Noch vor einem Jahr deutete vieles darauf hin, dass es Alinghi am America's Cup nicht mehr geben wird. Das Schweizer Segel-Syndikat hatte keine Einigung mit dem Team New Zealand gefunden. Die Tradition des prestigeträchtigen America's Cup sah lange vor, dass der Titelverteidiger die wichtigsten Regeln und den Austragungsort festlegen darf. Unter diesen Voraussetzungen war Alinghi nicht mehr bereit, weiterzumachen.
Weniger Macht für Titelverteidiger
Die Kehrtwende folgte jedoch etwas mehr als einen Monat später, nachdem neben Alinghi auch das britische Team seinen Rückzug angedeutet hatte. Nach intensiven Gesprächen mit dem Team New Zealand einigten sich der Titelverteidiger und seine Herausforderer (Grossbritannien, Schweiz, Italien, Frankreich und die USA) auf weitreichende Regelanpassungen, welche die Zukunft des America's Cup sicherstellen sollen. Dafür wurde die America's Cup Partnership (ACP) gegründet.
Im neuen Reglement festgehalten ist unter anderem, dass mindestens eine Frau Teil der Crew sein muss. Zudem sind ausländische Segler wieder erlaubt. Anders als bis anhin soll der America's Cup zudem im Zweijahres-Zyklus über die Bühne gehen.
Diese Vereinbarung führte dazu, dass sich Alinghi im Dezember 2025 doch für eine Teilnahme am kommenden America's Cup entschloss. Nicht mehr wie 2024 bei der letzten Austragung in Barcelona unter dem Namen Alinghi Red Bull Racing, sondern als Tudor Team Alinghi.
Mischung aus Erfahrung und Talent
Am Donnerstag stellte das Schweizer Syndikat in seiner Basis Barcelona sein voraussichtliches Team für den America's Cup 2027 in Neapel vor. Angeführt wird Alinghi durch Paul Goodison. Der 48-jährige Brite verfügt über einen grossen Erfahrungsschatz – und eine Olympia-Goldmedaille. 2008 in Peking triumphierte Goodison in der Laser-Klasse.
Unterstützt wird Goodison von Jason Waterhouse (AUS), Phil Robertson (NZL), Pietro Sibello (ITA) sowie Nicolas Rolaz und Nathalie Brugger aus der Schweiz. Hinter der Crew liegen erst wenige gemeinsame Trainingstage, Alinghi sieht sich selbst in der Aussenseiterrolle, hegt aber dennoch Ambitionen: «Obwohl wir eine neue Crew sind, bin ich sehr beeindruckt, wie schnell wir uns an Bord finden konnten. Wir freuen uns darauf, uns mit den anderen Teams zu messen», so Steuermann Goodison.
Erste Standortbestimmung steht bevor
Bereits Mitte Mai findet in Cagliari die erste Vorregatta statt. Dort dürfte sich ein erstes Mal zeigen, wo Alinghi im Vergleich zur Konkurrenz steht. Gesegelt wird dann allerdings in den Trainingsbooten der Klasse AC40, nicht wie am America's Cup selber, bei welchem die AC75 zum Zug kommt.
Richtig ernst gilt es für Alinghi im Sommer 2027, dann stehen in Neapel die Challenger Selection Series an. Dort kämpft das Schweizer Team gegen die weiteren Herausforderer um das Ticket für den America's-Cup-Showdown gegen Titelverteidiger Team New Zealand.