Am Samstag lieferte die Schützenwiese wieder nicht. Während das Winterthurer Stadion bereits vor gut einem Monat für die Partie FCW – FCSG aufgrund von gefrorenen Stellen auf dem Rasen nicht bereit gewesen war, streikten am vergangenen Wochenende die beiden Sechzehner und waren nicht bespielbar: So konnte der Leader aus Thun nicht anreisen, das Spiel musste auf den Mittwoch verschoben werden.
Trotz neuem Datum bleiben die Vorzeichen dieselben: Im Duell Leader gegen Letzter hat Thun augenscheinlich alle Trümpfe in der Hand. Die formstarken Berner Oberländer stehen in der Super League mittlerweile bei 8 Siegen am Stück, in 6 der letzten 8 Partien erzielten sie mindestens 3 Tore.
Auch die Direktbegegnungen sprechen nicht für Winterthur: In dieser Saison gewann Thun 3:0 daheim im Oktober und 4:1 auswärts im Dezember auf der (damals bespielbaren) Schützenwiese. Den letzten Liga-Sieg gegen die Thuner feierte Winterthur im Februar vor vier Jahren auswärts mit 4:2.
Bei YB als Bankdrücker «keine Argumente»
Einer der Eckpfeiler im rundum funktionierenden Thuner System ist Marco Bürki. Der Captain dirigiert die aktuell beste Defensive der Liga (an Gegentoren gemessen) als Stammspieler. Dass der 32-Jährige im Herbst seiner Karriere in solch einer Position nochmals aufblüht, kommt überraschend.
«Es war eine lange Leidenszeit», blickt Bürki im SRF-Interview speziell auf seine Zeit bei den Young Boys zurück. Von 2012 bis 2018 stand er bei den Bernern im Fanionteam unter Vertrag, verpasste aber einen Grossteil davon verletzungsbedingt. Und just als er wieder fit wurde, startete YB seine beeindruckende Meisterserie (ab der Saison 2017/18). Da lief beim damaligen Liga-Krösus alles «und ich hatte von der Bank aus wenige Argumente», so Bürki.
«Rückschritt» zum FC Thun
Nach zwei guten Jahren in Thun und einem Abstecher nach Belgien kehrte der gebürtige Berner 2021 zum FCT zurück – und spielte zum ersten Mal nicht im Oberhaus. «Ich hatte erst Mühe gehabt, in die Challenge League zu wechseln. Ich hatte das Gefühl, dass das nicht mein Anspruch war, und habe es als Rückschritt angesehen.»
Auf die aktuelle Saison hin gelang der langersehnte Aufstieg in die Super League – und sogleich etablierte sich Thun als Meisterkandidat. Der Vorsprung auf das zweitplatzierte St. Gallen beträgt bei einem Spiel weniger 11 Punkte. «Die Kontinuität ist ein grosser Faktor», versucht der Captain den Höhenflug zu erklären. «Der Kern der Mannschaft ist schon länger zusammen.»
Am Mittwoch in Winterthur könnte sich der FCT gar noch weiter absetzen. Doch Bürki und Co. nehmen das Spiel nicht auf die leichte Schulter: «Wir müssen mit der richtigen Einstellung reingehen, denn sie kämpfen um den Ligaerhalt, ums Überleben.»