Der Start in die Saison 2026 verlief für Marlen Reusser überhaupt nicht wie erhofft. Die 34-Jährige hat erst vier Renntage in den Beinen.
Schuld daran ist jener 6. Februar, den sie so schnell nicht vergessen wird. «Es passierte bei einer Sprintankunft an der UAE Tour, fünf Kilometer vor dem Ziel. Die Hektik war gross. Vor mir stürzten einige Fahrerinnen. Ich hatte keine Chance auszuweichen und flog mit einem Salto über andere hinweg», erzählt sie. Der schwere Sturz hinterliess deutliche Spuren: Ihr Helm war zersplittert, der Velorahmen doppelt gebrochen.
Die Ärzte dachten, ich hätte einen an der Waffel.
Doch Reusser blieb pragmatisch. «Mir tat alles weh, aber ich dachte: Ich überlebe das. Bei den Untersuchungen im Spital hatte ich dann grosse Freude», erzählt sie mit einem Schmunzeln. «Die Ärzte dachten, ich hätte einen an der Waffel. Aber ich war einfach glücklich, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Ich hatte bei dem Sturz wirklich viel Glück.»
Hält die Schulter dem Belastungstest stand?
Ganz ohne Folgen blieb der Abflug bei Tempo 60 jedoch nicht. Die Verletzungen an der linken Schulter und eine massive Rissquetschwunde am linken Knie hielten sie letztlich doch länger vom Renngeschehen fern als zunächst vermutet. Ein erster Comeback-Versuch Anfang März bei den Strade Bianche kam noch zu früh.
Nun, fast zwei Monate nach dem Unfall, fühlt sie sich bereit. Am Mittwoch will Reusser bei «Quer durch Flandern» ihre Form testen, bevor vier Tage später mit der Flandern-Rundfahrt ein grosser Klassiker ansteht.
Wegen der Zwangspause konnte Reusser nicht so spezifisch trainieren, wie es für die harten belgischen Eintagesrennen nötig gewesen wäre. Besonders die lädierte Schulter bereitet ihr noch Sorgen. Reusser ist unsicher, wie diese auf die brutale Belastung des Kopfsteinpflasters reagieren wird. Trotz allem zeigt sie sich verhalten optimistisch: «Ich bin nicht in Topform, aber solide unterwegs.»
Sparring mit den Männern
An ihrer Form will die Bernerin dann im Hinblick auf die einwöchige Vuelta im Mai weiter feilen. Sie reist für zwei Wochen ins Höhentrainingslager in die Sierra Nevada, um dort gemeinsam mit den Männern ihres Teams Movistar zu trainieren, die sich auf den Giro d’Italia vorbereiten. Dass Movistar als kombiniertes Team solche Synergien zwischen den Geschlechtern aktiv fördert, war ein wichtiger Grund für ihren Wechsel zum spanischen Rennstall.
Das alles dient einem grossen Ziel, das 2026 über allem thront: Die Tour de France Femmes im August, die in Lausanne startet.