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Hussein springt über eine Hürde, links von ihm ein russischer Konkurrent.
Legende: Sprint zu Gold Hussein liess im Letzigrund alle Konkurrenten hinter sich. Keystone
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Leichtathletik-EM Vom Mittelschulsportler zum fünften Schweizer Europameister

Erst vier Schweizer konnten sich vor Kariem Hussein als Europameister feiern lassen. Die Erfolgsgeschichte des 400-m-Hürdenlaufers ist märchenhaft – aber kein Zufall.

Begonnen hatte alles ganz harmlos: Hobby-Fussballer Kariem Hussein nahm 2009 an der Thurgauer Mittelschulmeisterschaft teil. Der 20-Jährige schaffte im Hochsprung 2,01 m - ohne speziell dafür trainiert zu haben. Vor Ort war auch ein gewisser Werner Dietrich. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

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Gold für Kariem Hussein
Aus sportlive vom 15.08.2014.
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Der Entdecker des Talents

Dietrich ist einer der aufmerksamsten Beobachter der Schweizer Leichtathletik-Szene. «Es gibt keinen anderen, der so regelmässig Talente herausbringt», erklärte der technische Direktor des Verbandes, Peter Schläpfer, gegenüber der NZZ. Unter anderem hatte Dietrich auch Kugelstösser Werner Günthör betreut, der 1986 EM-Gold holte. Und genau dahin sollte auch Husseins Weg führen.

Auf Anregung von Dietrich sattelte Hussein um, setzte neben seinem Medizinstudium auf die Leichtathletik und zeigte, mittlerweile von Flavio Zberg trainiert, über 400 m Hürden bald grosse Fortschritte. Fast märchenhaft mutet der vorläufige Höhepunkt der Geschichte an: Hussein lief an der Heim-EM im Letzigrund am Freitagabend sensationell zu Gold.

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Philipp Clercs Triumph 1969
Aus sportaktuell vom 02.08.2014.
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Die schnellen Medizinstudenten

Hussein ist erst der fünfte Schweizer Athlet, der sich in seiner Disziplin bester Mann Europas nennen darf. Vor ihm hatten Geher Fritz Schwab 1950, 200-m-Sprinter Philippe Clerc 1969, Günthör 1986 und Marathonläufer Viktor Röthlin 2010 triumphiert.

Besonders zu Titelgewinner Clerc gibt es einige Parallelen. Der Waadtländer war kein Athlet, welcher sein Leben zu 100 Prozent auf die Leichtathletik ausrichtete. «Sportliche Erfolge machen Freude, sind aber nicht wichtiger als ein gemütlicher Tag mit guten Freunden», erklärt der passionierte Hobby-Winzer seine unverkrampfte Einstellung zum Sport. Wie Kariem Hussein war Clerc bei seinem EM-Triumph Medizinstudent und mit 22 Jahren gar noch deren drei jünger als Hussein.

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Interview mit Kariem Hussein
Aus sportlive vom 16.08.2014.
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Zur Weltspitze fehlt eine knappe Sekunde

Auch Hussein wollte vom reinen Profisport nichts wissen. Die Leichtathletik hatte sich als ideales, individuell gestaltbares Training neben dem Medizinstudium angeboten. Entsprechend gespannt darf man darauf sein, wie Hussein seine mittelfristige Zukunft nach dem magischen Abend im Letzigrund plant.

Der Ostschweizer hat die besten Jahre noch vor sich. Um auch international an der Spitze mitlaufen zu können, fehlt aber noch eine knappe Sekunde. Über Talent und die notwendige mentale Stärke verfügt Hussein zweifellos. Ob ein Teilzeit-Pensum reicht, um die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, ist aber fraglich.

«Arzt werden kannst du noch lange. Profi-Leichtathlet zu sein, diese Möglichkeit bietet sich aber wohl nur einmal», ermunterte André Bucher, 800-m-Weltmeister von 2001, den frischgebackenen Europameister.

Sendebezug: SRF zwei, sportlive, 15.08.2014, 17:50 Uhr.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Schmider , Degersheim
    Ohne Bedauern, den Hussein gibt es nicht mehr. Die anderen mit gleichen Namen, bitte nicht damit in Verbindung bringen.
  • Kommentar von Jonas Lüscher , Kloten
    Hussein du häsch die goldmedaille verdient . Du häsch schwizer is dä sitz ghaue Bravo
  • Kommentar von Margrit Gerber , Interlaken
    Herzliche Gratulation, das ist ein richtiger Aufsteller. Aussergewöhnlich finde ich nicht nur die Leistung, sondern auch der Umstand, dass sein Familienname bis jetzt hier vor allem negativ besetzt war wegen Saddam Hussein. Jetzt zeigt sich die andere Seite der Medaille: goldig.
    1. Antwort von Ralf Wenaweser , Schaan
      Unglaublich. Solche vorurteilsüberladenen Kommentare zum Familiennamen sollten gar nicht veröffentlicht werden. Wohl noch nie über Interlaken hinausgekommen?!?
    2. Antwort von Fred Meier , Zürich
      Der Name zu erwähnen war ja wohl unnötig. Das tut nichts zu sache.
    3. Antwort von Margrit Gerber , Interlaken
      Ich habe ein Jahr in Asien, rund 10 Jahre in der Stadt Zürich und 15 J. in Bern gelebt und als Deutschlehrerin für Fremdsprache eine riesige Zahl an Ausländer kennengelernt. Es kann Jahre dauern, bis ein (Länder-)Name z.B., nicht mehr negativ besetzt ist, oder anders gesagt, die Vorurteile dank anderen Erfahrungen beiseitegelegt werden können.
    4. Antwort von Paul Studer , 5001 Aarau
      @RW: Wann ging es dem irakischen Volk wohl besser, unter Saddam Hussein oder heute? Es lohnt sich, darüber etwas nachzudenken oder sich im Internet sachkundig zu machen.
    5. Antwort von Peter Meier , Zürich
      Margrit Gerber: Ich finde es super, dass Sie in Ihrer Karriere viele Ausländer kennengelernt haben. In diesem Artikel geht es allerdings um einen Schweizer. Danke!