Nur schon am Gesichtsausdruck war bei YB-Stürmer Christian Fassnacht zu erkennen, wie er sich nach der 1:4-Klatsche im Kantonsderby gegen Thun fühlte. Im Interview mit SRF wurde er nach seiner Gemütslage gefragt. Fassnacht hielt kurz inne und meinte: «Meine Gemütslage? Also wenn ich das so sagen darf: beschissen!»
Wenn man so viele Gegentore bekommt, ist es klar, dass man immer als Verlierer vom Platz geht.
Seine deutliche Wortwahl ist nachzuvollziehen, vor allem, wenn man die letzten 4 Spiele der Berner in der Super League beleuchtet: 2:6 gegen GC, 0:3 gegen Lugano, 1:3 gegen Lausanne, 1:4 gegen Thun. Das macht 16 Gegentore in 4 Spielen. In 21 Partien hat YB 45 Treffer kassiert – zweitschlechtester Wert der Liga vor Winterthur (56).
«Verteidigen heisst nicht, dass es nur die Abwehr betrifft», versucht Fassnacht seine Hintermänner in Schutz zu nehmen. «Aber eine Meisterschaft gewinnt man nur, wenn man defensiv stabil steht. Und das fehlt uns im Moment. Wenn man so viele Gegentore bekommt, ist es klar, dass man immer als Verlierer vom Platz geht.»
Noch nie 4 Mal in Folge verloren
Und die Berner gehen derzeit sehr oft als Verlierer vom Platz. 4 Meisterschafts-Niederlagen in Folge haben die Young Boys seit Einführung der Super League (2003) sogar noch gar nie hinnehmen müssen.
Wir dürfen nicht nur mit dem Finger auf die Defensive zeigen, auch wenn es das wichtigste Argument ist.
Der Trainerwechsel von Giorgio Contini zu Gerardo Seoane hat noch nicht die gewünschte Wirkung erzielt. 5 Niederlagen in 10 Super-League-Partien gab es bereits unter dem dreifachen Meistertrainer. Wie will man sich aus diesem Negativ-Strudel befreien? «Mit harter Arbeit. Und der Bereitschaft, etwas zu lernen und etwas verändern zu wollen. Wir dürfen nicht nur mit dem Finger auf die Defensive zeigen, auch wenn es das wichtigste Argument ist», erklärte Seoane nach dem Spiel.
Nur noch die Nummer 2 im Kanton
YB steht also in vielen Bereichen viel Arbeit bevor. Auch wenn man den Meistertitel mit grösster Wahrscheinlichkeit verspielt hat, stehen wichtige Wochen bevor. Es geht um den Verbleib im europäischen Geschäft und nicht zuletzt auch darum, sich wieder für den Europacup in der kommenden Saison zu qualifizieren.
Dafür braucht es aber schleunigst den Turnaround. In der aktuellen Form besteht sogar die akute Gefahr, dass man Rang 6 und damit das Erreichen der Championship Group verpasst. Mit der Tatsache, dass man im Moment hinter dem «kleinen Bruder» Thun die Nummer 2 im Kanton ist, müssen die Hauptstädter ja schon seit längerer Zeit klarkommen.