habe. Und: «Dem Team fehlte es fast immer an Elan und Energie.» In einem anderen Kommentar warf die Marca den Verantwortlichen jedoch vor, «eine goldene Chance» mit Alonso leichtfertig vergeben zu haben.
Tenor der internationalen Analysen war, dass Alonso es nicht gelungen sei, den Spielstil, mit dem er einst Bayer Leverkusen zum Double geführt hatte, in Madrid zu implementieren. Zudem wurde das angeblich angespannte Verhältnis zu Teilen seiner Mannschaft thematisiert.
Zukunft in Manchester oder Liverpool?
Auch Alonsos Zukunft rückte schnell in den Vordergrund. Sein Status als verfügbarer Coach falle «in eine Phase grosser Bewegung auf dem Trainermarkt», schrieb die britische Sun. Manchester United sei auf der Suche, auch Manchester City komme infrage, sollte Teammanager Pep Guardiola den Klub im Sommer verlassen.
«Die interessanteste Trainerstation könnte jedoch eine Rückkehr zu einem weiteren ehemaligen Klub nach Liverpool sein, was den Druck auf Arne Slot erhöhen würde», schrieb das Boulevardblatt.
Pressestimmen zum Aus von Alonso:
- AS: «Seit dem 1. November ist die Stimmung im Bernabéu gedrückt: nur sieben Siege in den letzten 14 Spielen. Eine Siegquote von 50 %, die dem Verein nicht würdig ist. Ein Zusammenbruch. Ein Notruf.»
- Marca: «Schon seit Wochen hegte der Vorstand Zweifel am Projekt. Man hatte das Gefühl, er habe noch nicht die richtige Formel gefunden, keinen Draht zur Mannschaft gefunden und das körperliche Training sei nicht effektiv gewesen. Viele glaubten, dass allein die Tatsache, vom FC Barcelona nicht ‹abgeschossen› worden zu sein, dem Trainer weitere Schonfrist verschaffe – doch bei Real Madrid gibt es keine ehrenvollen Niederlagen.»
- ABC: «Für Xabi Alonso ging es nach dem Streit mit Vinicius im Clásico nur bergab.»
- Sport: «Dass der Klub sich in entscheidenden Momenten auf die Seite der Spieler stellte, führte zu einem spürbaren Machtverlust des Trainers in der Kabine.»
- BBC: «Es war die Bestätigung dafür, dass Florentino Perez nie wirklich an seinen Trainer geglaubt hatte.»
- Gazzetta dello Sport: «Er wird durch seinen ehemaligen besten Freund Alvaro Arbeloa ersetzt, der bisher Castilla, die zweite Mannschaft von Real Madrid, trainierte. Eine sehr riskante Entscheidung, ganz im Stil von Florentino.»