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Die Schweizer Turnwelt und der lange Weg in die Moderne
Aus sportpanorama vom 08.11.2020.
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Unruhen in Magglingen Eine Turnwelt, die sich zwingend modernisieren muss

Die Schweizerische Turnwelt wurde in den letzten Wochen durch happige Vorwürfe erschüttert. Der Verband muss nun einen Weg in die Moderne finden.

Vor rund einer Woche sorgte ein Artikel im Magazin des TagesAnzeiger für Furore: Acht Ex-Athletinnen aus der Rhythmischen Gymnastik und dem Kunstturnen erhoben schwere Vorwürfe. Mit ihren Aussagen prangern die Turnerinnen die Trainingsmethoden und Umgangsformen im Nationalen Leistungszentrum Magglingen an.

Das macht natürlich Angst.
Autor: Joy Märki-Studerehemalige Kunstturnerin

Joy Märki-Studer hat mit dem Kunstturnen schon vor über 10 Jahren abgeschlossen, fühlt sich durch die jüngsten Enthüllungen aber nach Magglingen zurückversetzt: «Das macht natürlich Angst, wenn man etwas sagt oder gesagt hat und das Konsequenzen haben wird.»

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Märki-Studer: «Als 12-jähriges Mädchen will man seinem Traum nicht im Weg stehen»
Aus sportpanorama vom 08.11.2020.
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Vorwürfe kommen nicht überraschend

Neu sind fragwürdige Trainingsmethoden und Umgangsformen in Magglingen also nicht. Das zeigte auch das Beispiel aus der Rhythmischen Gymnastik im vergangenen Sommer, als die beiden Trainerinnen Iliana Dineva und Anelia Stantscheva nach physischen und verbalen Übergriffen entlassen wurden.

Wohl auch deshalb kamen die neusten Vorwürfe im Turnsport nicht überraschend. «Man kann es sich etwas vorstellen, weil Trainer sein ist nicht einfach. Aber ich war auch sehr schockiert», sagt Kunstturnerin Nadina Spiess, die punktuell in Magglingen trainiert.

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Spiess: «Ich war nicht überrascht»
Aus sportpanorama vom 08.11.2020.
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Wir möchten einen offenen Kulturwandel durchführen.
Autor: Erwin GrossenbacherZentralpräsident Schweizerischer Turnverband

Der Verband hat diese Woche mit einem offenen Brief an alle Turnerinnen und Turner reagiert und erste Massnahmen eingeleitet. So soll die neu geschaffene Ethikkommission als Anlauf- und Meldestelle für Athletinnen und Athleten dienen und garantieren, dass die Ethik-Richtlinien eingehalten werden. Zudem sollen die jüngsten Anschuldigungen gegen Fabien Martin, den Cheftrainer der Kunstturnerinnen, untersucht werden.

Am Anfang eines langen Weges

«Wir möchten einen offenen Kulturwandel durchführen», sagt Erwin Grossenbacher, Zentralpräsident des Schweizerischen Turnverbands. Als erster Schritt in diese Richtung darf die Trennung von Spitzensport-Chef Felix Stingelin angesehen werden.

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Grossenbacher: «Das wollen wir ändern»
Aus sportpanorama vom 08.11.2020.
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Gründe für diese Trennung nannte die Verbandsspitze keine. Es dürfte aber kein Zufall sein, dass sie in eine Zeit fällt, in der das Zerwürfnis von Athletinnen und Betreuern medial breitgeschlagen wurde und der Turnverband am Anfang eines langen Weges steht, die Turnwelt in die Moderne zu führen.

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SRF-Turnexperte Roman Schweizer über den Schweizer Turnsport
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SRF zwei, sportpanorama, 08.11.2020, 18:35 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Johan Tobel  (naturfründ)
    Nicht weit von Magglingen befindet sich das Tennisleistungszentrum von Swiss Tennis. Auch dort hatte es Konsequenzen, wenn sich ein Spieler oder Spielerin ehrlich oder kritisch äusserten. Das führte dazu, dass potentiellen Nachwuchstalenten Steine in den Weg gelegt wurden. Die Folge war, dass einige gegangen sind oder aus Angst geschwiegen haben.
  • Kommentar von Eugen Thomas Bühlmann  (E.T.)
    Diese alle Turnerinnen haben nach meiner Meinung auch Eltern. Wo waren sie und wo sind sie. Sie waren und sind in erster Linie für die Kinder verantwortlich. War die Karriere und der Erfolg für sie wichtiger als das Wohl ihrer Kinder?
    In meiner Generation war es selbstverständlich, dass man nur mit harter Arbeit und Härte hohe Ziele erreichen kann. Das hat sich geändert.
    Damit entschuldige ich nicht die Trainingsmethoden gewisser Trainer. Mensch bleibt Mensch.
    1. Antwort von Kevin Müller  (dezentral)
      "In meiner Generation war es selbstverständlich, dass man nur mit harter Arbeit und Härte hohe Ziele erreichen kann. Das hat sich geändert."

      Nein, das hat sich eben nicht geändert, es gibt heute nur bessere Methoden NEBEN der harten Arbeit und die Psyche hat zurecht mehr Gewicht, weil sie den grössten Teil des Erfolgs ausmacht. Genau da ist der Turnsport einfach der Entwicklung Jahre hinterher.
    2. Antwort von nathalie wernz  (Frau Wer)
      Wie sie hier den jungen SportlerInnen (oder gar allen 'Jungen'?) "Weichheit" unterstellen, empfinde ich als respektlos + ist auch ganz sicher nicht wahr!! Kein "hohes Ziel" legitimiert psychische + körperliche Misshandlung. Der Dok-Film „Olympiasieg“ – Hinter den Kulissen des Spitzensports, über eine Russische Gymnastin, (den damals auch SRF gezeigt hat) zeigt auf erschütternde Weise, welcher Art die Methoden 'ausarten' können ;(