Sieger George Russell schwärmte noch im Auto via Funk von den neuen Motoren. Der extreme Elektroschub im Hybridmotor sorgte beim Grand Prix von Australien für zahlreiche, abwechselnde Überholmanöver und für Szenen wie in einem Videospiel. Am Ende feierte Mercedes seinen ersten Doppelsieg seit 16 Monaten.
Ferrari hielt in Melbourne anfangs aufsehenerregend dagegen, hatte am Ende aber das Nachsehen. Charles Leclerc und Lewis Hamilton äusserten sich ebenfalls wohlwollend zur neuen Formel 1, in der Verbrenner und Elektromotor jeweils etwa die Hälfte der Leistung liefern.
Verstappen nimmt's mit Galgenhumor
Doch bei Weitem nicht alle Piloten lieben die Antriebe. Weltmeister Lando Norris und Max Verstappen etwa, vergangene Saison die Titelrivalen, landeten nur auf den Plätzen fünf und sechs – und machten ihrem Frust wie schon am gesamten Wochenende Luft.
Ein «Top-Rennen» sei das gewesen, sagte etwa Verstappen mit ganz viel Galgenhumor, schon zuvor hatte er betont, dass er am Steuer «emotional und vom Gefühl her völlig leer» sei. Auch Norris liess wissen, dass das Chaos von Melbourne seine Meinung nicht geändert habe: Die Action auf der Strecke sei «künstlich» herbeigeführt.
Was der Engländer meinte: Die Positionskämpfe sind nun ganz entscheidend vom Energiestand in der Batterie beeinflusst. So war Leclerc am Start von Rang vier an die Spitze geschossen, dann durfte Russell als einer der ersten Piloten den neuen Overtake Mode ausprobieren – einen Extraschub aus dem Elektromotor, der den Klappflügel DRS ersetzt.
Diese Überholhilfe stellte sich als äusserst mächtig heraus, insgesamt 120 Manöver zählten die Statistiker. Im Vorjahr waren es nur deren 45 gewesen.
Bortoletos «Gehirn explodierte fast»
Für Audi indes begann das Abenteuer Formel 1 zunächst mit einer Enttäuschung. Nico Hülkenberg konnte am ersten Rennen in der Geschichte des Werksteams nicht teilnehmen, schon auf dem Weg in die Startaufstellung traten Probleme mit der Telemetrie auf.
Dafür standen am Ende die ersten WM-Punkte: Gabriel Bortoleto wurde Neunter. Der Brasilianer schilderte anschliessend: «Vielleicht hatte ich zu viel Spass. Zwischendrin wäre mein Gehirn fast explodiert.»