Einem Zeitreisenden mutet der neuste Beitrag des FC Thun auf den sozialen Medien kurios an. Die Berner Oberländer informieren darin, wie die Meisterfeierlichkeiten bei einem Triumph am Samstag oder Sonntag ablaufen werden. Notabene als Aufsteiger und vier Runden vor Saisonende.
Für zeitgenössische Beobachter ist der baldige Meistertitel der Thuner keine Überraschung mehr. Die letzten Monate blieb genug Zeit, sich mit dem surrealen Szenario anzufreunden. Das trifft auch auf die Protagonisten im Berner Oberland zu. «Wir reden alle schon davon, seit Wochen und Monaten und freuen uns darauf, dass es endlich soweit ist», blickt Präsident Andres Gerber auf die mögliche Meistersause voraus.
Von Aberglauben keine Spur
Gerber, Gesicht des FC Thun, hatte das Meisterwort schon in den Mund genommen, als der Aufsteiger im Herbst sensationell die Tabelle anführte. Von Aberglauben ist bei ihm auch wenige Stunden vor dem möglichen Titel keine Spur zu finden: «Klar sind wir vorbereitet, wir dürfen ja sehr optimistisch sein.» Allfällige Meistertrikots liegen in der Stockhorn Arena demnach bereit. «Es kann am Samstag sein, aber auch am Sonntag ist es sehr realistisch.»
Mit einem Heimsieg gegen Lugano am Samstag ist der Titel auch rechnerisch perfekt und den Thuner Feierlichkeiten keine Grenzen gesetzt. Alternativ könnte der Triumph auch am Sonntag auf dem Sofa perfekt werden.
Die Mannschaft «brennt»
Schenkt man den Worten von Trainer Mauro Lustrinelli Glauben, dürfte es aber bereits am Samstag soweit sein und als Luganese muss man sich auf etwas gefasst machen. «Die Mannschaft ist heiss ‹wi ne Moore›, aber nicht übermotiviert. Sie sind gut geladen.» Das Feuer sei noch grösser als sonst und sein Team sehr glücklich, sich diese Ausgangslage erarbeitet zu haben.
Dass der Tessiner Lustrinelli seinen grössten Erfolg als Trainer ausgerechnet gegen ein Tessiner Team feiern könnte, macht es für den 50-Jährigen noch etwas spezieller. Doch auch wegen des Saisonverlaufs brennt Lustrinelli dem Spiel entgegen. «Lugano ist ein Team, das uns zweimal bezwingen konnte. Es ist schön, dass wir im richtigen Moment die Revanche erhalten.»
Lugano sei wie auch YB oder Basel ein Team, das mit ganz anderen Ambitionen in die Meisterschaft gestartet ist. «Dass wir gegen diese Teams Meister werden können, ist ‹einfach geil›.»