Unmittelbar nach dem Wettkampf ist bei Simon Ehammer noch nicht ganz angekommen, welche Heldentat er bei der Hallen-WM effektiv vollbracht hat. Er heimste im polnischen Torun den Titel im Siebenkampf ein – was ihm schon vor 2 Jahren geglückt war.
Allerdings ist er mit seinem Total von 6670 Punkten, einem Wert von 164 Zählern über seiner bisherigen Bestmarke bzw. dem alten Schweizer Rekord, nicht bloss die aktuelle globale Nummer 1. Stattdessen ist der Ostschweizer die absolute Nummer 1, stellte er doch Weltrekord auf.
Den Europarekord als Ziel ausgegeben
Irgendwie habe er dieses Ziel sehr wohl im Hinterkopf gehabt. «Ich hatte im engsten Kreis darüber gewitzelt. Eine gewisse Ernsthaftigkeit schwang aber mit.» Seine letzten Mehrkämpfe waren gut und solide gewesen. «Wir reden von einer Punktzahl, die machbar erschien, wenn man rechnet.»
Aber eben: Die Theorie sieht in der Regel anders aus als die Praxis. Zumal für eine solche Parforceleistung in einem siebenteiligen Wettkampf mehrfach alles bis ins letzte Detail zusammenpassen muss. Der 26-Jährige ging seine Punktejagd wie folgt an: «Es fehlten 52 Zähler von meinem Schweizer Rekord zum Europarekord, diesen rief ich als klares Ziel aus.»
Bis zur Marke Weltrekord fehlten dann aber doch nochmals 139 Punkte. Da müsse man schon voll fit sein, um diese Vorgabe auch noch zu knacken, dachte Ehammer. Nun, wo er einen neuen Benchmark gesetzt hat, findet er es «einfach nur genial».
Plötzlich setzte er sich unter Druck ...
Nach den 4 Disziplinen am Freitag konnte Ehammer schon einmal auf eine «gute Ausgangslage» bauen. Nach seinem Traumlauf über 60 m Hürden, dem wundervollen Einstieg in den 2. Tag, wusste der Athlet: «Jetzt muss ich es heimbringen. Denn, wenn ich das noch vergeben hätte, dann hätte ich nicht einmal den Sieg feiern können», sagt er zu seinen Ambitionen, die laufend gestiegen sind.
Weitere Stimmen
Beim Stabhochsprung, wo er mit 5,30 Metern erneut der Beste im Feld war, habe er zwar noch kurzzeitig gezittert. Doch letztlich liess sich der Appenzeller nicht mehr aufhalten.
Er rechnet mit einer kurzen Nacht
Ehammer sprach nach seiner Glanzleistung seinem gesamten Umfeld ein grosses Dankeschön aus. «Ich bin mir bewusst, dass gerade auch meine Frau viel zurückstecken muss.» Komme dazu, dass sich oft die komplette Aufmerksamkeit auf ihn lenke.
Nachdem Ehammer seine ersten Eindrücke geschildert hatte, ging es weiter mit der Siegerehrung und der Dopingprobe. Hinterher kündigte er an: «Mal schauen, zu wie viel Schlaf ich diese Nacht komme.»