Das Abenteuer Super League ist für den FC Winterthur nach vier Jahren beendet. Die Eulachstädter stehen eine Runde vor Schluss als Absteiger fest. Der Gang in die Zweitklassigkeit ist die logische Folge einer desolaten Saison. Wieso gelang in diesem Jahr keine wundersame Rettung?
Um den Abstieg zu ergründen, greift ein Blick auf diese Saison allein zu kurz. Die Anfänge des Niedergangs finden sich nämlich schon am Ende der vorletzten Saison, als Winterthur sensationell die Championship Group erreicht und die internationalen Plätze nur knapp verpasst hatte.
Neben Erfolgstrainer Patrick Rahmen verliessen mit Sayfallah Ltaief, Adrian Gantenbein und Aldin Turkes auch drei der wichtigsten Skorer den Klub im Sommer 2024. Sportchef Oliver Kaiser musste auf einen Schlag 34 Skorerpunkte ersetzen – und das mit bescheidenen Mitteln. Eine Herkulesaufgabe, die nur bedingt gelang.
Forte führt FCW aus misslicher Lage
Die erste Saisonhälfte misslang dem FCW unter Neo-Trainer Ognjen Zaric gründlich. Zur Winterpause lag Winterthur am Ende der Tabelle, die sportliche Leitung sah sich zu einer Änderung an der Seitenlinie gezwungen und heuerte Uli Forte als Trainer an. Und tatsächlich: Der damals 50-Jährige führte die Eulachstädter aus einer schier aussichtslosen Position am allerletzten Spieltag zum Klassenerhalt.
Neun Runden vor Schluss hatte der Rückstand auf den sicheren 10. Rang satte zwölf Punkte betragen. Weil Winterthur im Saisonendspurt 20 von 27 möglichen Punkten einheimste, schob es sich noch an Yverdon und GC vorbei und durfte auch 2025/26 erstklassig spielen.
Kein erneutes Wunder
Bis zum 28. Spieltag hatte diese Saison einige Parallelen zur letzten. Wieder gelang der Start in die Saison nach namhaften Abgängen – Kreativkopf Matteo Di Giusto wechselte nach Luzern, Leader Fabian Frei beendete seine Karriere – nicht nach Wunsch. Wieder gab es auf der Schützenwiese einen Trainerwechsel. Rahmen folgte auf Forte.
Und wieder kam vom Schlusslicht in der entscheidenden Saisonphase ein Aufbäumen. Bis zum Direktduell mit den Grasshoppers am 33. Spieltag vermochte der FCW den Rückstand auf die Stadtzürcher von neun auf fünf Punkte zu verkürzen. Mit einem Winterthurer Sieg und nur zwei Punkten zwischen den beiden Klubs wäre es wohl noch einmal so richtig spannend geworden im Abstiegskampf.
Doch der Konjunktiv verrät's: Ein blasser FCW unterlag GC mit 0:2, der Rückstand wuchs fünf Runden vor Schluss auf acht Zähler an. Und doch war die Pleite noch nicht das Ende der Winterthurer Hoffnungen. Die Rahmen-Equipe raffte sich noch einmal auf und verkürzte den Rückstand vor dem Direktduell am vorletzten Spieltag auf vier Zähler.
Im Kantonsderby konnte Winterthur aber erneut nicht überzeugen. GC gewann mit 3:2 und schickte die Eulachstädter damit endgültig in die Challenge League. Auch wenn sich der FCW tapfer wehrte, ist er der richtige Absteiger. 97 Gegentore in einer Saison sind eines Super-Ligisten schlicht nicht würdig, so ehrlich muss man sein.
Herausforderungen stehen bevor
Der Gang in die Challenge League ist für Winterthur mit Herausforderungen verbunden, besonders bei der Kaderplanung. Nicht weniger als 13 Verträge laufen nach dieser Saison aus. Ob Spieler wie Alexandre Jankewitz, Loïc Lüthi, Nishan Burkart oder Stefanos Kapino auf der Schützenwiese bleiben, ist zudem fraglich. Ebenso fraglich könnte daher ein direkter Wiederaufstieg sein.