«Ich weiss langsam nicht mehr, was ich sagen soll.» So wie Franjo von Allmen kurz nach Rennende ergeht es aktuell wohl auch so manchem geneigten Ski-Beobachter. Es fehlen einem die Worte ob der Leistungen und vor allem Errungenschaften des 24-Jährigen. Zusammen mit dem Olympiasieg im Super-G vom Mittwoch hamsterte er in den letzten 5 Tagen 3 Goldmedaillen.
Am Abend nahm der Berner Oberländer zum wiederholten Mal im SRF-Studio Platz. Angesprochen auf die historische Leistung blieb von Allmen bescheiden: «Ich bin ganz ehrlich, wenn es mir heute nicht etwa zehn Mal gesagt worden wäre, hätte ich es wahrscheinlich nicht gewusst.»
Auch in seinen kühnsten Vorstellungen hat von Allmen wohl kaum an drei Goldmedaillen gedacht. Auf die Frage, ob er zumindest davon geträumt habe, meinte er mit einem Lachen: «Spinnen muss man ja auch beim Träumen nicht!»
Feiern ohne Limit
Dass er in künftigen Rennen nun ständig als Favorit gelten wird, nimmt er gelassen zu Kenntnis. Es sei der Lauf der Dinge, dass die Erwartungen steigen. Er werde trotzdem versuchen, sein Ding durchzuziehen. So richtig durchziehen darf er am Mittwochabend auch beim Feiern.
Nach dem Abfahrts-Triumph hatte er noch gesagt, dass er sich zurückhalten muss. Ganz gelungen sei ihm das nicht: «Wir wollten anstossen und es gemütlich nehmen. Aber leider bin ich eine viel zu labile Sau, wir waren trotzdem recht lange unterwegs.» In der Team-Kombi habe er den fehlenden Schlaf durchaus gespürt. Nach dem Ende seines Olympia-Programms muss er nun keine Rücksicht darauf nehmen.
Zunächst bescheiden
Von Allmens erste Analyse nach der Zieleinfahrt war ziemlich bescheiden ausgefallen: «Nach der Zieleinfahrt habe ich nicht geglaubt, dass es für eine Medaille reicht. Mit der frühen Startnummer hatte ich das Glück auf meiner Seite, weil die Piste vielleicht etwas langsamer geworden ist.»
Wenn ich nicht 100 Prozent liefere, liefert Tanguy (Nef). Es passt aktuell einfach alles perfekt zusammen.
Tatsächlich kam nach von Allmen (Startnummer 7) und spätestens nach Bronze-Gewinner Marco Odermatt (10) kein Athlet mehr tempomässig in ähnliche Gefilde wie der erste Schweizer Super-G-Olympiasieger. Auch Mitfavorit Vincent Kriechmayr (AUT) verlor trotz sauberer Fahrt fast 8 Zehntel.
Lorbeeren an Nef weitergereicht
Angesprochen auf seinen aktuellen «Flow» schmälert von Allmen auch seinen Anteil am Goldgewinn in der Team-Kombination zusammen mit Tanguy Nef vom Montag. «Wenn ich nicht 100 Prozent liefere, liefert Tanguy (Nef). Es passt aktuell einfach alles perfekt zusammen.»
Das Rennprogramm von Allmens ist mit dem Super-G beschlossen. Wenig überraschend resümiert er: «Ich glaube, ich kann zufrieden nach Hause gehen von diesen Olympischen Spielen.»
Odermatts wichtige 3 Hundertstel
Auch Topfavorit Odermatt blieben im Ziel nur noch die Gratulationen an Überflieger von Allmen – und die Freude über sein 2. Podest in Bormio. «Am Ende des Tages muss man eine olympische Medaille einfach nehmen. Klar war die goldene das Ziel gewesen, aber bei Franjo funktioniert einfach alles.»
Nach seinen bislang vier 4. Plätzen bei Grossanlässen (inklusive der Abfahrt vom Samstag bei Milano Cortina 2026) war Odermatt zuletzt auch das Hundertstel-Glück wieder hold gewesen. Sowohl bei seinem Silber in der Team-Kombi als auch beim 3. Platz im Super-G lag er nur 0,03 Sekunden vor dem ungeliebten 4. Platz.