Länderspiele bieten meist auch die Gelegenheit, sich neben dem Rasen auf Funktionärsebene auszutauschen. So auch dieser Tage vor dem Testspiel zwischen Norwegen und der Schweiz in Oslo.
Interessant ist der Austausch für Verbandspräsident Peter Knäbel insbesondere deshalb, weil Norwegens Fussball in den letzten Jahren einen wahren Steigerungslauf hingelegt hat. Nach dem Achtelfinal-Einzug an der WM 1998 erlebten die Skandinavier erfolglose Jahre.
Bodö brilliert
Nun, da die WM 2026 vor der Tür steht, gilt das Team von Stale Solbakken gar als Geheimfavorit. Und dies nicht ohne Grund, stehen im vollständigen Kader neben bekannten Namen wie Erling Haaland oder Martin Ödegaard auch Offensiv-Juwele wie Antonio Nusa, Oscar Bobb oder Andreas Schjelderup.
Der Aufschwung des norwegischen Fussballs – auf Klubebene durch den Champions-League-Achtelfinal-Einzug von Bodö/Glimt unterstrichen – ist für Knäbel deshalb von Interesse, weil er Wege aufzeigen kann, wie sich der SFV für die Zukunft wappnen könnte.
CL-Achtelfinal Bodö/Glimt vs. Sporting
Alarmzeichen sind da
Denn auch wenn die Nati seit bald 2 Jahrzehnten auf der Erfolgswelle reitet, ist klar, dass es wohl nicht immer so weitergehen wird. Schon jetzt sind Alarmzeichen da:
- In Super und Challenge League sinkt die Zahl der Einsatzminuten für junge Schweizer.
- Die Schweizer U-Nationalteams qualifizieren sich nicht mehr regelmässig für Grossanlässe.
- Junge Talente in der Nati sind rar: Das Durchschnittsalter der Startelf betrug beim Test gegen Deutschland 29,9 Jahre.
Knäbel blickt bewundernd in den Norden: «Norwegen ist eine Sportnation, man treibt sehr gerne und sehr vielfältigen Sport und hat eine ganz tolle Unterstützung für die Breite. Hier ist man sich bewusst, dass das Fundament extrem wichtig ist.»
Gerade die Vereinsunterstützung sei in Norwegen exemplarisch. Bewegt man sich in Oslo, sticht die Anzahl der Kunstrasenplätze ins Auge. Für Knäbel ist das Thema Infrastruktur in der Schweiz deshalb «ganz oben auf meiner Liste».
Mehr Chancen für Junge
Dass in Norwegens Eliteserien mehr Junge eingesetzt werden als in der Schweiz, ist auch Knäbel nicht entgangen. Er sagt dazu: «Die konsequente individuelle Spielerentwicklung führt dazu, dass in ihrer obersten Liga doppelt so viele Junge eingesetzt werden wie bei uns. Da sind wir schon einmal besser gewesen.»
Man müsse in der Schweiz wieder ein Bewusstsein dafür schaffen, «dass man in jungen Spielern etwas sieht und dass sie Fehler machen dürfen». Als gelungenes Beispiel dafür nennt Knäbel Basels Sturm-Juwel Giacomo Koloto, der zuletzt immer häufiger zum Zug kam.
Die 3 Profi-Tore von Giacomo Koloto für den FCB
Ohne Nati-Erfolg keine Ausland-Transfers
Damit auch in der Schweiz wieder mehr Junge eine Chance kriegen, habe man an der letzten ausserordentlichen Liga-GV ein Bonus-Malus-System eingeführt, bei dem positives Verhalten bei der Spielerentwicklung belohnt werde. Knäbel unterstreicht damit «die Konsequenz, die man heute mitbringen muss, damit auch wirklich etwas passiert. Denn die Schweizer A-Nationalmannschaft bei grossen Turnieren gibt es nur, wenn junge Spieler viel Spielzeit kriegen. Und ohne erfolgreiches Flaggschiff werden auch keine grossen Ausland-Transfers aus unserer Liga möglich sein.»
Soll der aktuelle Erfolg der Nati auch in Zukunft Bestand haben, muss jetzt an der Basis reagiert werden. Sonst droht der Schweiz dereinst eine Dürre, wie sie einst Norwegen durchleben musste. Und «eine solche Krise zu brauchen, um zu reagieren, wäre dumm», findet Knäbel.