Der FC St. Gallen feierte am Pfingstsonntag nach 26 langen Jahren wieder einmal einen Titel. Einen, den sich der FCSG durch die gute Arbeit in den letzten Jahren verdient hat. Darin sind sich die Medien einig. Doch bezüglich Zukunft gibt es unterschiedliche Ansichten. Eine Zeitung prophezeit Unruhen, eine andere spricht von einem möglichen Meistertitel.
St. Galler Tagblatt: «Ach herrje, dieser Druck! Die ganze Ostschweiz erwartet den «Chübel», weit über 20'000 Fans im Stadion, weitere viele Tausende in der St. Galler Innenstadt. Dabei steht ein Team auf der anderen Seite, das zwar unterklassig ist, aber eben schon drei Super-League-Klubs auf dem Weg in den Final ausgeschaltet hat. Kommt das gut?
Und so befindet sich der Cup-Sieger in einer paradoxen Situation: Er hat nach Jahren, in denen er für seine Ruhe bekannt war, den grössten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte gefeiert. Jetzt könnten unruhigere Zeiten anbrechen in St. Gallen.
Ja, es kommt gut. Sehr gut sogar! Der neue FC St. Gallen kann mit Druck umgehen. Um 16 Uhr am Sonntagnachmittag ist klar: Stade-Lausanne-Ouchy ist besiegt, gleich mit 3:0. Die Sandoz-Trophäe wandert erstmals in diesem Jahrtausend nach St. Gallen, 57 Jahre des Wartens sind vorbei. Und auf dem Feld brechen die Dämme, als Christian Witzig zum 3:0 trifft. Ein weiteres Mal, als Schiedsrichter Luca Cibelli abpfeift. Ein drittes Mal, als Captain Lukas Görtler den Pokal in die Höhe stemmt. Grünweisse Konfetti. Grünweisser Rauch. Grünweisser Rausch.»
NZZ: «Der erste Titelgewinn seit der Meisterschaft im Jahr 2000 krönt die Entwicklung, die der Klub in den vergangenen Jahren genommen hat. (...) Der Sonntag bringt die Erlösung – und danach Feierstimmung allenthalben. Doch es gibt in der ganzen St. Galler Herrlichkeit auch Misstöne, und sie kommen ausgerechnet von Matthias Hüppi, dem Präsidenten, der einst die grün-weisse Bewegung ausgerufen hatte. Und an diesem Tag den Höhepunkt seiner Ära erlebt.
Auf Nachfrage will Hüppi später nicht ausführen, worauf er sich bezieht. Doch der Hintergrund seiner Äusserungen dürfte eine Änderung im Verwaltungsrat sein, die im letzten Herbst vorgenommen wurde. Seither sitzt mit dem Immobilienunternehmer Patrick Thoma ein Vertreter der Aktionäre im Gremium, was Hüppi missfallen haben dürfte.
Und so befindet sich der Cup-Sieger in einer paradoxen Situation: Er hat nach Jahren, in denen er für seine Ruhe bekannt war, den grössten Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte gefeiert. Jetzt könnten unruhigere Zeiten anbrechen in St. Gallen.»
Tages-Anzeiger: «Rotsünder Watkowiak schaut sich das Ganze aus dem Spielertunnel an, die Hände vor dem Gesicht, je näher der Abpfiff rückt, desto weiter traut er sich nach vorne. Und dann sprintet er los, so schnell wie ein 2-Meter-Hüne mit über 100 Kilo eben sprinten kann, zu seinem Vertreter Zigi. Umarmung hier, Umarmung da. Die Fans feiern Watkowiak. St. Gallen hat den ersten Titel seit 26 Jahren. Eine Generation ist beflügelt, die Party ist lanciert.»
Blick: «Der FCSG ist unter Hüppi der Musterknabe der Liga, hat eine sagenhaft hohe Eigenkapitalquote. In erster Linie, weil man ein Wir-Gefühl geschaffen und eine ganze Region grün-weiss angemalt hat. Die Euphorie wird nach diesem Cupsieg noch steigen. Und weil die Mannschaft zusammenbleiben wird, spricht viel dafür, dass die Espen nicht mehr 26 weitere Jahre auf den nächsten Titel warten müssen. Sogar vom Meistertitel darf in der Ostschweiz geträumt werden.»